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Meinung der Woche
14. Juli 2014

Retten wir die Energiewende?

Energiewende paradox: Letztes Jahr wurde hierzulande so viel Strom aus Braunkohle produziert wie seit 1990 nicht mehr. Wegen des Ausbaus regenerativer Energie sinken die Strompreise an der Börse. Die klimafreundlicheren Gaskraftwerke können mit den Preisen der großen Atom- und Braunkohlekraftwerke nicht mithalten und werden verdrängt. Von den günstigen Preisen profitiert ausschließlich die Industrie, die fast vollständig von der EEG-Umlage befreit ist.

Florian KubitzVorstandssprecherROBIN WOOD

Florian KubitzVorstandssprecherROBIN WOOD
Florian Kubitz arbeitet seit 8 Jahren in der Solarbranche und ist Vorstandssprecher der Umweltorganisation ROBIN WOOD. (Foto: Florian Kubitz)
Florian Kubitz arbeitet seit 8 Jahren in der Solarbranche und ist Vorstandssprecher der Umweltorganisation ROBIN WOOD. (Foto: Florian Kubitz)

14.07.2014 – Von den günstigen Preisen profitiert aus­schließlich die Industrie, die fast vollständig von der EEG-Umlage befreit ist. Statt dieses Problem anzugehen, verkündete Energieminister Gabriel als erste Amtshandlung eine Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) mit dem Ziel, den Ausbau der Erneuerbaren zu bremsen und so den Strompreisanstieg für die VerbraucherInnen zu stoppen. Dabei weiß der Minister selbst, dass der Neubau von Erneuerbaren Anlagen kaum Einfluss auf die EEG-Umlage hat. Um diese zu senken, müsste man die Rabatte für die Industrie verringern. Außerdem müssten alte Kohle- und Atomkraftwerke abgeschaltet werden. Denn durch das Überangebot an Strom sinken die Börsenpreise und das führt paradoxer Weise zu steigenden Preisen bei den VerbraucherInnen. Die EEG-Umlage berechnet sich ja aus der Differenz zwischen den Förderkosten der Erneuerbaren Energien und dem Börsenpreis.

Unter dem Motto „Energiewende Retten – Sonne und Wind statt Kohle und Atom“ gründete sich ein breites Bündnis aus Atomkraft- und KohlekraftgegnerInnen, Umweltverbänden und Branchenverbänden der Erneuerbaren Energien. Zehntausende Menschen demonstrierten in mehreren Landeshauptstätten und in Berlin. Die Demonstrationen zeigen, wie massiv die Unterstützung in der Bevölkerung für den Atomausstieg, gegen Kohlestrom und das Fracking ist und wie sehr sich die Menschen für den Ausbau der Erneuerbaren Energie engagieren.

Dennoch setzt der Minister sein Vorhaben um. Lediglich kleine Verbesserungen können durch die MinisterpräsidentInnen der Länder erreicht werden. Neben dem Deckel für die Windenergie könnte vor allem die Abgabe auf selbst genutzten Strom die Energiewende ausbremsen.

Waren die Proteste gegen Gabriels Ökostrombremse also erfolglos? Nicht ganz, denn immerhin gibt es in Deutschland Ansätze für eine neue Massenbewegung. Diese richtet sich nicht mehr nur gegen Atomkraft, sondern kämpft auf breiter Basis für die Energiewende, also gegen Kohle, Fracking und Atom und für den Ausbau von Energiespeichern und regenerativen Energien in Bürgerhand.

Der Kampf um die Energiewende geht weiter. Wenn es uns gelingt, die neue Bewegung zu etablieren und zu stärken, müssen wir uns keine Sorgen machen. Mit einer starken Bürgerbewegung können wir die Energiewende schaffen - auch gegen die Macht der großen Energiekonzerne.

ROBIN WOOD wurde 1982 von UmweltschützerInnen gegründet, die dem lautlosen Sterben der Wälder nicht länger tatenlos zusehen wollten. Sie nannten sich – inspiriert vom legendären Robin Hood – ROBIN WOOD und zogen aus, um als „Rächer der Entlaubten“ gewaltfrei in Aktion zu treten. So manchen Schornstein haben die Umweltkletterer besetzt, um politisch für den Erhalt der Wälder zu streiten. Auch heute noch sind kreative und oft spektakuläre Aktionen das Markenzeichen von ROBIN WOOD.




Kommentare

Diskutieren Sie über diesen Artikel

Sonnenstromer 15.07.2014, 20:03:19

+167 Gut Antworten

Wie können wir gegen diese Gesetzesänderung vor gehen?

Wir sind das Volk!

Die Regierung hat gegen den Willen des Volkes entschieden!

Die Regierung muss weg!!!


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