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Nachgefragt
09. Februar 2018

Startup-Interview Folge #3: Gridhound

Der dritte Teil unserer zweiwöchigen Startup-Serie beschäftigt sich mit der Firma Gridhound, die eine Software zur Überwachung und Steuerung von Verteilnetzen entwickelt hat. Wir haben mit Artur Löwen über seine Geschäftsidee und den Stellenwert von Smart-Grids für die Energiewende gesprochen.

Das Team von Gridhound (v.l.n.r.: Behzad Zargar, Ricardo Hernandez Montoya, Nicole Gerlach, Artur Löwen, Subhodeep Chakraborty, Helmut Vor). (Foto: © Gridhound)
Das Team von Gridhound (v.l.n.r.: Behzad Zargar, Ricardo Hernandez Montoya, Nicole Gerlach, Artur Löwen, Subhodeep Chakraborty, Helmut Vor). (Foto: © Gridhound)

09.02.2018 – Das junge Unternehmen Gridhound wurde aus dem Institut für Automatisierung komplexer Energiesysteme (ACS) der RWTH Aachen Universität heraus gegründet. Mit einer einfachen und kostengünstigen Lösung zur Überwachung und Steuerung von Verteilnetzen will Gridhound die „normalen Netze“ zu „Smart-Grids“ weiterentwickeln. Dabei setzt das Startup für die Überwachung und Abschätzung des Status von Mittel- und Niederspannungsnetzen auf maschinelles Lernen. Dadurch treibt es die Energiewende aktiv voran und ermöglicht den Verteilnetzbetreibern Probleme proaktiv zu vermeiden sowie den Netzbetrieb zu optimieren. Die heutigen Verteilnetze seien weder auf die wachsende Dezentralität der Stromerzeugung noch auf die anhaltend steigende Elektrifizierung des Verkehrssektors vorbereitet. Deshalb können die Netze nur durch eine kosteneffiziente Überwachung zukunftsfähig und sicher geführt werden.

Wie ist eure Idee für Gridhound entstanden?

Die Idee für Gridhound entstand am ACS der RWTH Aachen University, als ein europäischer Verteilnetzbetreiber seinen Bedarf für ein erschwingliches Kapazitätsmanagement zum Monitoring der Mittel- und Niederspannungsnetze anmeldete. Dieser Input führte zusammen mit den resultierenden Implikationen für die Zukunftsfähigkeit der Netze zu der Idee, das Verfahren des maschinellen Lernens in den Netzbetrieb zu transferieren und dieser Herausforderung mit einem absolut innovativen Ansatz zu begegnen. Zwei Jahre später, nach intensiver Recherche, Planung und einem Proof of Concept in Form einer Dissertation wurde Gridhound von Artur Löwen ins Leben gerufen.

Welchen Stellenwert haben Smart Grids für die Energiewende?

Für die Umsetzung der Energiewende sowie die notwendige CO2-Reduktion ist der Stellenwert von Smart Grids nicht zu unterschätzen. Durch die zunehmende dezentrale Erzeugung verändert sich die Energieflussrichtung langfristig und nachhaltig. Dazu tragen aber auch Veränderungen der Verbraucher bei, da etwa im Bereich der E-Mobilität die Netze stark belastet werden. Die aktive Netzführung im Verteilnetz gewinnt somit zunehmend an Bedeutung, wobei die Netztransparenz den Grundstein für einen sicheren, nachhaltigen und intelligenten Betrieb bildet.

Wie kann Gridhound die Netzbetreiber bei der Entwicklung intelligenter Stromnetze unterstützen?

Mit der Vision eines „Active Distribution Management Systems“ ist Gridhound auf dem besten Weg, die Verteilnetzbetreiber bei dem Wandel hin zu intelligenten Stromnetzen zu unterstützen. Ein erster Schritt besteht in der Einrichtung der notwendigen Echtzeit-Netztransparenz, gefolgt von der Auswertung und Analyse dieser Ergebnisse für relevante und sinnvolle Handlungsempfehlungen um zuletzt in einer vom Mensch überwachten Automatisierung den Stromnetzen zur nötigen Intelligenz zu verhelfen.

Wird euer System bereits in der Praxis eingesetzt?

Gridhound nimmt an drei mehrjährigen Horizon2020 EU-Projekten teil – darunter auch ein sogenanntes „Fast Track to Innovation“ Projekt – in deren Rahmen auch Praxistests z.B. in Italien, Irland und Deutschland stattfinden. Die zugehörigen Feldtests haben gerade begonnen und dauern noch weitere drei bis sechs Monate an. Erste Ergebnisse aus Offline-Tests liegen bereits vor und übertreffen die bisherigen Annahmen bezüglich Präzision und benötigter Anzahl von Sensoren im Feld. Der Fokus liegt in jedem Fall in der Entwicklung schlüsselfertiger Technologien, die auf die Bedürfnisse der Verteilnetzbetreiber abgestimmt sind.

Was sind bisher eure größten Hindernisse?

Verteilnetze gehören auf der ganzen Welt zur systemkritischen Infrastruktur. Entsprechen hoch sind die Sicherheitsanforderungen für den operativen Einsatz und entsprechend relevant muss eine Lösung sein, damit sie die Möglichkeit bekommt, sich hier zu beweisen. Glücklicherweise bietet sich Gridhound diese Chance gleich mehrfach. Regulatorisch existieren weitere Stolperscheine, z.B. weil der CAPEX (Investitionsausgaben für längerfristige Anlagegüter) höher bewertet wird als der OPEX (Aufwendungen für den operativen Geschäftsbetrieb), trotzdem kann sich die Energiewirtschaft nicht dauerhaft vor Optimierungs- und Digitalisierungsthemen verschließen. Obwohl für den Netzbetrieb traditionell eine deterministische Vorgehensweise präferiert wird, arbeiten wir mit einem probabilistischen Verfahren. Erste Ergebnisse validieren die Präzision und Konkurrenzfähigkeit unserer Lösung und erste Verteilnetzbetreiber öffnen sich den neuen Methoden.

Was verbraucht am meisten Energie bei der Gründung eines Startups?

Grundsätzlich ist Gridhound als Spin-Off der RWTH Aachen technisch sehr weit ausgereift. Deshalb verbrauchen alle Aktivitäten, die zentral die Idee und die Innovation betreffen – zumindest gefühlt – keine Energie, da der Ressourceneinsatz direkt ins Ergebnis fließt und dort sofort sichtbar wird. Gründer verfügen über eine inhärente Energiequelle, denn nur so können sie das tun, was sie lieben und gleichzeitig Nebenschauplätze wie z.B. die Konditionen für die Unternehmensgründung ausloten, eine valide Businessplanung erstellen, mögliche Kapitalgeber überzeugen und regelmäßig das eigene Startup präsentieren. Am Ende müssen Gründer schließlich immer wieder andere mit ihrer Energie und Idee infizieren.

Bei unserer Startup-Serie stellen wir sieben unterschiedliche junge Unternehmen vor, die bei einem Startup-Pitch am 22. Februar beim Neujahrsempfang des Bundesverbands Erneuerbare Energie gegeneinander antreten. Im Nachgang der Veranstaltung werden wir dann über den glücklichen Gewinner berichten.


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