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Meinung der Woche
14. November 2016

Prosumer als Gestalter der Energiewende

Mit der Demokratisierung des Strommarkts konnten Verbraucher zum Produzenten werden. Doch kleine Prosumer haben heute noch zu wenige Chancen am Markt.

Dr. Astrid AretzWissenschaftliche MitarbeiterinInstitut für ökologische Wirtschaftsforschung

Dr. Astrid AretzWissenschaftliche MitarbeiterinInstitut für ökologische Wirtschaftsforschung
Dr. Astrid Aretz ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (Foto: © Astrid Aretz)
Dr. Astrid Aretz ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (Foto: © Astrid Aretz)

14.11.2016 – Als ich Kind war, war eines völlig klar: Der Strom kam vom Energieversorger meiner Region. Alternativen gab es nicht. Welchen Weg wir von damals bis heute bestritten haben, hat ein unglaubliches Ausmaß, über die Liberalisierung, die mir die Möglichkeit zur Wahl eines Stromanbieters eröffnete, bis zur Möglichkeit, selbst Betreiberin oder Teilhaberin einer Erneuerbaren-Energie-Anlage zu werden. Und nicht nur das, heute kann ich zudem selbst Prosumerin werden, beispielsweise mit einer eigenen Photovoltaik-Anlage Strom für den Eigenverbrauch produzieren und damit gleichzeitig Verbraucherin und Produzentin sein.

Mit einem dezentral installierten Speicher kann die Eigenverbrauchsquote auch noch deutlich gesteigert werden. Diese Entwicklung hat die Stromversorgung demokratisiert. Viele neue Akteure, von Unternehmen über Genossenschaften und allen voran die BürgerInnen selbst, tragen mit zur Umgestaltung des Energiesystems bei.

Keine Frage, diese Diversifizierung bringt auch Herausforderungen mit sich. Einerseits sind technische Probleme zu lösen, die jedoch größtenteils nicht primär durch Prosumer hervorgerufen werden, sondern die aus den Anforderungen für den erfolgreichen Ausbau der Erneuerbaren Energien folgen. Hier sind besonders der notwendige Netzum- und -ausbau auf allen Spannungsebenen und die Steuerung und Regelung dieser zumeist dezentral installierten Anlagen zu nennen.

Andererseits weckt die Umverteilung von Macht und Geld auch Begehrlichkeiten. Als Ergebnis dieses Machtkampfes ist wohl der politische Richtungswechsel zu bewerten, der mit der letzten EEG-Novelle durch das eingeführte Ausschreibungsmodell großen Akteuren bessere Marktchancen ermöglicht. Noch betrifft dies nur größere EE-Projekte für die Wind- und Solarenergienutzung. Anlagen von Prosumern im Privatbereich werden noch nach dem Modell der Einspeisevergütung verrechnet. Damit ist aber die Nische für Prosumer festgelegt, die möglicherweise durch zukünftige Novellen des EEG weiter eingeschränkt wird. Prosumer-Modelle mit größerer Anlagenleistung, wie sie beispielsweise für das Gewerbe oder für eine Quartiersversorgung notwendig wären, sind bereits jetzt schwieriger zu realisieren.

Sollten Prosumer denn eine nennenswerte Rolle in der zukünftigen Energieversorgung haben? Ich denke ganz entschieden, ja! Ich sehe in einer vielfältigen Akteursstruktur einen großen Nutzen – über die Akteure hinaus. So haben viele Bürger die Möglichkeit der Mitgestaltung bei ihrer eigenen Energieversorgung und sie investieren privates Kapital in den Ausbau der Erneuerbaren Energien. Dies alles ist eine entscheidende Grundlage für die breite Akzeptanz und den Erfolg der Energiewende.

Viele Beispiele zeigen, dass sowohl große als auch kleinere Projekte mit gesellschaftlicher Relevanz nur dann erfolgreich sind, wenn Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit gegeben wird, sich unmittelbar an ihnen zu beteiligen und sie sich so mit ihnen identifizieren können. Deshalb sollte meiner Meinung nach der Kreis der Prosumer größer werden. Dafür muss ein wirtschaftlicher Betrieb von Prosumeranlagen möglich sein, damit die Verbreitung der Anlagen weiter zunimmt und neue Akteure beispielsweise durch Mieterstrommodelle angesprochen werden.

Dr. Astrid Aretz ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW). Sie hat zusammen mit Kolleginnen und Kolleginnen vom IÖW, der RWTH Aachen und der Gesellschaft für wirtschaftliche Strukturforschung (gws) im Rahmen eines Projektes zu Prosumern geforscht und dazu ein policy paper veröffentlicht.




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