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Meinung der Woche
15. April 2019

Schlauer, schneller, weiter – die Energiewende europäisch denken

Wir müssen in Europa heute die Weichen für ein Energiesystem von morgen stellen: durch Netzausbau und -modernisierung. Die Erzeugung aus erneuerbaren Energien schwankt, ebenso der Verbrauch. Smart Grids schaffen Flexibilität auf Angebots- und Nachfrageseite. Das Spielfeld ist Europa, die Gangart: Vollgas.

Marie-Isabelle Heiss, Spitzenkandidatin Volt Deutschland

Marie-Isabelle Heiss, Spitzenkandidatin Volt Deutschland
Marie-Isabelle Heiss ist Spitzenkandidatin von Volt Deutschland für die Europawahl 2019
Foto: Volt Deutschland

Heftig kritisiert wurden die internationalen Schülerproteste der #FridaysForFuture-Bewegung, naive Schulschwänzer, so der Tenor der Kommentare. Die Taktik, nicht die Inhalte zu kritisieren, sondern den politischen Gegner zu diskreditieren, ist allerdings weder neu, noch besonders originell. Vor allem kann sie nicht hinwegtäuschen über die Tatsache:

  • Wir müssen die Energiewende hin zu sauberer Energie vollziehen – und zwar sofort. Dafür müssen wir unsere Energie zu nahezu 100% aus erneuerbaren Quellen erzeugen.

Intelligente Systeme – saubere Energie

Die Energiewende erfordert eine Neustrukturierung der drei zentralen Bereiche: Erzeugung, Transport und Verteilung. Wind- und Solarenergie wird durch viele dezentrale Erzeuger produziert, der Strom muss in das Netz eingespeist und über weite Strecken möglichst verlustarm transportiert werden. Die Stromversorgung muss stabil bleiben, trotz schwankender Stromproduktion. Dazu müssen wir die Digitalisierung des Energiesystems vorantreiben und die europaweite Vernetzung beschleunigen. Der unregelmäßige Stromverbrauch wird mit der unregelmäßigen Erzeugung durch intelligente Energienetze, sogenannte „Smart Grids“ kompatibel. Intelligente Stromzähler, die „Smart Meter“, stellen dabei die Schnittstelle zum Verbraucher.

Win-Win für Verbraucher und Klima

Durch Smart Meter können Privathaushalte ihren Energieverbrauch und gleichzeitig ihren CO2-Ausstoß steuern, reduzieren und so Geld sparen: Günstige Tarife werden von den intelligenten Stromzählern automatisch ausgewählt und Verbrauchsspitzen werde dadurch verflacht. In Zeiten, in denen viel Strom aus Erneuerbaren verfügbar und der Strompreis gering ist, können etwa Batterien oder Elektroautos aufgeladen werden, während bei Verbrauchsspitzen mit hohen Strompreisen der Verbrauch reduziert und somit die Zuschaltung klimaschädlicher Kohle und Gaskraftwerke vermieden werden kann. Auch industrielle Stromverbraucher können ihren Stromverbrauch und ihre Stromkosten dadurch reduzieren.

Die Risiken der Atomenergie und die Auswirkungen des Klimawandels bleiben nicht auf die einzelnen Nationen beschränkt.Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes kann entgegnet werden: Mit der Datenschutzgrundverordnung DSGVO haben wir europaweit einen fortschrittlichen Datenschutzstandard. Da Geräte verpflichtend einzubauen sind, treffen zudem alle Verbraucher dieselben Risiken. Risiken werden durch hohe Sicherheitsstandards und Verschlüsselung minimiert – wenn wir Forschung und Entwicklung weiter fördern, anstatt aufgrund irrationalen Misstrauens in die Technik Chancen verpassen, wie es bereits im Bereich Künstliche Intelligenz geschehen ist.

Gemeinsam in die Zukunft. Energiewende EU-weit umsetzen

Die Risiken der Atomenergie und die Auswirkungen des Klimawandels bleiben nicht auf die einzelnen Nationen beschränkt. Die ökologischen Folgen tragen wir alle gemeinsam. Aber nicht nur aus diesem Grund ist es naheliegend, die Energiewende gleich europäisch zu denken. Ein sinnvolles Gesamtkonzept, mit dem Bürgerinnen, Bürger und Wirtschaft in Europa mit sauberer und günstiger Energie zuverlässig versorgt werden, ist auch ökonomisch attraktiver als nationale Alleingänge. Durch ausreichende Netzkompatibilität kann z.B. Windkraft aus dem Norden und Sonnenenergie aus dem Süden bezogen und nach Bedarf verteilt werden.

Die ökologischen Folgen tragen wir alle gemeinsam.Die Energiekonzepte der EU-Mitgliedsstaaten sind derzeit uneinheitlich; weitaus effizienter sowohl ökologisch wie ökonomisch wird die Energiewende, wenn wir europaweit Normen und Standards angleichen und die Energiesysteme harmonisieren. Um darauf konsequent hinzuarbeiten, brauchen wir europäische Parteien, die politische Willensbildung auf europäischer Ebene möglich machen und in jedem Land dasselbe fordern. Die gemeinsamen Ziele der EU müssen lauten:

  • Schnellstmöglicher Kohleausstieg, kein Neubau von Atomkraftwerken sowie Sicherung bestehender Anlagen und die Umstellung auf mehr erneuerbare Energie.

Wer wenn nicht wir?

Europa vereint hochentwickelte Wissenschaftsstandorte mit einem starken Bewusstsein für den Klimaschutz auf breiter gesellschaftlicher Basis. Deswegen ist die EU der große Hoffnungsträger, den Klimawandel effektiv einzudämmen. Dazu bleiben uns noch zwölf Jahre Zeit. Packen wir's an!

Marie-Isabelle Heiß, Jahrgang 1990 aus München-Freimann, ist Spitzenkandidatin für Volt Deutschland für die Europawahl 2019. Ihr Ziel: ein vereinigtes Europa mit europäischen Parteien und Europapolitik, die die Bürger ins Zentrum stellt. Marie-Isabelle Heiss baute die 2017 gegründete paneuropäische Bewegung Volt in Deutschland mit auf und leitete das lokale Team in München. Soziales Engagement und ihre Ausbildung führten sie u. a. nach Rumänien und in den Iran. Sie arbeitet als Anwältin in München.




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