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Meinung der Woche
29. Januar 2018

Netzentgelte: Weniger Arbeit, mehr Leistung

Die Energiewelt wird dezentraler, erneuerbarer und digitaler. Zeit, dass sich dies endlich auch in unserem Netzentgeltsystem widerspiegelt. Eine künftige Bundesregierung muss eine grundlegende Reform angehen.

Robert Busch, Geschäftsführer Bundesverband Neue Energiewirtschaft

Robert Busch, Geschäftsführer Bundesverband Neue Energiewirtschaft
Robert Busch führt seit 2005 die Geschäfte des bne. (Foto: bne/Jan Pauls)
Robert Busch führt seit 2005 die Geschäfte des bne. (Foto: bne/Jan Pauls)

29.01.2018 – Dass die Energiewende zu einer Dezentralisierung der Energieversorgung führt, ist längst eine Binsenweisheit. Schon jetzt erzeugen mehr als 1,5 Millionen Anlagen auf den unteren Netzebenen Strom, immer mehr angeschlossene Kunden verbrauchen oder speichern diesen direkt vor Ort. Die Energieflüsse im Netz haben sich geändert, das Management wird zwar komplexer, aber durch moderne IT lässt sich dies bewerkstelligen.

Was weiterhin fehlt ist ein Netzentgeltsystem, das zu einer vernetzten Energiewelt passt, in der flexible Verbraucher, Erzeuger und Speicher miteinander agieren. Und genau auf diese Welt bewegen wir uns zu. Unser Netzentgeltsystem geht aber immer noch von einer Situation aus, in der Strom aus zentralen Kraftwerken über die verschiedenen Netzebenen zu den Verbrauchern verrieselt wird. Ein Beispiel dafür sind die völlig veralteten Tag und Nacht-Zeitfenster, über die steuerbare Verbrauchsanlagen günstige Netzentgelte enthalten (EnWG 14a). Die Regelung wurde geschaffen, damit große träge Kraftwerke nachts ihren Strom in Speicherheizungen loswerden konnten. Heute gibt es dagegen eher einen Bedarf mittags die Spitzen der Solarerzeugung abzufedern. Hier muss es ein Umdenken geben: Wer sich flexibel verhält, seinen Strombezug bei Bedarf erhöht oder reduziert, kann dafür belohnt werden.

Aber auch die Netzentgeltstruktur muss sich grundsätzlich ändern. Das System aus Arbeitspreis und Leistungspreis passt nicht in eine Welt, in der immer mehr Kunden Strom selbst erzeugen und nur Reststrom über das Netz beziehen. Aktuell richten sich die Entgelte vor allem nach dem Verbrauch sprich dem Arbeitsanteil. Netzkosten sind aber ganz überwiegend Vorhalte/ -fixkosten, die sich durch Eigenerzeugung nicht wirklich sparen lassen. Die Kosten für die Infrastruktur müssten in der Folge von einer immer kleiner werden Gruppe von Energiekunden getragen werden, die keine Chance auf eigene Eigenverbrauchsanlagen haben. Auf Dauer wird das nicht durchzuhalten sein.

Wir schlagen die Einführung eines Anschlussentgeltes vor. Dabei wird ein fester jährlicher Betrag für die Nutzung des Netzes erhoben, der gleich ist für ständige oder gelegentliche Netznutzung durch Ein- oder Ausspeisung. Das Anschlussentgelt soll sich allein an der technischen Leistungsfähigkeit des jeweiligen Anschlusses orientieren und je Netzebene erhoben werden. Mit klug gesetzten Rahmenbedingungen lassen sich Verwerfungen für einige Verbrauchsgruppen und Brücke für Netzbetreiber vermeiden.

Der Arbeitsanteil im Netzentgelt würde entfallen. Auf diese Weise können die Anreize zum flexiblen Verbrauch aus den Strommarktpreisen, die nach wie vor Arbeitsentgelte sind, unverfälscht bis zum Verbraucher gelangen. In Hinblick auf Power-to-X-Lösungen und einen Sektor übergreifenden Wettbewerb der Energieträger ergibt sich ein Anreiz für das Nutzen der Flexibilitätsoptionen.

Schnell und einfach umzusetzen ist eine solche Reform nicht. Viele politische Entscheidungsträger, aber auch Vertreter von Behörden haben aber den zeitnahen Bedarf zum Handeln erkannt. Wenn CDU/CSU und SPD nun in Koalitionsgesprächen über die Leitplanken der künftigen Energie- und Klimapolitik beraten, muss die Transformation des aus der analogen und fossilen Zeit stammenden Netzentgeltsystems auf der Agenda stehen.

Robert Busch ist seit 2005 Geschäftsführer des Bundesverband Neue Energiewirtschaft (bne). Der Jurist begann arbeitete u.a. für die „Task Force Netzzugang“ im Bundeswirtschaftsministerium und war Geschäftsführer der statt-werk GmbH.




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