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Meinung der Woche
15. Oktober 2018

Smart Meter – noch nicht smart

Der Einbau der ersten Smart Meter der neuen Generation soll Ende 2018 beginnen. Die Idee war gut, doch die neuen digitalen Zähler sind teurer als die alten Ferraris-Zähler. Zudem können viele private Verbraucher nicht selbst entscheiden ob sie die Smart Meter haben wollen oder nicht. Auch die Daten sind nicht so unantastbar wie viele denken.

Thomas Engelke, Teamleiter Energie und Bauen, Verbraucherzentrale Bundesverband

Thomas Engelke, Teamleiter Energie und Bauen, Verbraucherzentrale Bundesverband
Thomas Engelke ist Teamleiter Energie und Bauen beim Verbraucherzentrale Bundesverband
Foto: Gert Baumbach

15.10.2018 – Die Idee war gut: Auch private Verbraucherinnen und Verbraucher sollten aktiv ihren Beitrag zur Energiewende leisten. Mehr Strom verbrauchen, wenn er günstig ist, also wenn viel Wind weht und die Sonne scheint und umgekehrt den Verbrauch bei Flaute und Dunkelheit und damit bei hohen Strompreisen drosseln. Als Anreiz sollten variable Stromtarife eingeführt und durch Smart Meter oder digitale Zähler technisch möglich gemacht werden.

Tatsächlich kommt es nun anders:

  • Digitale Zähler kosten erst einmal Geld,
  • der Einbau kann für viele Verbraucher verpflichtend werden und
  • die Daten sind nicht so unantastbar wie viele denken.

Aber der Reihe nach.

Zwei Arten digitaler Zähler stehen zur Wahl

  • Zum einen die „moderne Messeinrichtung“, die die Verbrauchsdaten erfasst, speichert und dem Verbraucher tagesaktuell verfügbar macht. Eine Weiterleitung der Daten an Dritte, wie den Messstellenbetreiber, ist aber nicht möglich. Nur einmal im Jahr wird der Gesamtverbrauch übermittelt.
  • Zum zweiten das „intelligente Messsystem“, das die moderne Messeinrichtung um ein Gateway als Steuer- und Kommunikationseinheit erweitert. Das Gateway vernetzt entsprechend ausgerüstete Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen oder Gefrierschränke mit dem Stromnetz und kann das Einschalten der Geräte steuern. So können variable Tarife genutzt und die Kosten vermindert werden. Die Daten werden auch hier nur einmal im Jahr an den Messstellenbetreiber weiterleitet.

Die Kosten

Die moderne Messeinrichtung kostet 20 Euro im Jahr und ist damit gut doppelt so teuer wie der bisher übliche Ferraris-Zähler. Für das intelligente Messsystem fallen sogar 23 Euro bis über 100 Euro pro Jahr an, gestaffelt nach Verbrauch. Gegebenenfalls kommen noch einmalig Kosten für einen neuen Zähler-Einbauschrank auf die Hauseigentümer zu. Ob diese Zusatzkosten für einen Durchschnittshaushalt mit einem Verbrauch von 3.500 Kilowattstunden im Jahr durch die Nutzung variabler Stromtarife kompensiert werden, ist fraglich.

Das wäre kein Problem, wenn Verbraucher selbst über den Einbau entscheiden könnten

Das können aber viele nicht: Haushalte mit einem Verbrauch über 6.000 Kilowattstunden im Jahr werden zwangsweise mit intelligenten Messsystemen ausgestattet, Haushalte mit einem geringeren Verbrauch trifft der Zwangseinbau dann, wenn Messstellenbetreiber oder Vermieter das so wollen.

Zwangseinbau gekoppelt mit möglichen Zusatzkosten bilden keine guten Voraussetzungen für eine Akzeptanz der Verbraucher für die neuen Zähler.

Und wie steht es um den Datenschutz?

Können Dritte aufgrund der personenbezogenen Daten, die das Gateway überträgt, Nutzungsprofile einzelner Haushalte oder Personen erstellen und darauf rückschließen, wann die Bewohner zu Hause sind oder wie häufig sie ihre Waschmaschine benutzen? Das Messstellenbetriebsgesetz sieht hier ein klares Verbot vor. Nur die Verbraucher selbst dürfen über die Nutzung ihrer Daten entscheiden. Der Messstellenbetreiber könnte aber einen um einige Euro günstigeren Tarif in Kombination mit der freiwilligen Hergabe der Daten anbieten. Dann wären Nutzungsprofile doch noch möglich.

Thomas Engelke ist Teamleiter Energie und Bauen beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Dieser bündelt als politische Dachorganisation die gemeinnützigen Verbraucherzentralen der Länder und sieht sich als „Stimme der Verbraucher“.




Kommentare

Diskutieren Sie über diesen Artikel

Fritz Beschler 18.11.2018, 20:00:39

Kein Zwangseinbau, wenn man nicht will.

 

Wir haben uns erfolgreich dagegen gewehrt, daß in unserem 8 Familienhaus, das wir geerbt haben Digitale Zähler eingebaut werden. Obwohl der Verbrauch über 6000 KWh ist.

 

Und zwar haben wir einfach eine Firma aus Polen beauftragt, die hat uns anstandslos die normalen nicht-digitalen Zähler eingebaut. Die sind jetzt drin, und wer da andere reinbauen will, muß das gegen unserern Widerstand tun.

Zwar kamen immer mal wieder ein paar Drohschreiben von irgendwelchen Behörden, die haben wir unserem Anwalt weitergegeben und irgendwann kam nichts mehr.

 

Weigert euch, niemand kann euch vorschreiben, was ihr in eurem Haus einzubauen habt. Sucht euch eine ausländische Firma und baut nicht-digitale Zähler ein und fertig ist die Laube !


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