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Meinung der Woche
29. Oktober 2019

Monopoly in der Energiebranche

E.ON und RWE spielen Monopoly mit dem deutschen Energiemarkt und die Wettbewerbshüter halten ihnen den Weg frei. Sie teilen sich das Spielbrett auf und stellen die alte Ordnung wieder her: Marktbeherrschend werden sie sein, wie vor über 20 Jahren. Auf der Strecke bleiben die Kunden, die Bürger und die Fairness. Zeit, dagegen zu kämpfen.

Dr. Thomas E. Banning, Vorstandsvorsitzender NATURSTROM AG

Dr. Thomas E. Banning, Vorstandsvorsitzender NATURSTROM AG
Dr. Thomas E. Banning, Vorstandsvorsitzender NATURSTROM AG
Foto: © Roland Horn

29.10.2019 – Eine gewisse Zeit macht das Gesellschaftsspiel Monopoly Spaß, weil es spannend ist: Wer kann sich wohl im Verlauf des Spiels entscheidende Straßen sichern, wer kann durch kluge Verhandlungen strategische Vorteile erreichen, um auf Straßenzügen bauen zu können? Ein munterer Wettbewerb entsteht. Nach einer gewissen Zeit aber kippt die gute Stimmung am Spieltisch immer. Denn dann ist absehbar, worauf es am Ende hinausläuft: Die Konzentration des Besitzes der Straßen bei einem Spieler führt dazu, dass die Mitspieler auch mit Kreativität, Einsatz oder klugen Entscheidungen nicht mehr gewinnen können. Es beginnt ein zäher, aber absehbarer Weg zum Ende des Spiels mit einem Gewinner, der das Brett und die Mitspieler in der Hand hält.

Damit genau diese Machtkonzentration in der echten Wirtschaft nicht passiert, gibt es das Wettbewerbsrecht. Es schützt insbesondere die Konsumenten vor Situationen, in denen wenige Marktteilnehmer über ihre Marktmacht überhöhte Preise auf Märkten durchdrücken können. Und es ermöglicht neuen Mitspielern durch Innovation und Einsatz, selbst Marktanteile erlangen zu können.

Damals war die alte Energiewelt noch in Ordnung

In den Jahren, in denen sich die alte Energiewirtschaft keine Sorgen um Konkurrenz machen musste, war die Welt für sie in Ordnung. Nach der Marktliberalisierung der Strommärkte 1998 musste sie sich zwar Stück für Stück dem Wettbewerb stellen, konnte sich aber über ihre alten Gebietsmonopole bei den Strom- und Gasnetzen weiter gute Margen sichern.

Der Blick auf die Aktienentwicklung der Unternehmen zeigt: Erst das zwei Jahrzehnte andauernde Verschlafen der Energiewende und die gleichzeitige Innovationsfreude von kleinen Unternehmen und engagierten Bürgern ließen die Einnahmen aus Atom- und Kohlekraftwerken schrumpfen. Viele Menschen wollten eben eine andere Art der Energieversorgung. Man könnte sagen: Der Wettbewerb hat funktioniert und der Markt kann den Konsumenten nun freie Anbieterwahl und transparente Strompreise garantieren.

Die Renditen der Energiekonzerne sind nicht mehr auf altgewohntem Niveau – trotz vieler Unterstützung, um nicht zu sagen Geschenken des Staates im Zusammenhang mit der Stilllegung von fossilen Kraftwerken. Und nun setzt die EU-Kommission dem Ganzen noch die Krone auf: Sie genehmigt den Deal zwischen RWE und E.ON ohne nennenswerte Auflagen.

Zwei angeschlagene Konzerne ordnen sich neu – teilen die Innogy AG unter sich auf und tauschen Geschäftsfelder aus. RWE übernimmt alle Kraftwerke der Konzerne und wird damit Deutschlands größter Stromproduzent. Und E.ON bekommt alle Stromnetze, Zähler und vor allem den Vertrieb an Endkunden. Diese beiden Anbieter kommen sich nun nie mehr in die Quere, jeder hat seinen eigenen Bereich, dort ist er unangefochten die Nummer 1. Und zusätzlich erhält RWE ein Sechstel der E.ON-Aktien, redet dort also mit und muss kaum befürchten, dass E.ON Interessen von RWE zukünftig nicht berücksichtigt. Ganz im Gegenteil zu vielen kleinen Projektieren und Energieversorgern, deren Abhängigkeit von den E.ON-Netzgesellschaften massiv steigt.

Ungesunde Machtkonzentration

E.ON wird sowohl in der Energiebelieferung an Endkunden als auch beim Betrieb der Strom- und Gasnetze sowie der Zähler das dominierende Unternehmen in Deutschland sein. Mit der Übernahme der Innogy-Kunden wird E.ON inklusive aller seiner Beteiligungen rund 16 Millionen Stromkunden beliefern. Für rund 67 Prozent der Kunden in Deutschland wird der E.ON-Konzern der Grundversorger, zudem sind gemessen an der Leitungslänge 50 Prozent der Verteilnetze in der Hand des Konzerns.

Es ist einfach nicht vorstellbar, dass die E.ON-Manager ihre Macht nicht auch nutzen werden in Zukunft – zum Nachteil für die Kunden und die anderen Marktteilnehmer.

Allein durch schiere Größe kann E.ON zukünftig die Preise für Komponenten und Systeme drücken, egal ob es um Ladestationen für E-Autos geht oder Stromzähler, um Umspannwerke oder Software. Welcher Lieferant soll sich den Wünschen dieses Marktriesens entziehen können, der alleine grob die Hälfte der Nachfrage in Deutschland ausmacht? Und welche Preise wird derselbe Lieferant von seinen anderen Kunden fordern müssen, um die Rabatte und Sonderpreise für E.ON wieder auszugleichen in seiner wirtschaftlichen Kalkulation? Und wenn E.ON Vorgaben zu Technologien und Normen im Energiesektor macht – glauben Sie, dass da jemand noch gegen anhalten kann oder auch nur will? Man sieht sofort: Alle anderen Anbieter werden ab jetzt immer massive Nachteile im Wettbewerb haben.

Für alle anderen außer E.ON wird es eng

Und wie beim Monopoly kann der besonders starke Spieler genüsslich warten, bis die kleinen Mitspieler in seinem Feld landen, kann die teilweise staatlich reglementierten Preise verlangen und gute Rendite erwirtschaften und das Geld einsetzen, um durch vorübergehende Niedrigstpreise Stromkunden zu übernehmen und andere Anbieter für immer aus dem Markt zu drängen, ist in der Lage, einen nach dem anderen Wettbewerber zu übernehmen und die anderen so zu erziehen, dass sie formal selbständig bleiben, aber immer am Gängelband des dominanten Players hängen.

Marktbeherrschende Stellung nennt man das. Im Wettbewerbsrecht ist man sich einig, dass solches verhindert werden muss, denn mit den kleinen Wettbewerbern verschwinden schnell die Innovationskraft und die Diversität der Entwicklungen, zudem werden mangels Alternativen die Kunden irgendwann mit Monopolmacht gemolken.

Reiche werden reicher, Konzerne noch größer, Mächtige noch mächtiger

Unverständlich, wie die EU solches zulassen konnte – zum Nachteil anderer Anbieter, von Innovationen, von fairen Strompreisen für Endkunden. Aber die Sonntagsreden der großen Politik, die solche Begriffe nur zu gerne hoch preisen, halten halt selten länger als über den Sonntag hinaus – danach zählt im Alltag nur noch der schnöde Mammon, der Wunsch der Reichen, noch reicher zu werden, der Konzerne, noch größer zu werden, der Mächtigen, alleine die Macht zu haben.

Was ist mit Bürgernähe, was mit Mittelstand, was mit Fairness im Energiemarkt? Der Wandel hin zu einem liberalisierten und für die Kunden attraktiven Markt wurde in den letzten zwei Jahrzehnten von engagierten Bürgern und innovativen Unternehmen mühsam erkämpft. Damit einhergehend ist die Energiewende in Deutschland dank dieser Menschen und Unternehmen und gegen den erbitterten Widerstand von RWE- und E.ON-Managern in Fahrt gekommen. Mit über 40 Prozent Ökostrom im Netz ist etwas entstanden, was die klassischen Versorger nie für möglich gehalten hätten. Sie haben die Entwicklung verschlafen und wurden eines Besseren belehrt, sie mussten erstmals seit den 30er Jahren Wettbewerb hinnehmen und durch die Erneuerbaren einen Preisverfall im Großhandel erleben, der die Rendite reduziert.

Jetzt gemeinsam gegensteuern

Nun holen sie sich das Spielfeld zurück,mit Billigung und Unterstützung der staatlichen Institutionen. Dass die EU-Wettbewerbshüter diese Marktkonzentration unter lächerlichen Bedingungen genehmigt haben, müsste uns Bürger auf die Straße und im Zweifel mit einer Klage in den Gerichtssaal bringen. Wenn wir nun die Achseln zucken und zuschauen, dann wird am Ende das gesamte Spielbrett in der Hand eines Konzerns sein. Und wir Bürger damit auch. Wenn wir weiterhin freie Märkte und eine diversifizierte Wirtschaft wollen, dann müssen wir diesem Spuk entschlossen entgegentreten.

Mein Apell: Wenn Sie noch zufälligerweise zu den Kunden der E.ON-Gruppe gehören – kündigen Sie alle Verträge dort und wechseln Sie zu einem der kleinen und besonders nachhaltig agierenden Energieversorger! Jeder Euro, den Sie oder Ihre Freunde unnötigerweise bei diesem Konzern abgeben, ist ein Euro für den Abbau der energiewirtschaftlichen Demokratie. Noch gibt es Alternativen – stärken Sie diese!

 




Kommentare

Diskutieren Sie über diesen Artikel

Denkender Bürger 29.10.2019, 19:29:25

Was im Beitrag nicht angesprochen wurde:

Wie sieht das Ganze denn bei der Energieversorgung in Wirtschaft und Industrie aus?

Ohne diesen wichtigen Fakt ist die Betrachtung unvollständig und spiegelt nur einen Teil der Wahrheit wieder ...

Helmut Hoedt 29.10.2019, 22:04:11

Die Zukunft für alle Länder am Meer ist Wasserstoff , WIND_SOLAR_HYDROGEN_O2 _H2 GAS_WATER for DRINK and WATER for Agriculture . We take Partner in Afrika and Export H2 Gas to Europa . Wer in Energie bestehen will,braucht ein Konzept von H2energy SA ,Sie sollten WISSEN ,die Sonne ist nicht nur für die Ernährung sondern auch für das weitere Leben in diesem Klima Wandel mit veränderten Energien in der Welt. Die größte Wasserstoff Quelle der Welt ist das Wasser.Jeder Physiker kann bestätigen der Ozon mit O2 kommen nicht mehr durch zu den Ultravioletten Strahlen der Sonne . Ich bin Deutscher Staatsbürger und wir machen das erste Projekt in Marocco und später in ganz Afrika . Leistungsstark mit Ökologischem Engagement gehen wir vor und nehmen auch Finanz Partner auf in Afrika und Europa hat weniger Flüchtlinge ,da Arbeit und auch Wasser da ist . Gut und Geld gibt e viel auf der Welt aber niemand denkt an die nächste Generation . Zum Beispiel ich Helmut .Hoedt chem.eng. bin schon 1986 mit einem Wasserstoff Flugzeug geflogen. Der Teppich der von den täglichen Flügen in der Welt gemacht wird in unserem Himmel mit 1.260 ooo Flüge ohne Militär ist sehr groß und Stark. Die Verbrennung von 1 tonne Kerosin als Flugzeug Treibstoff erzeugt Kohlenstoff -Dioxid, also wie soll der Ozon mit O2 da durch kommen. Wir wünschen allen Länder die am Wasser liegen umzusteigen auf Wasserstoff und wir helfen gerne dabei..Die Klima Wende ist ist schon seit 2015 im vollen Gange .Die Veränderungen von Wind,Wasserfilme und Wolken aus dem Meer sind völlig anders als in den Jahren zuvor. Wasserstoff nicht explosiv,nicht giftig,nicht selbstentzündlich,nicht brand fördernd , nicht übel riechend und transportfähig über Rohre . In Deutschland liegen bereits seit Jahren 16 000 km Rohre für die Industrie und einigen Tankstellen . Angela Merkel die Kanzlerin und Physikerin hat auch schon eine Wasserstoff Tankstelle eingeweiht. Zum Ende möchte ich noch sagen ,dass wir immer bereit sind über Mail zu

Denkender Bürger 31.10.2019, 05:46:57

+4 Gut

Sie haben völlig Recht.

Ihren Ausführungen stehen nur leider 2 Probleme entgegen:

Zum einen besteht die Öko-Lobby weit überwiegend aus technischen Laien, die sich zwar darauf verstehen, ordentlich Stimmung für oder gegen eine Sache zu machen, aber mangels technischen Fachwissen und technischem Verständnis viele Technologien entweder gar nicht erst kennen, nicht verstehen oder aber die technischen Zusammenhänge nicht begreifen.

Das 2. Problem ist, daß diese Stimmungsmacher und die breite Öffentlichkeit nur ihren eigenen geistigen Micro-Kosmos sieht und nicht nach links und rechts schaut - geschweige denn in der Lage ist, mal etwas weiter zu denken, als es der eigene geistige Micro-Kosmos hergibt. Und wenn dann die herrschende Meinung (auf neudeutsch: Mainstream) eine bestimmte Richtung vorgibt, dann muß das für die Masse doch einfach richtig sein - erhaben über jedwede Kritik und Selbstkritik - mag diese auch noch so berechtigt sein.

Wir erleben es doch gerade live und in Farbe:

Der Kohleausstieg muß her - und zwar besser gestern als heute.

Daß das ganze ein komplizierter technischer Prozeß ist, der seine Zeit dauert, weil die für einen vollständigen Ersatz der Kohleverstromung notwendigen Technologien teilweise noch im Entwicklungsstadium stecken und außerdem die entsprechenden technischen Anlagen erst noch errichtet werden müssen, was seine Zeit dauern wird - das wird ignoriert, geleugnet oder schön geredet.

Und wehe dem, der etwas gegen diesen unabänderlichen Fakt sagt oder auch nur darauf hinweist - der wird sofort als Klima-Leugner oder (völlig neben dem Thema!!!) als AfD-Sympathiesant zerrissen. Habe ich hier schon mehrfach erlebt und zu spühren bekommen.

Das damit niemandem geholfen ist - der Umwelt am allerwenigsten - interessiert diese Leute dabei nicht.


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