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Meinung der Woche
08. Januar 2018

Nachhaltiges Bauen braucht neue Förderwege

Als Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen, kurz DGNB, sind wir vor rund zehn Jahren mit einer Vision gestartet: Bessere Gebäude zu bauen – für die Umwelt und die Menschen, und das Ganze auch noch wirtschaftlich. Die eine richtige Lösung gibt es dabei nicht gibt – aber geeignete Instrumente, die auf Anwendung warten.

Johannes Kreißig, Geschäftsführer DGNB GmbH

Johannes Kreißig, Geschäftsführer DGNB GmbH
Johannes Kreißig ist Geschäftsführer der DGNB GmbH. (Foto: © DGNB)
Johannes Kreißig ist Geschäftsführer der DGNB GmbH. (Foto: © DGNB)

08.01.2018 – Echte Pioniere sind damals zusammengekommen, um ihre Expertise zusammenzubringen und ein gemeinsames Verständnis zu entwickeln, was es braucht, um wirklich nachhaltiger zu bauen. Einige Prinzipien stehen dabei grundlegend für das Nachhaltigkeitsverständnis der DGNB: Ganzheitlichkeit, Lebenszyklusbetrachtung und Performanceorientierung. Was sich darin ausdrückt, ist das Bewusstsein darüber, dass es keine einfachen, linearen Lösungen gibt für die großen Herausforderungen, vor denen wir gemeinsam stehen. Und die Probleme drängen, wie wir alle wissen.

Doch wie kann man sinnvoll vorgehen? Welche regulatorischen Rahmen oder Anreizsysteme kann es geben? Das Wichtigste unserer Meinung nach ist, dass es nur eine integrative Lösungsfindung sein kann. Man muss die Probleme, die es gibt, verstehen, benennen und in den Kontext mit anderen Problemen setzen. So zu tun, als gäbe es keine Zielkonflikte, bringt uns nicht weiter, weil es das Problem nur verschiebt und nicht die Ursache bekämpft wird. Wir müssen verstehen, dass es nicht die „eine richtige Lösung“ gibt, sondern nur bessere oder schlechtere Lösungswege. Dort müssen die erforderlichen Optimierungsstrategien ansetzen. Das geht natürlich nur, wenn wir systemisch und in Prozessen denken und entsprechend handeln. Eine pragmatische Vorgehensweise und ein Wissen um die entscheidenden Stellschrauben ist dabei Grundvoraussetzung. In Deutschland kämpfen wir nach wie vor dafür, dass das Warten aufhört und wir endlich in der Breite ins Tun kommen.

Nachhaltige Gebäude und Quartiere bewerten

Was es nun braucht, sind geeignete Arbeits- und Lösungsinstrumente. Mit dem DGNB Zertifizierungssystem gibt es ein solches Instrument, das bei über 2.000 Projekten in mehr als 20 Ländern bereits erfolgreich angewandt wurde. Es ist ein Instrument, das Nachhaltigkeit messbar, damit für einen Investor bestellbar macht, und – noch wichtiger – die Gebäudeperformance optimierbar macht.

Das System fußt auf dem klassischen Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit: Ökologie, Ökonomie und Soziokulturelles. In rund 40 Kriterien adressiert es eine Vielfalt von Themen, die alle auf ihre Weise dazu beitragen, die Nachhaltigkeitsqualität eines Bauprojekts zu erhöhen. Dabei geht es um die Ökobilanz genauso wie um die Vermeidung von Risiko- und Schadstoffen. Es geht um eine Betrachtung der gesamten Lebenszykluskosten bis zum späteren Rückbau eines Gebäudes sowie die Flexibilität und Umnutzungsfähigkeit der Baukonstruktion.

Nicht zuletzt geht es um den Menschen als Gebäudenutzer und dessen Bedürfnis nach Gesundheit und Wohlbefinden. Kriterien, die hier ansetzen, sind beispielsweise die Innenraumluftqualität, der visuelle sowie der akustische Komfort, aber auch Themen wie Barrierefreiheit und Sicherheit. Dass dieses Prinzip funktioniert, belegen Studien zum Mehrwert des nachhaltigen Bauens und natürlich all die Projekte, die den Zertifizierungsprozess bereits erfolgreich durchlaufen haben. Sie zeigen, dass es möglich ist und es eigentlich keine Ausrede gibt, den nachhaltigen Weg nicht zu wählen.

Wo kann man regulatorisch ansetzen?

In Deutschland gibt es auf regulatorischer Seite bereits einige Maßnahmen, die erfolgreich eingeführt wurden. Das ist zum Beispiel der für Bauten des Bundes eingeführte Leitfaden „Nachhaltiges Bauen“ mit dem Umsetzungsinstrument BNB, welches das Pendant des DGNB Systems für Bundesbauten ist. Für private Bauherren gibt es umfangreiche Förderangebote durch die KfW, insbesondere im Bereich der kleinen Wohngebäude. Diese sind aktuell noch stark fokussiert auf das Thema Energieeffizienz, aber wir sehen, dass sich dies zunehmend in Richtung eines breiteren Nachhaltigkeitsverständnisses wandelt.

Aber reicht das in der heutigen Form? Sicher nicht. Wichtig wäre, dass Fördermaßnahmen nicht, wie bislang oft noch üblich, nur an die Planung gekoppelt sind, sondern an die Performance. Ein Monitoring der tatsächlichen Verbräuche wäre hierfür essentiell. Damit könnten wir einen wichtigen Schritt hin zu wirklich besseren Gebäuden schaffen, weil wir eine echte Incentivierung hätten. Anders formuliert: Statt Schlechtes zu sanktionieren, sollte das Bessere gefördert werden.

Dass sich eine Förderung von staatlicher Seite für alle Beteiligten lohnt, liegt auf der Hand, wenn man bedenkt, dass jeder geförderte Euro etwa das Zehnfache an privaten Investitionen induziert. Daher macht eine Förderung von nachhaltigem Bauen auch volkswirtschaftlich Sinn und kann als Lenkungsinstrument eine wichtige Funktion im Transformationsprozess spielen.

Letztlich sind es drei wesentliche Aspekte, die bei der regulatorischen Incentivierung entscheidend sind: Es müssen erstens wirklich Anreizsysteme sein. Zweitens muss die Performance der Maßstab sein, nicht der Plan. Und wir brauchen drittens eine ganzheitliche Betrachtung, die über Einzelaspekte wie die Energieeffizienz deutlich hinausgeht. So wird es gelingen, nachhaltiges Bauen noch mehr in die breite Umsetzung zu bringen, als es heute der Fall ist.

Johannes Kreißig ist Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen DGNB GmbH.




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