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Meinung der Woche
05. März 2018

Richtig heizen für den Klimaschutz!

Regelmäßig tun sich Abgründe vor uns auf, wenn die aktuellen Heizkostenabrechnungen irritierter Bürger bei uns landen. Das Grauen reicht von handschriftlichen Schmierzetteln bis zu mehrseitigen Computerausdrücken mit Zahlen soweit das Auge reicht. Allen gemein: Das versteht kein Mensch und die Vermutung liegt nahe – das soll auch niemand verstehen.

Tanja Loitz, Geschäftsführerin co2online GmbH

Tanja Loitz, Geschäftsführerin co2online GmbH
Foto: Bild von Tanja Loitz
Tanja Loitz von der gemeinnützigen co2online GmbH (Foto: © co2online)

05.03.2018 – Verständliche Heizkostenabrechnungen wären ein guter Anfang. Rund 16 Mio. Haushalte erhalten jährlich eine schriftliche Abrechnung über ihre verbrauchte Heizenergie. Für uns als Klimaschützer sind das 16 Mio. verpasste Chancen für mehr Klimaschutz. Denn eine verständliche Heizkostenabrechnung ist ein wichtiger Hebel, Bürger in ihren eigenen Klimaschutzbemühungen herauszufordern. Sie würde nicht nur wichtiges Feedback liefern (zum Beispiel durch einen Vergleich meines Verbrauchs mit dem im Vorjahr). Sie würde auch zeigen, ob sich Maßnahmen positiv ausgewirkt haben. Und was motiviert letztendlich mehr zu weiteren Maßnahmen als der sichtbare Erfolg bisheriger Bemühungen?

Abrechnung mit Wirkung: vergleichen, Erfolge zeigen und motivieren

Heizkostenabrechnungen müssen nicht so aussehen wie sie aussehen. Sie könnten zu einem wichtigen Instrument für mehr Transparenz werden. Strom- und Gasabrechnungen machen es bereits vor. Das Energiewirtschaftsgesetz (EnWG §40) stellt hier bereits entsprechende Anforderungen wie die Angabe des Vorjahresverbrauchs. Im Gegensatz dazu sind hilfreiche Angaben nach der Heizkostenverordnung bisher überschaubar.

Ein erster Schritt wäre ein einheitlicher Aufbau für alle Abrechnungen. Die jährliche Information sollte nicht nur über den Energieverbrauch der Wohnung informieren, sondern auch über den energetischen Zustand des Gebäudes auf Basis des Energieverbrauchs. Werden zudem alle Preise für Wärme, Strom und Dienstleistungen transparent dargestellt, sind auch die Berechnungen nachvollziehbar. Der Clou: Alle dafür notwendigen Daten liegen den Messdienstleistern vor. Es muss nichts Zusätzliches gemessen werden. Eine unterjährige Erfassung, wie sie von Messdienstleistern gefordert wird, ist nicht notwendig und auch nicht sinnvoll. Denn welchen Effekt für den Klimaschutz sollte die aktuelle, wenig bis gar nicht verständliche Abrechnung haben, wenn ich sie nicht mehr jährlich, sondern einmal im Quartal erhielte? Richtig – Zero.

Ein weiterer wichtiger Hebel für mehr Motivation wäre, wenn Verbrauchern endlich die Daten in der Heizkostenabrechnung elektronisch zur Verfügung gestellt werden würden. So kann ich als Empfänger selbst entscheiden, wem ich meine Abrechnungsdaten für Monitoring oder Beratung zu meinem Verbrauchsverhalten weitergeben möchte. Die Energieeffizienzrichtlinie der Europäischen Union – kurz EED – fordert in §10 das Recht auf elektronische Verarbeitung und liefert implizit die rechtliche Vorlage für die Forderung nach den dafür notwendigen offenen Schnittstellen. Fragt sich nur, wann wir hier Ernst machen und aufhören eine Illusion von Klimaschutz zu erzeugen.

Was das alles kostet – und wie viel wir alle sparen könnten

Studien und Tests zeigen, dass durch eine transparentere Aufbereitung von Verbrauchsdaten und Feedback Energieeinsparungen von drei bis sieben Prozent erzielt werden können. Das entspricht deutschlandweit500 bis 935 Mio. Euro jährlich, durch Verhaltensänderungen der Bewohner und investive Maßnahmen der Hausbesitzer. Für unsere CO2-Bilanz bedeutet dies eine Minderungschance von jährlich 1,7 bis 3,3 Mio. Tonnen. Viel oder wenig? Immerhin so viel wie sämtliche Emissionen fürs Heizen von 380.000 bis 730.000 durchschnittlichen Haushalten.

Dem gegenüber stehen Kosten für die einmalige Umstellung der Formulare sowie zusätzliche Kosten für die Verbrauchsanalyse. Legen wir hier gängige Marktpreise zugrunde, belaufen sich die Mehrkosten auf 6 bis 15 Euro pro Abrechnung. Eine sinnvolle Investition – liegt sie doch unter den möglichen Einsparungen von 25 bis 50 Euro bei einer durchschnittlichen Wohnung von 70 qm. Also sind transparente Abrechnungen nicht nur klimafreundlich, sondern auch wirtschaftlich.

Alle Zeichen auf Grün – was bleibt zu tun? Die anstehende GroKo zu motivieren, dem Auftrag der Europäischen Energieeffizienzrichtlinie nachzukommen und entsprechende Informationen bei allen „Energieverbrauchsabrechnungen“ verbindlich einzuführen. Denn nur wenn ich meinen Verbrauch verstehe, werde ich ein Bewusstsein dafür entwickeln und motiviert sein, einen eigenen Beitrag zur Erreichung unserer Klimaschutzziele zu leisten.

Tanja Loitz ist Geschäftsführerin der gemeinnützigen co2online GmbH, die sich für die Senkung der häuslichen CO2-Emissionen einsetzt.




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