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Meinung der Woche
21. Dezember 2015

Solarstrom in den Tank? Ja, und zwar in den Wassertank!

Weg von der Einspeisung, hin zum Eigenverbrauch, das ist generell die neue Perspektive der Photovoltaik. Um den Solarstrom optimal zu nutzen kann er auch in Wärme umgewandelt werden – wie ökologisch ist das und rechnet es sich auch?

Bene Müller Geschäftsführer und Vorstand solarcomplex

Bene Müller Geschäftsführer und Vorstand solarcomplex
Bene Müller  ist Vorstand des Bürgerunternehmens solarcomplex. (Foto: © solarcomplex)
Bene Müller ist Vorstand des Bürgerunternehmens solarcomplex. (Foto: © solarcomplex)

21.12.2015 – Solarstrom war noch vor wenigen Jahren teuer, heute ist er sehr günstig. Die Erzeugungskosten aus neu errichteten PV-Anlagen in Deutschland liegen unter den meisten Bezugstarifen: zwischen rund 6 ct je kWh (Freilandanlagen) und rund 12 ct je kWh (kleine Dachanlagen unter 10 kW). Selbst mit der EEG-Umlage auf Eigenverbrauch lassen sich gegenüber dem Netzbezug deutliche Einsparungen und attraktive Renditen erzielen.

Bei der Photovoltaik liegt die Zukunft vor allem im Eigenverbrauch. Um den Anteil des selbst verbrauchten Solarstroms zu erhöhen, gibt es dabei neue Leitlinien: Die Ausrichtung nach Ost und West (statt nach Süd) passt besser zum Tagesbedarf und die richtige Dimensionierung (statt "Dach vollpflastern") ermöglicht höhere Verbrauchsanteile. Welche Möglichkeiten gibt es sonst noch, um den wirtschaftlichen Nutzen des Solarstroms zu steigern?

Oft wird die manuelle Steuerung von Verbrauchsgeräten genannt, also Waschmaschine um die Mittagszeit. In der Praxis dürfte das wenig bringen, weil dazu nur technikbegeisterte Überzeugungstäter bereit sind, und von denen gibt es nicht allzu viele. Ebenfalls noch überschaubar ist der Beitrag der Batteriespeicher, weil diese mit Stand heute trotz Förderung erst im Grenzbereich der Wirtschaftlichkeit sind. In den nächsten Jahren dürfte ihre Verbreitung und damit ihr Beitrag zum Eigenverbrauch von Solarstrom aber deutlich wachsen.

Ich möchte den Fokus im folgenden auf eine weitere, technisch ausgereifte und wirtschaftlich attraktive Möglichkeit richten, die Umwandlung von Solarstrom in Wärme, sei es mit dem simplen Heizstab oder der etwas anspruchsvolleren Wärmepumpe. Ich rüttele also gezielt an dem alten Tabu „Mit Strom darf man nicht heizen“.

Mit Netzstrom, der in Deutschland leider immer noch etwa zur Hälfte aus Kohlekraftwerken stammt, darf man in der Tat nicht heizen. Seine Erzeugung ist mit hohen CO2-Emissionen und mit großen Umwandlungs- und Transportverlusten verbunden, außerdem kostet eine Kilowattstunde aus dem Netz etwa doppelt so viel wie eine Kilowattstunde aus dem Ölkessel. Drei starke Argumente.

Wie aber sieht es mit dem Solarstrom vom eigenen Dach aus? Es verursacht (fast) kein CO2, auf den wenigen Metern bis in den Keller geht nichts verloren und die Kilowattstunde kostet weniger als aus einem Ölkessel. Bei ökologischer Unbedenklichkeit ist der wirtschaftliche Vorteil das entscheidende Argument. Grid-Parity (Netz-Gleichheit) war etwa 2011, damals waren die Erzeugungskosten einer kWh Solarstrom vom eigenen Dach ungefähr gleich wie die Bezugskosten einer kWh Netzstrom, nämlich ungefähr 20 ct. Bei immer weiter fallenden Kosten für Photovoltaikanlagen folgte bereits 2014 „Oil-Parity“. Die Erzeugungskosten einer Kilowattstunde Solarstrom vom eigenen Dach waren nun ungefähr gleich wie die Erzeugungskosten einer Kilowattstunde Warmwasser aus einem Ölkessel. Berücksichtigt man die grottenschlechten Wirkungsgrade eines Ölkessels im sommerlichen Teillastbetrieb, dann kostet die Erzeugung einer Kilowattstunde Warmwasser selbst bei den derzeit ungewöhnlich niedrigen Ölpreisen über 10 ct.

Was also spricht dagegen, mit Photovoltaik nicht nur möglichst viel vom eigenen Strombedarf zu decken, sondern eben auch einen Teil des Wärmebedarfs, insbesondere für Brauchwarmwasser? Ohne ideologische Scheuklappen gar nichts! Solange in Millionen deutscher Wohngebäude das Warmwasser im Sommer mit einem Ölkessel – und eben nicht aus Solarkollektoren – bereitet wird, solange macht es ökologisch und ökonomisch Sinn, diesen Ölbedarf durch Solarstrom zu ersetzen. Mittels simplem Heizstab wird der solare Überschussstrom um die Mittagszeit in Warmwasser verwandelt und im Pufferspeicher für Stunden oder Tage zwischengelagert. Die Stromnetze werden so von den unerwünschten Mittagsspitzen entlastet und die Eigenverbrauchsquote des Solarstroms deutlich erhöht.

Ich denke, wir sollten die alten Zöpfe abschneiden und einen weiteren dynamischen Ausbau der solaren Stromerzeugung mit neuen Konzepten flankieren. Es ist an der Zeit, dass vorkonfigurierte Komplettpakete aus PV-Anlage, Pufferspeicher mit Heizstab und intelligenter Regelung angeboten werden. z.B. 5 kW mit 500-Liter-Puffer, 10 kW mit 1.000-Liter-Puffer. Diese Regelung muss im Wesentlichen zwei Dinge gewährleisten:

1. Nur wenn kein Strombedarf im Gebäude ist, geht das solare Angebot in den Pufferspeicher.

2. Zu keinem Zeitpunkt darf der Heizstab mit Netzstrom gefüttert werden. Sonst sind wir wieder beim alten Tabu.

Bene Müller war im Jahr 2000 einer von 20 Gründungsgesellschaftern des Bürgerunternehmens solarcomplex. Seitdem ist einer der beiden Geschäftsführer, nach Umwandlung in eine nichtbörsennotierte AG im Jahr 2007 einer der beiden Vorstände. Seine Überzeugung: „Eine regionale Energiewende bis 2030 ist sowohl technisch als auch finanziell machbar. Ob Sie auch mental machbar ist, wird sich zeigen. Die entscheidenden Hürden sind in unseren Köpfen.“ Weitere Informationen unter: www.solarcomplex.de




Kommentare

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Rudolf Koenig 22.12.2015, 06:46:18

+210 Gut Antworten

Guten Morgen,

 

rechnen Sie bitte nochmal mit den Einkaufskosten für die kWh Gas von 4,2ct und für die kWh Öl von 5,4ct. Rechnen Sie die Investionskosten für den Heizstab, die Verkabelung und den Umbau des WW Speichers. Ich bin nicht überzeugt, ich weiß, daß Sie dann Ihre Meinung für Privathaushalte ändern werden.

Freundliche Grüße

Rudolf Koenig

Martin Fehringer 01.05.2016, 11:17:55

+210 Gut Antworten

Herr König hat Recht. Wo bleiben die Speicherkonzepte der Solarcomplex AG. Was ist mit Gasheizungen? Das wird komplett ausgeklammert. Weil die Thüga Aktionär von Solarcompex ist. Gas ist fast genauso umweltschädlich. Was ist mit Solarthermie und Reflox-Speichern. Solarcomplex ist ohne Konzept und lebt von den Subventionen des EEG.


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