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Meinung der Woche
30. April 2018

Vorm Klimawandel warnen und Kohle versichern? Ein Widerspruch!

Obwohl die Munich RE den Umbau der Energieversorgung hin zu Erneuerbaren Energien unterstützt, investiert sie trotzdem weiter Geld in Fossile Energien – allen voran in Kohle. Fragen auf der Hauptversammlung dazu blieben unbeantwortet.

Regine Richter, Energie­expertin der Umwelt- und Menschen­rechts­organisation urgewald

Regine Richter, Energie­expertin der Umwelt- und Menschen­rechts­organisation urgewald
Foto: Andreas Schoelzel

30.04.2018 – Die Munich RE hat schon vorm Klimawandel gewarnt, als andere noch keine Ahnung hatten, wie das Wort überhaupt geschrieben wird. Seit den 70er Jahren beschäftigt sich der Rückversicherungskonzern mit dem Thema. „Wir sind die Warner“ sagte denn auch Konzernchef Joachim Wenning auf der Hauptversammlung der Münchener Rück am 25. April. Und führte aus, dass er verstanden hat, was das Klimaabkommen von Paris bedeutet. Dass nämlich die weltweite Kohlendioxidproduktion bis 2050 auf Null gehen muss und es dazu eine fundamentale Energietransformation braucht. Diese unterstütze die Münchener Rück mittels Investitionen in und Versicherung von Erneuerbaren Energien, so Wenning.

So weit so gut. Den logischen zweiten Schritt will die Munich RE aber nicht vollziehen. Nämlich nicht nur das Gute zu tun, also den Umbau der Energieversorgung hin zu Erneuerbaren unterstützen, sondern auch das Schlechte zu lassen, also weiter in Fossile Energien, allen voran Kohle, zu investieren und diese zu versichern. Diese Forderung wurde auf der Hauptversammlung mehrfach klar erhoben. Unter anderem von Jan Chudzyński, von der Stiftung „Development Yes - Open-Pit Mines NO“ in Polen. Die Organisation engagiert sich gegen Kohlekraft und für eine Energiewende in Polen. Sie hat recherchiert, dass die polnische Tochtergesellschaft der Münchener Rück, Ergo Hestia, seit 2013 an über 15 Versicherungsverträgen für die polnische Kohleindustrie beteiligt ist. Noch laufende Versicherungen decken z.B. Enea ab, den Betreiber des zweitgrößten Kohlekraftwerks Kozienice. Ebenso ZE PAK, ein Energieunternehmen, das drei neue Tagebaue mit einer Milliarde Tonnen Braunkohle erschließen will. - in etwa so viel wie im Braunkohletagebau Garzweiler lagert. Weitere Versicherungen decken PGE ab, die in Opole ein neues Kohlekraftwerk errichten und in Turow Braunkohle abbauen sowie weitere Braunkohletagebaue erschließen wollen.

Als Rückversicherer unterstützt die Münchener Rück zudem den polnischen Versicherer PZU, zu dessen Kunden fast alle wichtigen polnischen Kohleunternehmen gehören.

Diese Geschäfte verhindern eine Energiewende in Polen und sind damit fürs Klima fatal. Aber nicht nur das, auch die Gesundheit leidet: die Luftverschmutzung in zahlreichen polnischen Städten ist überdurchschnittlich hoch, was Opfer fordert. Allein in Polen verursacht die Kohleindustrie durch ihre schädlichen Emissionen geschätzte 1.100 vorzeitige Todesfälle, rund 4.700 weitere in benachbarten Ländern, wie in Deutschland.

Fragen auf der Hauptversammlung dazu, wann die Munich RE aus der Versicherung von Kohle auszusteigen gedenkt, wie dies die Konkurrenz teilweise bereits getan hat, etwa die Versicherer AXA und Zürich und der französische Rückversicherer Scor oder die Swiss Re, die an Richtlinien arbeitet, blieben unbeantwortet.

Auch beim Divestment, also dem Abzug von Geldanlagen aus Kohleunternehmen, hat die Münchener Rück bisher nur Minischritte unternommen: Die Münchener Rück hält keine Aktien von Unternehmen, die mehr als 50 Prozent ihrer Einnahmen aus Kohleproduktion oder Kohlestromerzeugung generieren. Doch der Ausschluss gilt nicht für Unternehmensanleihen, die bei der Finanzierung von Unternehmen eine wichtige Rolle spielen. Deshalb wundert es nicht, dass urgewald bei einer Finanzrecherche mit Partnern im vergangenen Sommer Anleihen von Eskom, AES, RWE und CEZ im Portfolio der Munich Re gefunden hat. Alles Firmen, die noch neue Kohlekraftwerke weltweit planen und damit das ihrige tun, die Welt eher auf einen 4°-Erwärmungs-Pfad zu führen als auf einen deutlich unter 2°C.   

Dabei sprechen für ein Divestment aus Kohlefirmen nicht nur Klimaschutz-, sondern auch handfeste wirtschaftliche Gründe: „Kohle ist tot“, urteilte etwa kürzlich ein Manager von Blackrock, einem der größten Anleger weltweit. Blackrock müsste bei Analyse seiner eigenen Anlagen allerdings zuallererst selbst Konsequenzen aus dieser Mahnung ziehen, denn der Konzern ist massiv in Kohleunternehmen investiert.

So scheinen „Warner“ sich sehr schwer zu tun, ihre eigenen Warnungen ernst zu nehmen und Konsequenzen fürs eigene Geschäft zu ziehen. Denn die Frage, ob Munich Re den Widerspruch nicht sieht zwischen Unterstützung der Energiewende und gleichzeitiger Unterstützung ihrer Bremser, beantwortete die Firma auch auf Nachbohren nicht.

Schlimmstenfalls sieht Munich RE den Klimawandel nicht nur als Bedrohung, sondern auch als Chance für neue Geschäfte im Bereich Absicherung von Katastrophen.

Um Einfluss auf Munich RE zu nehmen, läuft eine Protestaktion auf der urgewald-Seite, die sich an den Versicherer richtet: https://urgewald.org/protest/allianz-feb-2018

Regine Richter ist Mitarbeiterin der Umwelt- und Menschenrechtsorganisation urgewald, die Banken und Konzernen auf die Finger schaut, wenn deren Aktivitäten Mensch und Umwelt schaden.




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