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Meinung der Woche
27. September 2016

Welche Rolle spielt die E-Mobilität für die Erreichung der Klimaziele?

Der Ausbau der Elektromobilität ist Voraussetzung für das Erreichen der Klimaziele. Doch das Elektroauto wird kaum gekauft, trotz Kaufprämie. Die Industrie pusht es nicht wirklich. Inzwischen hat das E-Bike Konjunktur. Langsam dämmert es: Das E-Auto allein reicht nicht, eine Verkehrswende muss her.

Gert Lottsiepen<br/>Verkehrspolitischer Sprecher des VCD<br/>

Gert Lottsiepen<br/>Verkehrspolitischer Sprecher des VCD<br/>
Gert Lottsiepen ist der verkehrspolitische Sprecher der VCD. (Bild: © VCD/Andreas Labes)
Gert Lottsiepen ist der verkehrspolitische Sprecher der VCD. (Bild: © VCD/Andreas Labes)

27.09.2016 – Das Ziel der Bundesregierung, bis 2020 eine Millionen Elektroautos auf die Straße zu bringen, wird krachend verfehlt. Es droht sogar, dass in diesem Jahr weniger E-Autos zugelassen werden als 2015. Ein Grund: Die deutsche Autoindustrie zeigt wenig Interesse am batterieelektrischen Auto. Daimler stellte die Produktion des vergleichsweise gut verkauften e-smart für mehr als ein Jahr ein. VW pausierte beim e-up! Eine Modelloffensive gibt es nur bei Plug-In-Hybriden, Autos, die über Steckdose aufgeladen werden und ca. 50 Kilometer elektrisch und danach mit Verbrennermotor fahren. Audi, BMW und Mercedes retten somit dank einer absurden Rechenformel den CO2-Durchschnittswert ihrer Flotte. Aber der Kunde durchschaut das und so hapert es mit dem Kaufinteresse.

Grund zwei: Die heutigen Spritpreise bieten finanziell keinen Anreiz, auf E-Autos umzusteigen. Beim Kauf sind E-Autos deutlich teuer als herkömmliche Autos und auch bei den Plug-In-Hybriden läuft es nicht rund. Für Fahrer von privat genutzten Firmenwagen ist der Anreiz zu gering an der Steckdose aufzuladen, wenn dank Tankkarte der Sprit umsonst ist, aber zu Hause der Strom kostet.

Das billige Öl bremst die Elektro-Automobiliät! Die Politik müsste daher endlich den Mut aufbringen, den CO2-Ausstoß wirksam zu begrenzen und zu bepreisen.

Grund drei dafür, dass E-Autos nicht allein die Klimafrage lösen können: Die Reichweite von Elektroautos ist und bleibt begrenzt. Je höher die Reichweite, desto größer, schwerer und teurer wird die Batterie. Besser als auf die Wunderbatterie zu warten, ist es, die Verkehrswende anzugehen. Das heißt auch, den Umstieg weg vom Auto fördern. E-Autos machen vor allem Sinn in Fahrzeugflotten, im Carsharing. Für weite Strecken brauchen wir eine gut funktionierende Bahn, die übrigens auf Fernstrecken heute schon zu fast 100 Prozent elektrisch fährt. In den Städten brauchen wir Busse und Bahnen und ein gutes Fahrradroutennetz. Denn die Menschen selbst steigen schon um - zunehmend auf das Pedelec, das Fahrrad mit Elektromotor. Davon gibt es inzwischen in Deutschland über zwei Millionen. Die Politik kommt allerdings mit dem Ausbau der Infrastruktur überhaupt nicht nach, da sie lieber Geld in teuren Prestigeobjekten, wie der A 100 in Berlin oder den tiefergelegten Bahnhof in Stuttgart verplempert.

Der Klimaschutz braucht unbedingt das Elektroauto, das wiederum braucht die Energiewende, die dafür sorgt, dass der gesamte in 2050 genutzte Strom regenerativ erzeugt wird. Nur so kann das E-Auto eine nennenswerte Rolle beim Klimaschutz spielen, denn es selbst muss energieeffizient sein, und Ökostrom ist ökonomisch und ökologisch nie zum Nulltarif zu haben. Darüber hinaus braucht das das E-Auto eine andere Verkehrskultur, das Zusammenspiel mit den Verkehrsmitteln des Umweltverbundes: die Verkehrswende. Eine anspruchsvolle Aufgabe.

Gert Lottsiepen ist der verkehrspolitische Sprecher des Verkehrsclub Deutschland (VCD) und Experte in Fragen der Automobilität. Er ist Autor der VDC Auto-Umweltliste und beschäftigt sich mit den Themen Antriebstechnik, Emissionen und Klima.




Kommentare

Diskutieren Sie über diesen Artikel

Ruedi 02.10.2016, 17:18:24

+156 Gut Antworten

Das Problem ist dass bessere, bereits angekündigte eAutos erst im Frühjahr produziert und verkauft werden. Wäre Unsinn schon jetzt ein eAuto zu kaufen.

martinw 03.10.2016, 20:54:19

+159 Gut Antworten

Ich bin ein großer Befürworter für Elekroautos. Aber ich glaube nicht dass der deutsche Autofahrer ein total überteuertes und extrem häßliches ( mit Ausnahme TESLA) und Kurzstrecken-Gefährt kaufen wird !

Deutschland ist ein Kombi-Land. Ein Elektro-Kombi gibt es nicht !

Solange diese Probleme nicht anständig behoben werden, bleibt Deutschland Schlußlicht in der Elekromobilität.

Alfons Krückmann 07.10.2016, 23:37:44

+157 Gut Antworten

Ich finde die Argumentation ziemlich partikular. Eine deutliche / drastische Reduktion des MIV wäre m.E. die verträglichere Lösung, als Stadt und Land jetzt mit e-autos zuzumüllen.

 

Das e-Auto als Brückentechnologie?

Das würde aber doch voraussetzen, dass bereits kurz/mittelfristig positive Effekte eintreten würden.

Sehr fraglich:

http://www.upi-institut.de/upi79_elektroautos.htm

 

Generelle Probleme bleiben bestehen:

http://www.copenhagenize.com/2016/10/electric-cars-where-will-energy-come.html

 

Neue Probleme entstehen:

https://www.washingtonpost.com/graphics/business/batteries/graphite-mining-pollution-in-china/

 

Auch wenn es schwerfällt: der Abschied vom Irrweg der individuellen Automobilisierung ist das weitaus schlüssigere Konzet.


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