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Meinung der Woche
06. Dezember 2016

Wie sieht der Strommarkt 2030 aus?

Im Jahr 2030 werden die Erneuerbaren Energien nach dem Ausbaupfad des EEG 2017 einen Anteil von etwa 50 Prozent am Bruttostromverbrauch haben. Was bedeutet das für deren weitere Integration in den Strommarkt? Was muss sich ändern? Was ist aus Sicht des Klimaschutzes wichtig? Die DUH gibt eine Prognose ab.

Peter AhmelsLeiter Energie und KlimaschutzDeutsche Umwelthilfe

Peter AhmelsLeiter Energie und KlimaschutzDeutsche Umwelthilfe
Peter Ahmels ist Leiter Energie und Klimaschutz bei der Deutschen Umwelthilfe (DUH).
Peter Ahmels ist Leiter Energie und Klimaschutz bei der Deutschen Umwelthilfe (DUH).

06.12.2016 – Eine besondere Herausforderung für den Strommarkt wird die stark schwankende Erzeugung aus Erneuerbaren Energien sein: Zu bestimmten Zeiten wird deutlich mehr Strom im Netz sein als benötigt wird und zu anderen Zeiten deutlich weniger. Dieses Ungleichgewicht gilt es so weit wie möglich zu reduzieren. Dafür müssen verschiedene Arten von sogenannten „Flexibilitäten“ zur Verfügung stehen, also Möglichkeiten, Erzeugung und Verbrauch auszutarieren.

Dazu notwendig ist der Ausbau des Stromnetzes. So könnten großräumig Ausgleichseffekte genutzt werden. Auch zu- und abschaltbare Lasten können dazu beitragen, das Gleichgewicht besser zu halten. Diese Möglichkeit sollte zukünftig nicht nur Übertragungsnetzbetreibern sondern auch Verteilnetzbetreibern offen stehen, die in ihren Netzgebieten besonders mit den Schwankungen zu kämpfen haben. Durch intelligente Stromzähler kann der Verteilnetzbetreiber auch Gewerbe- und Privatkunden in den Ausgleich mit einbeziehen und deren Flexibilität nutzen.

Strom, Wärme, Mobilität kombinieren

Doch nicht nur im Stromsektor selbst müssen mehr Flexibilitäten geschaffen werden. Durch eine Kopplung mit den Sektoren Wärme und Mobilität sind weitere Ausgleichsmöglichkeiten gegeben. So kann ein Wärmespeicher überschüssigen Strom aufnehmen und als Last fungieren. Das ist über Wärmepumpen oder direkt elektrisch möglich. Im Verkehr können gesteuerte Ladesäulen für batteriebetriebene Fahrzeuge zum Ausgleich beitragen und die Batterien können ihrerseits wieder Strom zurückspeisen, wenn der Bedarf gegeben ist. Durch eine Kopplung der Sektoren kann erneuerbarer Strom zudem zur Dekarbonisierung der Wärmeversorgung und der Mobilität beitragen. Ohne diesen Beitrag wird es nicht gelingen, die energiebedingten CO2-Emissionen um 80-95 Prozent bis 2050 zu reduzieren.

Kohleausstieg vor 2040

Durch die vergleichsweise geringen Erzeugungskosten wird zurzeit viel Kohlestrom exportiert. Deutschland verfehlt so seine Klimaziele und die Akzeptanz für die Energiewende ist durch den Preisverfall für Strom an der Börse und eine damit verbundene höhere EEG-Umlage gefährdet. Es braucht einen Ausstieg aus der Kohle deutlich vor 2040. Dann wird es auf dem Strommarkt 2030 wieder Preissignale für neue, flexible Stromerzeugungsarten geben.

Die technisch mögliche Kopplung von Strom, Wärme und Mobilität wird derzeit noch von einigen administrativen Hindernissen gebremst. So ist zum Beispiel die Stromnutzung für Wärme und Mobilität mit einer (sachfremd genutzten) Stromsteuer beaufschlagt. Das Pendant für fossile Energien wie Treibstoff oder Heizöl fällt deutlich geringer aus. Weitere nur bei erneuerbarem Strom vorhandene staatlich veranlasste Kosten wie EEG-Umlage, Konzessionsabgabe oder Offshore-Haftungsumlage verzerren die Energiekosten weiter zu Ungunsten des klimafreundlichen Stroms. Ein Sektorenübergang ist deshalb kein Selbstläufer und muss von der Politik gewollt werden.

Emissionshandel muss überarbeitet werden

Eine weitere Verzerrung kommt hinzu: Noch immer werden die gesellschaftlichen Folgekosten der CO2-Emissionen und deren Klimawirkung nicht berücksichtigt. Der Emissionshandel bedarf dringend einer Überarbeitung. Solange ein wirksamer Emissionshandel nicht gewährleistet werden kann, muss eine CO2-Abgabe auf fossilen Strom für eine Wettbewerbsgleichheit (Level-Playing-Field) zwischen fossilem und erneuerbarem Strom sorgen.

Strommarkt 2030: Flexibilität mit Speichermöglichkeiten

Ein System mit hohen Anteilen Erneuerbarer Energien braucht neben Flexibilitäten ein Backup in Form von Speichern oder auch kurzzeitig zuschaltbaren Gaskraftwerken. Diese können umso effizienter genutzt werden, je größer das „Einzugsgebiet“ ist. Ein EU-weiter Netzausbau kann dazu beitragen, große Wasserspeicher zu nutzen oder EU-weite Ausgleichseffekte bei der Stromerzeugung aus EE sicherzustellen. Der Strommarkt 2030 braucht also noch einige Anpassungen, wenn er mit den neuen Herausforderungen Schritt halten will und wenn vor allem ein Ziel erreicht werden soll: Den Klimaschutz voranbringen.




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