Menü öffnen

Meinung der Woche
19. Oktober 2015

Wie wichtig ist ein Erfolg der Pariser Klimakonferenz?

Die Pariser Klimakonferenz COP21 rückt immer näher. Im Vorfeld gab es bereits viele hoffnungsvolle Signale. Entscheidende Akteure wie die USA, China und Frankreich haben angekündigt, dass sie konkrete Maßnahmen zum Klimaschutz ergreifen wollen. Weitere wichtige Signale kamen vom G7-Gipfel in Elmau, bei dem man sich auf die Dekabonisierung der Weltwirtschaft geeinigt hatte, sowie durch deutliche Apelle aus dem Vatikan.

Kathrin HoffmannEnergiebloggerinCommunications & Community Managerin Climate-KIC

Kathrin HoffmannEnergiebloggerinCommunications & Community Managerin Climate-KIC
Kathrin Hoffmann ist Energiebloggerin und Communications & Community Managerin bei Climate-KIC. (Foto: privat)
Kathrin Hoffmann ist Energiebloggerin und Communications & Community Managerin bei Climate-KIC. (Foto: privat)

19.10.2015 – Ist das so? Und wie relevant ist ein Erfolg der Pariser Klima­­konferenz überhaupt? Weitere wichtige Signale kamen vom G7-Gipfel in Elmau, bei dem man sich auf die Dekabonisierung der Weltwirtschaft geeinigt hatte, sowie durch deutliche Apelle aus dem Vatikan.

COP21 - wird dieses Mal alles anders?

Rückblickend verliefen die globalen Klimakonferenzen immer nach dem gleichen Schema: Im Vorfeld wurde von den Staaten viel Klimaschutz angekündigt, die Verhandlungen scheiterten, weil man sich nicht auf gemeinsame Ziele einigen konnte, die Schuld wurde auf andere geschoben und für das nächste Mal wurde mehr versprochen. Pessimistisch gesehen befinden wir uns gerade wieder am Anfang dieses Musters. Optimistisch gesehen gibt es dieses Mal einen großen Unterschied: Die Staaten, denen bisher die Hauptschuld am Scheitern der Verhandlungen gegeben wurde, weil sie zu wenig bereit waren, ihren Teil zum Klimaschutz beizutragen, laufen dieses Jahr mit großen Klimaschutzverkündigungen und Aktionsplänen vorweg. Wie kommt das? Wie ernst können wir solche Bekundungen nehmen? Und welche Auswirkungen haben sie?

Brauchen wir überhaupt ein Weltklimaabkommen?

Die politischen Signale zum Klimaschutz sind ohne Zweifel sehr wichtig: Das Thema steht aktuell sehr weit oben auf der nationalen und internationalen Agenda. Aufgestellte Aktionspläne bewirken national tatsächlich langsam etwas (z.B. in China). Und natürlich steht es dem einzelnen Politiker, der Partei oder dem Land gut, sich für ein solch gesellschaftlich anerkanntes Problem einzusetzen. Dennoch vertritt jedes Land sehr unterschiedliche individuelle Interessen. Es wird auch dieses Mal schwer bis unmöglich, sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zu einigen. Und was wäre dieser dann überhaupt? Was würde man damit bewirken? Weltweit würde ein kleinster gemeinsamer Nenner wahrscheinlich eher wenig Fortschritt bringen, sondern zwangsweise weit hinter den bereits vorhandenen Ambitionen vieler Länder liegen. Warum verhandeln Politiker dann überhaupt über ein Weltklimaabkommen? Weil der Klimawandel ein wirklich drängendes globales Problem ist und ein weltweites Abkommen aus politischer Sicht sehr wichtig ist. Ich halte eine globale Übereinkunft zum Klimaschutz auch für sinnvoll und wünschenswert. Doch letztlich, denke ich, ist es etwas anderes, was den Klimaschutz wesentlich voran bringt.

Der eigentliche Treiber für Maßnahmen gegen den Klimawandel

Der eigentliche Antrieb für den Klimaschutz ist aus meiner Sicht aktuell ein wirtschaftlicher. Der Klimawandel führt zunehmend zu Naturkatastrophen sowie gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen, die mit immensen Kosten verbunden sind. Erneuerbare Energien werden immer günstiger und Investitionen in diese lukrativer. Länder, die auf erneuerbare Energien setzen, machen sich unabhängig und können im besten Fall die eigene gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung enorm ankurbeln. Immer mehr Unternehmen und Start-ups arbeiten an innovativen Klimatechnologien, da darin ein großer Zukunftsmarkt liegt (z.B. setzt Apple als Vorreiter der Internetriesen nicht nur komplett auf erneuerbare Energien sondern entwickelt derzeit auch ein eigenes Elektroauto). Dies sind Gründe, warum sich bestimmte Staaten zunehmend bewegen, in erneuerbare Energien investieren und Klimaschutzprogramme auflegen. Letztlich wirken hier Gesellschaft (initialer Antreiber beim Klimaschutz), Wirtschaft (aktueller Hauptmotor) und Politik (Regulator) im System – wie in vielen anderen Bereichen auch.

Hoffnungsvolle Aussichten für die Zukunft

Mich persönlich stimmt es extrem positiv, dass nicht nur ökologische und soziale Gründe für den Klimaschutz sprechen, sondern zunehmend auch ökonomische. Offensichtlich werden die wirtschaftlichen Vorteile von Maßnahmen gegen den Klimawandel auch weltweit zunehmend erkannt, denn es wird gehandelt. Ob es nun ein Weltklimaabkommen gibt und wie dieses aussehen könnte, spielt aus meiner Sicht eine untergeordnete Rolle. Der ökonomische Imperativ ist der Treiber. Da gibt es jetzt auch kein Zurück mehr. Wichtig ist nur, die Umsetzung von Klimamaßnahmen so sinnvoll und gerecht wie möglich zu gestalten – und hier übernimmt die Politik, vor allem national und regional, die entscheidende Steuerfunktion.

Kathrin Hoffmann engagiert sich als Energiebloggerin für die Energiewende. Darüber hinaus ist sie Communications & Community Managerin bei Climate-KIC, der europäischen Initiative zur Förderung von Klima-Innovationen.




Kommentare

Diskutieren Sie über diesen Artikel

Bernd Gnirß 20.10.2015, 02:14:55

+182 Gut Antworten

Richtig besonders sehr gute, weil strategische Gedanken. Zielverhandlungen à la Klimakonferenzen sind relativ wirkungslos. Scheer hatte mit seinem EEG Erfolg, weil er kräftig in den Markt eingegriffen hat (hat damals gottseidank niemand der EE-Gegner bemerkt).

Richtig: EE werden zur Zeit ohne äußere Eingriffe wirksam, weil es sich rentiert.

Trotzdem sollte man den Prozeß beschleunigen, indem man das Abmüllen von CO2 in die Atmosphäre teuerer macht. CO2-Steuer oder funktionierender Emissionshandel. Egal. Gehopst wie gedopst. Hauptsache "be pricing of CO2"

Gruß Bernd

Stephan Günther 20.10.2015, 15:19:54

+167 Gut Antworten

Mir gefällt die Einschätzung, dass der eigentliche Antreiber des Klimaschutzes mittlerweile ein wirtschaftlicher ist. Ich sehe das ähnlich. Wirtschaft hat halt einen Hang zur Effizienz - das war früher das Problem für den Klimaschutz und ist nun ein stetig wachsender Hebel DAFÜR. Das macht Mut.

Noch sind wir nicht ganz so weit, aber Klimaschutz wird immer mehr durch Erneuerbare Energien gestärkt.

 

Achtung: Die Politik muss hierfür aber immer noch die entsprechenden Gleise legen und den Anschub geben. Wenn dann in diesem Zug der Erneuerbaren und energieeffizienten Energien noch die Menschen einsteigen und Platz finden, kommen wir alle in einer sauberen Zukunft an.

(Sorry, dass mit der Metapher hatte ich so eigentlich gar nicht geplant. ;-) )

 

"Hoffnungsvolle Aussichten für die Zukunft"

Ich finde es schon sehr cool, dass nun auch zum Beispiel die USA mit Obamas "Clean Power Plan" ein Zeichen setzen. Die USA haben immer noch eine Führungsrolle in der Welt, wenn die jetzt endlich ernst machen, wäre das sicher ein starkes Signal auch an viele andere Länder. Das macht nochmal Mut.

 

Ich bin auf jeden Fall sehr, sehr gespannt auf COP21! Drücken wir alle mal die Daumen.

 

Beste Grüße, Stephan


Neuen Kommentar schreiben


Name: *
E-Mail: *
(wird nicht veröffentlicht)
Nicht ausfüllen!


Kommentar: *

(wird nicht veröffentlicht)
max 2.000 Zeichen



energiezukunft