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Meinung der Woche
09. September 2019

Ohne eine radikale Verkehrswende werden wir die Klimakatastrophe nicht aufhalten!

Die Klimakrise verschärft sich mit enormer Geschwindigkeit. Eine ihrer wesentlichen Ursachen ist der motorisierte Individualverkehr. Das Bündnis Sand im Getriebe will deshalb am 15. September die Internationale Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt blockieren, um eine radikale Verkehrswende von unten zu erzwingen.

Thomas Eberhardt-Köster, Attac Deutschland und Teil des Bündnisses Sand im Getriebe  

Thomas Eberhardt-Köster, Attac Deutschland und Teil des Bündnisses Sand im Getriebe  
Foto: privat

09.09.2019 – Der Verkehrssektor ist Deutschlands größter Energieverbraucher und mit einem Anteil von über 18 Prozent eine der größten Quellen von CO²-Emissionen. Vor allem der motorisierte Individualverkehr treibt die Klimakrise voran. Von den Emissionen im Verkehr entfallen über 96 Prozent auf den Straßenverkehr. Trotzdem gibt es bisher kaum Anzeichen, dass die maßgeblichen Akteure – Verkehrspolitik und Autoindustrie – wirksam Schritte für eine tatsächliche Kehrtwende einleiten wollen. Die Kritik am ungesunden, klimazerstörenden und sozial ungerechten Verkehrssystem wächst jedoch: Sie wird auf jeder Demonstration von Fridays for Future zunehmend laut formuliert, und in den Städten debattiert die Kommunalpolitik allerorts über eine Verkehrswende.

Was wir brauchen ist eine radikale Verkehrswende

Dabei könnte die Verkehrswende längst in vollem Gange sein: Ein ausgebauter und verlässlicher öffentlicher Nah- und Fernverkehr könnte Mobilität deutlich klimaschonender ermöglichen und gleichzeitig angenehmer machen, als das auf motorisierten Individualverkehr fixierte Verkehrssystem, mit dem wir uns heute herumquälen. Unsere Städte sind autogerecht statt menschengerecht. Die Trennung von Wohnen und Arbeiten und die Verlagerung von Einkaufen in die Randgebiete der Städte zwingen zu langen Wegen. Breite Straßen und riesige Parkplätze ließen sich in Fuß- und Fahrradwege sowie städtische Begegnungsräume umwandeln. Städte werden lebenswerter, wenn der öffentliche Raum umverteilt wird: Mit einer Stadt der „kurzen Wege“, die den öffentlichen Verkehr sowie den Fuß- und Radverkehr fördert, können 90 Prozent aller Strecken ohne Autos zurückgelegt und Innenstädte autofrei werden – ganz ohne schmutzige Luft, Blechlawinen, Lärm und Asphaltwüsten. Und auch für die klimaschonende Anbindung des ländlichen Raumes können die Weichen schon heute richtig gestellt werden, indem Regionalstrecken nicht zurück-, sondern ausgebaut und durch Rufsysteme ergänzt werden.  Öffentlicher Verkehr zum Nulltarif ist möglich, wenn die Subventionen für Diesel, Kerosin und Dienstwagen abgeschafft werden.

Ziel einer radikalen Verkehrswende muss ein Ende des zerstörerischen Individualverkehrs und ein gemeinwirtschaftliches, klimaneutrales Verkehrssystem sein, das allen zugänglich ist.

Die Autokonzerne machen im Wesentlichen weiter wie bisher

Als würde es genügen, die Produkte einfach ein bisschen grün anzustreichen, machen die Autokonzerne weiter wie bisher und rasen mit Vollgas Richtung Heißzeit. Sie wollen ihr profitables Geschäft mit dem Auto nicht aufgeben und ihre Produktpalette allenfalls modifizieren. Mit E-Mobilen soll der Verkehr CO²-neutral werden. Aber deren Herstellung setzt doppelt so viele CO²-Emissionen frei wie konventionelle Vergleichsprodukte und benötigt zudem die seltenen Metalle Lithium und Kobalt. Und die Städte verstopfen sie im selben Maße wie ihre Vorgänger mit Verbrennungsmotor. Zumal mit jedem neuen Modell die Menge an Blech wächst, weil die Fahrzeuge größer und schwerer werden.

Auf der IAA in Frankfurt werden VW, Daimler, BMW & Co. sich und ihre zerstörerischen Blechkisten feiern. Kein Wunder: Mit dem Bau und Verkauf von Autos ist viel Geld zu verdienen. Die Autoindustrie gehört zu den mächtigsten Zweigen der deutschen Wirtschaft und bildet das Fundament des deutschen Exportmodells – mit seinen verheerenden ökonomischen, sozialen und ökologischen Folgen weltweit. Unter dem Slogan „Driving Tomorrow“ wirbt der Messeveranstalter VDA auf der IAA 2019 immer noch für ein Verkehrssystem von gestern. Höher, schneller, schwerer: Das ist das Motto des ungebremsten Wachstums – auch mit Elektroantrieb.

Diese Show will das Bündnis Sand im Getriebe als das entlarven, was sie wirklich ist: Eine Inszenierung zum Wohle derer, die auf dem Rücken der Ärmsten und zukünftiger Generationen am Auto verdienen.

Mit Zivilen Ungehorsam für Klimaschutz gegen die Autokonzerne

Weil die Autokonzerne nicht von alleine ihr klimaschädliches Geschäftsmodell aufgeben werden, will das Bündnis Sand im Getriebe während der Aktionstage vom 13. bis 15. September in mit einer öffentlich angekündigten Aktion zivilen Ungehorsams die IAA blockieren: Die Aktivist*innen aus klima- und verkehrspolitischen sowie globalisierungskritischen Gruppen werden sich vor die Messeingänge setzen und die Klima- und Umweltzerstörer da blockieren, wo sie als Statussymbole präsentiert werden sollen. Die geplante Aktion ist ein bewusster Regelübertritt und steht in der Tradition der sozialen Bewegungen, die den Atom- und auch den Kohleausstieg durchgesetzt oder die Gentechnik verhindert haben. Neben der Kohle kommt jetzt der Verkehr dran: Angesichts der Untätigkeit der Regierenden sind die Aktivist*innen überzeugt, dass ziviler Ungehorsam notwendig und legitim ist, um klimaschonende Mobilität für alle zu ermöglichen. Denn auch die Verkehrswende bleibt Handarbeit.

Mit der Aktion soll Sand ins Getriebe der Autokonzerne gestreut werden, um die Macht der Autolobby zu brechen und Klimagerechtigkeit durchzusetzen.

 

Wer sich an der Aktion am 15. September beteiligen möchte, findet hier weitere Information: https://sand-im-getriebe.mobi

Am 14. September gibt es zudem eine Fahrradsternfahrt und einen Demonstration vom Bündnis #aussteigen: https://iaa-demo.de

Am 13. September Podiumsdiskussion „Verkehrswende gemeinsam durchsetzen“ von Attac: http://www.attac.de/podium-verkehrswende

 




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