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Meinung der Woche
02. Februar 2015

Solarstrom speichern für die Energiewende

2014 war der Zubau an Windenergie erfreulich, der PV-Zubau ging aber bergab. Grund war die EEG-Novellierung, die Bundesregierung verschleppt damit die bislang erfolgreiche Entwicklung des Marktes für selbstverbrauchten Strom. PV-Anlagen mit Stromspeichern könnten dem zögerlichen Zubau an Solarenergie mit aus der Krise helfen.

Ajaz ShahAutor Energyload

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Ajaz Shah ist Autor bei Energyload. (Foto. Privat)
Ajaz Shah ist Autor bei Energyload. (Foto. Privat)

02.02.2015 – Wenn man nach der Aussage des Magazins „Der Spiegel“ geht, wird momentan ein Siegeszug der Erneuerbaren Energien bejubelt. Der Zubau Erneuerbarer Energien scheint in Deutschland viel rascher voranzuschreiten als bisher angenommen. So deckt Grünstrom immerhin 25,8 Prozent unseres Strombedarfs im Vergleich zum immer noch wachsenden Anteil der Stromversorgung durch Braunkohle mit 25,6 Prozent. Leider wird diese Euphorie nicht von allen geteilt, da nach wie vor 75 Prozent der gesamten Stromerzeugung nicht von erneuerbaren Energiequellen stammen. 44 Prozent des Strombedarfs liefern nach wie vor Braun- und Steinkohle.

Wie sieht es mit dem Ausbau von Wind- und Photovoltaikanlagen wirklich aus?

Im Jahr 2014 konnte der Zubau der Windenergie zumindest mit über 3.000 Megawatt überzeugen. Jedoch kam auf der anderen Seite der Zubau von Photovoltaikanlagen praktisch zum Stillstand. So wurden in den ersten elf Monaten von 2014 etwas weniger als 1.800 Megawatt (MW) erreicht. Allein im November betrug der Zubau lediglich 106 MW. Experten teilen mit, dass im Jahr 2014 der vom Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) schon niedrig angesetzte Zubau-Korridor von 2.400 bis 2.600 MW unterschritten sei. Auch durchgeführte Studien belegen, dass es schwierig wird, die von der Bundesregierung angestrebten 80 Prozent der Stromversorgung aus erneuerbaren Quellen bis zum Jahr 2050 mit etwa 150.000 MW an Wind- und Sonnenkapazität zu erreichen. Dies würde im Jahr immerhin ein Zubau von wenigstens 4.000 MW aus beiden Quellen bedeuten. Wenn der Stillstand bei PV-Anlagen noch weiter anhält, ist dieses Ziel nicht zu erreichen.

Preise für PV-Anlagen fallen

Recht interessant ist, dass in den letzten Monaten die Preise für die Installation von PV-Anlagen kontinuierlich gefallen sind. Diejenigen, die rund 10.000 Euro für eine Dachanlage einplanen, können von der Investitionssumme sogar noch einen Teil für einen kleinen Batteriestromspeicher einplanen. Bekanntermaßen haben Batteriespeicher den Vorteil, dass immerhin 60 bis 80 Prozent des selbst erzeugten Sonnenstroms auch selbst verbraucht werden können. Dies bedeutet auf der anderen Seite, dass man hiermit etwa 28 Cent je Kilowattstunde bei der Stromrechnung des eigenen Stromlieferanten einsparen kann. Insgesamt gesehen stellt die Installation einer PV-Anlage mit Batteriespeicher für die Verbraucher zumeist eine wirtschaftliche Investition dar. Von daher stellt sich quasi die Frage, warum es mit dem weiteren Zubau im Photovoltaik-Bereich nicht weitergeht.

Die Gründe liegen in der jüngsten EEG-Novellierung

In den letzten Jahren wurde die Bevölkerung in Bezug auf die Investition in PV-Anlagen von der Regierung stark verunsichert. Insbesondere die letzte EEG-Novellierung im Jahr 2014 trug hierzu bei. Während in den Jahren 2003 bis 2009 der Zubau an Erneuerbaren Energien kontinuierlich anstieg, kam es danach zum Umbruch. So wurden zuletzt 2009 etwa 10 Milliarden Euro für die Einspeisung von Erneuerbaren Energien in das öffentliche Stromnetz gezahlt. Finanziert wurde dies durch eine Umlage von 1,2 Cent pro kWh, die alle Stromkunden zu zahlen hatten. Von diesem internationalen Wettbewerb wurden jedoch energieintensive Betriebe ausgenommen. Diese mussten die Umlage nicht zahlen. In den Jahren 2009 bis 2013 konnten die Auszahlungen verdoppelt werden. So wurden etwa 20 Milliarden Euro ausgezahlt. Sehr zum Ärger der Stromkunden wurde diesbezüglich die EEG-Umlage auf das Fünffache von 1,2 Cent auf 6,2 Cent je kWh erhöht. Begründet wurde dies mit einer grundlegenden Änderung des Berechnungsmodus der EEG-Novelle von 2009. Gleichzeitig wurde die EEG-Umlagebefreiung auf weite Teile der Industrie ausgeweitet. Der Unmut in der Bevölkerung wuchs.

Die Photovoltaik-Anlagenbetreiber wurden zu Prügelknaben. Bei einer EEG-Umlage von über 5 Prozent hörte man überall die Äußerungen, dass dieser Strom unbezahlbar sei, die Erneuerbaren Energien zu rasch ausgebaut würden und sozial Schwache diesen Strom gar nicht bezahlen könnten. Die Zeiten haben sich jedoch geändert. Wenn heute 1.000 MW zugebaut werden, kostet dies weniger als 0,2 Cent pro kWh an zusätzlicher Umlage. Auch wenn ein Rekord-Zubau mit zehnfacher Ausweitung zustande käme, würde sich dies ebenfalls nur mit 0,2 Cent pro kWh auswirken.

Auch selbstverbrauchter Strom wird mit einer Umlage belastet

Vielerorts wurde die hohe EEG-Umlage diskutiert. Was viele nicht wissen, ist, dass Selbstverbraucher von Sonnenstrom keine Förderung aus dem EEG mehr erhalten. Diese bekommen also für ihre PV-Anlage keine Subventionen mehr. Zudem müssen PV-Anlagenbetreiber von Anlagen über 10 kW-Leistung auf den selbst verbrauchten Strom eine 40prozentige EEG-Umlage (2014) bezahlen. Im Jahr 2015 liegt die Umlage bei 30 Prozent. Die Bundesregierung verhindert eine Entwicklung des Marktes für selbst verbrauchten Strom. Der Verbrauch wird also sofort belastet. Hierbei handelt es sich um einen Betrag von immerhin 2,4 Cent pro kWh. Viele geförderte PV-Anlagen sind hierdurch in der Wirtschaftlichkeit gefährdet.

Leider hat die Regierung mit dem EEG 2014 nicht berücksichtigt, dass durch die Abgaben auf selbst erzeugten und verbrauchten Strom der weitere Zubau von solchen PV-Anlagen erschwert wird. Viele Investoren sind daher stark verunsichert. Niemand kann vorhersehen, ob sich die Bundesregierung nicht entschließt, in einer neuen Novelle des EEG die Abgaben auf selbsterzeugten Strom noch weiter zu erhöhen. So fehlt im EEG in Bezug auf die Umlage auf PV-Strom ein Bestandsschutz. Dies steht im Gegensatz zu den immerhin auf 20 Jahre ausgelegten festen Einspeisevergütungen. Diese Katastrophe zeigt zudem, dass ausgerechnet das sonnenarme Großbritannien einen höheren Zubau an PV-Anlagen aufweist, als momentan in Deutschland.

Stromspeicher als Weg aus der Krise

Die meisten Hausbesitzer können kleinere PV-Anlagen bis 10 Kilowatt-Leistung auf ihren Dächern installieren. Hierin sieht auch die Wirtschaft ihre Kunden von morgen. Immerhin sind mit intelligenten Stromspeichern Eigenverbrauchswerte von bis zu 80 Prozent möglich. So fällt auch für diese Anlagenbetreiber keine EEG-Umlage an. Dennoch darf nicht vergessen werden, dass viele Investoren größere Anlagen über 10 kW betreiben möchten. Diese werden momentan mit einer reduzierten EEG-Umlage von 30 Prozent zur Kasse gebeten.

Stromspeicher zeichnen sich heute durch eine hohe Wartungsfreundlichkeit und eine lange Lebensdauer aus. Wie bereits oben dargelegt, kann bei einem Investitionseinsatz von rund 10.000 Euro ein Teil hiervon für die Anschaffung eines Stromspeichers verwendet werden. Je höher der Eigenverbrauch ist, desto weniger Fremdstrom aus dem öffentlichen Netz muss bezogen und teuer bezahlt werden. Auf lange Sicht könnten kombinierte PV-Anlagen mit Stromspeicher dem ins Stocken geratenen Zubau aus der Krise helfen.

Ajaz Shah ist Autor bei Energyload und Dipl. Kfm. (FH.)




Kommentare

Diskutieren Sie über diesen Artikel

PeterW 02.02.2015, 18:10:24

+166 Gut Antworten

Die Energiewende bezieht sich nicht nur auf den Strombedarf. Am Primärenergieverbrauch hat die Windkraft einen mickrigen Anteil von 1,2%.

 

In Ihrer Umfrage müsste noch eine Antwort:

Windkraft ist ungeeignet um nur Ansatzweise einen 2-Stelligen Beitrag zum Primärenergieverbrauch zu liefern.

 

Trotz 38GW installierter Leistung an Windkraft lieferten die Windräder 2014 an 182 Tagen weniger als 11,7% der installierten Leistung. Un das wird noch schlechter wenn auch windschwache Gebiete mit Windrädern zugebaut werden.

Rudolf Koenig 03.02.2015, 07:39:27

+170 Gut Antworten

Sehr geehrter Herr Shah,

 

es fasziniert mich immer wieder wie man es schafft mit bekannten allgemeinen Aussagen ohne Mehrwert einen Artikel zu plazieren.

Sie machen keine Aussagen zu Vorteilen einer dezentralen Energiewende, Sie erwähnen Potentiale bei Lastverschiebungen nicht, Sie erwähnen keine neuen Technologien zur intelligenten Energienutzung.

Das ist aus meiner Sicht sehr schade!

Mit freundlichen Grüßen

Rudolf Koenig


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