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Meinung der Woche
23. Juni 2014

Wir haben keine Angst vor Fracking!

Wie einige Medien berichten, plant die Bundesregierung noch vor der Sommerpause eine gesetzliche Regelung für das Fracking. Wie viele andere derzeitige Entscheidungen der Bundesregierung im Energiebereich ist auch diese wieder einmal vollkommen überflüssig und entgegen aller Bemühungen, die Energiewende in Deutschland umzusetzen.

Robert DoellingEnergiebloggerenergie-experten.org

Robert DoellingEnergiebloggerenergie-experten.org
Robert Doelling ist Energieblogger und betreibt das Portal energie-experten.org. (Foto: Robert Doelling)
Robert Doelling ist Energieblogger und betreibt das Portal energie-experten.org. (Foto: Robert Doelling)

23.06.2014 – Von Befürworten wird gerne angeführt, dass Fracking altbekannt und damit ungefährlich sei. Das stimmt. Aber während konventionelles Fracking von Sand- und Kalksteinen mit Klüften oder Poren tatsächlich seit Langem eingesetzt und auch unfallfrei betrieben wird, steht heute das Fracking nach amerikanischem Vorbild zur Diskussion: Denn um Gas aus Schiefergestein zu fördern, muss man wesentlich mehr bohren und auch wesentlich häufiger fracken. Die Risiken von Umweltschäden würden steigen. Dabei ist noch völlig unklar, wieviel Gas man eigentlich zu welchem Preis fördern könnte. Wie die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. jetzt berichtet, könnte man auch mit Bioerdgas aus kommunaler Bioabfallsammlung heute 10 Prozent des Erdgasverbrauchs in Deutschland decken. Also wieso sollte man eine Risikotechnologie erlauben, wenn man viel mehr Gas ohne Umweltverschmutzung aus dem eigenen Abfall produzieren kann?

Rückstellungen machten Fracking unwirtschaftlich

Tschernobyl, Fukushima aber auch die derzeitige Diskussion um einen öffentlichen Fonds zur Finanzierung des Abrisses der Alt-AKW oder die Behebung der Folgeschäden des Deepwater Horizon-Unglücks im Golf von Mexiko zeigen doch deutlich auf, dass die Privatwirtschaft nicht in der Lage ist, größere Folgeschäden insbesondere auf Sicht von mehreren Jahrzehnten sowohl technisch als auch finanziell zu beheben. Aus dieser Perspektive erscheint es doch aberwitzig, wenn man den Energiekonzernen nun wieder einmal erlauben würde, eine Risikotechnologie in Deutschland einzusetzen, ohne im Vorwege zu klären, wer mögliche Folgeschäden bezahlt. Würden die Konzerne risikoadäquate Rückstellungen bilden müssen, dann wäre das Thema Fracking wohl schon längst vom Tisch.

Fracking wird vermutlich gar nicht kommen

In den USA ist die Wild-West-Phase des Schiefergas-Booms inzwischen wieder vorbei. Und wie die Diskussion um CCS zeigt, das heute mehrheitlich als unwirtschaftlich angesehen wird, entwickelt sich der Energiemarkt derart schnell und volatil, dass es eher unwahrscheinlich ist, dass das Fracking über ein paar Pilotprojekte in Deutschland hinausgeht. Zudem tritt auch bei den deutschen 4 Energieriesen ein Umdenken gegenüber Risikotechnologien ein, das eine andere interne Risikobewertung nach sich ziehen wird. Ob in ein paar Jahren eine Vielzahl der Fracking-Projekte in Deutschland wirklich umgesetzt werden wird, ist daher wirklich fraglich. Also wieso sollte man nun ein Gesetz durchpeitschen, das selbst den Begünstigten nichts nützt?

Wir haben keine Angst vor Fracking!

Die Bundesregierung täte gut daran, nicht nur das Thema Energiewende wieder ernst zu nehmen, sondern auch die Bürger, die gegen das Fracking sind. Das sind nämlich nicht nur potenziell Betroffene in einzelnen Regionen, sondern bundesweit Menschen, die es einfach nicht zulassen wollen, dass eine überflüssige und umweltfeindliche Technologie in Deutschland ausschließlich zugunsten der großen Energiekonzerne erlaubt wird. Offensichtlich verkennt die Bundesregierung (wieder einmal), dass die Vorbehalte gegenüber Fracking nicht nur auf einer vagen Angst vor jedwedem Neuen oder simplem NIMBY-Egoismus basieren, sondern schlichtweg auf dem gesundem Menschenverstand, der eine Technik ablehnt, die Chemie in den Boden pumpt, um die letzten fossilen Ressourcen auszubeuten, obwohl wir wesentlich bessere, erneuerbare Lösungen längst haben.

Robert Doelling ist Social Media Manager bei der DAA GmbH in Hamburg und betreut die Portale heizungsfinder.de und solaranlagen-portal.com. Privat engagiert sich Robert Doelling als Energieblogger und betreibt das Portal energie-experten.org, ein unabhängiges Expertenportal und Fachmedium zu allen Themen der Energieeffizienz und Erneuerbaren Energien.




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