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Meinung der Woche
08. März 2016

Lerne Deinen Nachbarn kennen!

Machen wir die Revolution im 21. Jahrhundert: Lernen wir unsere Nachbarn kennen und versuchen wir Gemeinsamkeiten zu finden. Wo Vertrauen und Kommunikation herrscht, werden automatisch Ressourcen geschont.

Julian GrögerBildungsreferentHeinrich-Böll-Stiftung Brandenburg

Julian GrögerBildungsreferentHeinrich-Böll-Stiftung Brandenburg
Julian Gröger arbeitet unter anderem für die Heinrich-Böll-Stiftung Brandenburg und engagiert sich bei www.weddingwandler.de (Foto: Julian Gröger)
Julian Gröger arbeitet unter anderem für die Heinrich-Böll-Stiftung Brandenburg und engagiert sich bei www.weddingwandler.de (Foto: Julian Gröger)

08.03.2016 – Nach dem desaströsen Erlebnis des Kopenhagen-Gipfels im Dezember 2009 habe ich mich während meines Studiums Umweltmanagement Graswurzelbewegungen angeschlossen. Von oben wird der Wandel nicht mehr kommen – da war ich mir sicher. Also müssen wir ihn von unten gestalten – by design oder by desaster. Ich habe in dieser Zeit die Nachbarschaftsbewegung aus England „Transition Town“ kennengelernt. Kern: Nur über lokal gut vernetzte Nachbarschaften werden wir einen Wandel hin zur krisenfesten Resilienz gestalten können.

Lokal wird bestimmt, welche Modelle am besten passen. Noch haben wir die Chance, eine Wandel von angeblich billiger, fossiler Energie verbunden mit viel Anonymität hin zu einer lebendigen Gesellschaft basierend auf erneuerbaren Kräften „by design“ zu gestalten: Gemeinsam in CSA-Gruppen (solidarische Landwirtschaft) Gemüse anbauen und verzehren, Tauschringe, Regionalwährungen, Brotback-Kollektive, gemeinsame Abendessen in der Nachbarschaft, Wissensaustausch über den Umgang mit Hausverwaltungen, Mülltonnenmanagement oder freie Fahrrad-Reparieraktionen. All diese Instrumente sind dafür da, zum Einen die Gemeinschaft zu stärken, zum anderen aber auch gleichzeitig Ressourcen zu schonen.

Jetzt in der nächsten Entwicklung der Energiewende werde ich darin bestätigt. Man kann nicht mehr einfach bauen und sich auf die Einspeisevergütung freuen. Man mag davon halten, was man möchte, aber der Drang des Eigenverbrauchs zwingt uns dazu, mehr und besser zu kommunizieren. Mieterstromprojekte, in denen die Mieter den Solarstrom vom Dach direkt beziehen, funktionieren vor allem dort, wo es eine gelebte Nachbarschaft gibt. Denn die Nachbarn müssen dem Projekt vertrauen und den Versorger wechseln. Wenn Nachbarn vernetzt sind, sich kennen und vertrauen, bereits andere Vorhaben gemeinsam gestämmt haben, dann haben solche Projekte wie Mieterstrom oder Bürgersolar gute Karten. Gleiches gilt für ganz andere bestehende und kommende Herausforderungen des 21. Jahrhunderts wie das Management von Geflüchteten.

Machen wir deshalb die Revolution im 21. Jahrhundert: Lernen wir unsere Nachbarn kennen! Und versuchen wir Gemeinsamkeiten zu finden, mehr in Gemeinschaften zu leben oder zumindest einen Kommunikationskanal aufzubauen! Dies gilt besonders für die an Bedeutung wachsenden urbanen Räume. Wo Vertrauen und Kommunikation herrscht, werden automatisch Ressourcen geschont.

Im Berliner Wedding und in vielen anderen Transition Town Initiativen weltweit haben wir schon mal angefangen, Nachbarschaftsnetzwerke aufzubauen. Das Mieterstromprojekt kann also bald kommen.

Julian Gröger arbeitet unter anderem für die Heinrich-Böll-Stiftung Brandenburg und engagiert sich bei www.weddingwandler.de




Kommentare

Diskutieren Sie über diesen Artikel

Gute Nachbarschaft e.V. 11.03.2016, 13:50:11

+143 Gut Antworten

Guter Ansatz,

 

der Verein Gute Nachbarschaft ist die juristische Personifizierung zum Inhalt dieser MdW. Sowas klappt auch in anderen Städten als Berlin, Göttingen oder Köln: Düsseldorf :-D

 

http://www.cafedukraeh.de/


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