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Verkehrswende: Werden Elektroautos nun massentauglich?

Das Model S von Tesla verfügt zwar über eine Reichweite von über 500 Kilometern, ist jedoch noch vergleichsweise teuer. Das könnte sich mit zukünftigen Modellen nun ändern. (Foto: © Martino Castelli, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Tesla_Mo
Das Model S von Tesla verfügt zwar über eine Reichweite von über 500 Kilometern, ist jedoch noch vergleichsweise teuer. Das könnte sich mit zukünftigen Modellen nun ändern. (Foto: © Martino Castelli, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Tesla_Model_S_P85D.jpg , CC BY-SA 4.0)

Im letzten Jahr ist die durchschnittliche Reichweite von E-Autos deutlich angestiegen. Außerdem will Indien ab 2030 zu 100 Prozent Elektroautos auf seine Straßen bringen und der Hersteller Tesla mit seinem neusten Model S massentauglich werden. All das spricht für einen Durchbruch der E-Mobilität.

05.04.2016 – Aktuell häufen sich die positiven Meldungen aus dem Bereich der Elektromobilität. Bereits im letzten Jahr lag die durchschnittliche Reichweite von Elektrofahrzeugen bei knapp 240 Kilometern – im Jahr 2020 sollen es bereits über 400 Kilometer sein, so eine Studie der Managementberatung Horváth & Partners. Die relativ geringe Strecke, die ohne den Einsatz fossiler Brennstoffe zurückgelegt werden kann, galt bisher als eine der größten Hürden. Daher wurde mit Spannung die Präsentation von Teslas Model 3 erwartet, das mit einer Reichweite von knapp 350 Kilometern zu einem Preis von etwa 31.000 Euro durchaus massentauglich werden könnte. Außerdem verkündete der indische Minister für Energie, Kohle und Erneuerbare Energien Piyush Goyal, dass auf den Straßen von Indien ab 2030 nur noch E-Autos rollen sollen.

Während die durchschnittliche Reichweite von Elektrofahrzeugen vor vier Jahren noch etwa 140 Kilometer betrug, hat sich diese nun rasant gesteigert. „Die Automobilhersteller sahen die Keimzelle der Elektromobilität lange eher im urbanen Umfeld und gestalteten die Fahrzeuge entsprechend“, stellt Studienautor und Partner bei Horváth & Partners Oliver Greiner fest. „Dies war eine strategische Fehleinschätzung, nicht nur in Bezug auf Design, Fahrzeuggröße und Fahrspaß, sondern auch in Bezug auf die Reichweite“, so Greiner weiter. Die Managementberater von Horváth & Partners haben zur Ermittlung der durchschnittlichen Reichweite die von den Herstellern angegebenen Werte mit den jährlichen Verkaufszahlen gewichtet.

Die Reichweite als wichtiges Verkaufsargument

Tatsächlich entscheidet auf dem Markt der Elektromobilität vor allem, wie weit das Fahrzeug mit einer vollen Batterieladung fahren kann. Daher wurden im vergangenen Jahr vor allem die reichweitestarken Modelle gekauft. Ganz weit vorne lag hier der Tesla Model S mit bis zu 528 Kilometern, der Renault ZOE mit bis zu 210 Kilometern oder der Kia Soul EV mit bis zu 212 Kilometern. Trotz ihres stolzen Preises hatte die Tesla-Limousine über 1.500 Neuzulassungen und war damit beliebter, als die deutlich günstigeren Konkurrenten BMW i3, VW e-Golf oder Mercedes B 250e.

„Mit sinkenden Batteriepreisen und verbesserter Batterietechnik werden Automobilhersteller in den kommenden Jahren deutlich höhere Reichweiten in Elektrofahrzeuge verbauen“ sagt Heiko Fink, Automobilexperte bei Horváth & Partners und Co-Autor der Studie. „Wir gehen davon aus, dass bis 2020 ein neu zugelassenes reines Elektroauto im Durchschnitt deutlich über 400 Kilometer mit einer Batterieladung zurücklegen kann“, so Fink weiter.

Indien strebt 100 Prozent Elektroautos an

Indien hat es sich zum Ziel gesetzt, zum weltweiten Vorreiter für die Verbreitung von Elektroautos zu werden. So soll der Anteil der batteriebetrieben Fahrzeuge von aktuell einem Prozent auf stolze 100 Prozent bis zum Jahr 2030 gesteigert werden. Doch wie möchte gerade Indien, das 2013 ein Pro-Kopf-BIP von unter 1.500 US-Dollar hatte, solch ein ambitioniertes Ziel erreichen? Dafür hat sich das Umwelt-, Verkehrs- und Energieministerium einen ausgeklügelten Plan überlegt: Die E-Autos sollen zunächst kostenlos an die Nutzer übergeben werden und dann mittels einer Ratenzahlung über einen langen Zeitraum abbezahlt werden. Der Abzahlungsbetrag soll sich dabei nur aus der Ersparnis gegenüber den nicht benötigten Benzinkosten zusammensetzen. Dadurch entstehen den Konsumenten keine Mehrkosten – jedoch vorerst auch keine Ersparnis.

In anderen Ländern wird ebenfalls nach der passenden Strategie gesucht, um die Elektromobilität so schnell wie möglich in das Verkehrssystem zu integrieren. So sollen beispielsweise in Norwegen ab dem Jahr 2025 ausschließlich Elektroautos verkauft werden. Dies könnte die CO2-Emissionen des norwegischen Transportsektors bis 2030 halbieren. In Amsterdam sollen bis 2025 alle städtischen Busse elektronisch unterwegs sein, was sich ebenfalls positiv auf den CO2- sowie den Feinstaubausstoß auswirkt.

Tesla wird mit dem Model 3 massentauglich

Allerdings sind es nicht nur einzelne Länder, die an einer schnelleren Integration der E-Mobilität interessiert sind. Tesla hat sich seit seiner Gründung darauf spezialisiert, Autos mit Elektroantrieb zu entwickeln. Das neuste Modell glänzt mit einer Reichweite von knapp 350 Kilometern und ist mit dem Preis von umgerechnet etwa 31.000 Euro vergleichsweise günstig. Damit baut Tesla ein E-Auto, dass nun auch für die breite Masse bezahlbar wird. Laut dem Gründer des US-Unternehmens Elon Musk gab es bereits innerhalb der ersten 24 Stunden 115.000 Vorbestellungen. Dafür war eine Anzahlung in Höhe von 1.000 US-Dollar notwendig. Die zukünftigen Käufer müssen sich nun noch etwas gedulden, denn ausgeliefert werden die ersten Fahrzeuge erst Ende 2017.

Es gibt allerdings noch immer ein Problem bei der massenhaften Verbreitung von Elektrofahrzeugen: die Ladeinfrastruktur. Zwar gibt es inzwischen vor allem in den größeren Städten schon einige Lademöglichkeiten, jedoch bei weitem noch nicht genug. Vor allem dann nicht, wenn die Preise von E-Autos so stark sinken, dass die Zahl der Neuzulassungen dementsprechend ansteigt. Wer beispielsweise in einem Mehrfamilienhaus wohnt und dort keine Möglichkeit hat, sein Auto über Nacht laden zu können, muss öffentliche Ladesäulen benutzen können. Deswegen ist die Verbesserung der Ladeinfrastruktur unabdingbar für eine großflächige Ausbreitung der E-Mobilität. Joschua Katz

Kommentare

Opelfahrer am 05.04.2016

+276 Gut Antworten

Im Jahre 2018 laufen die Subventionen für die heimische Steinkohle aus, dann könnte sie Stromsteuer gesenkt werden.

Weiterhin wurde die Mineralölsteuer schon lange nicht mehr erhöht.

Ausserdem sollte man ein mit Subvertionen ein deutschlandweites Hyperchargernetz mit mindestens 150kW an den Autobahn - Rasstätten aufbauen. Weiterhin wäre ein Sonderabschreibungsprogramm für Schnelllader an Autohäusern und Einkaufscentern und Hotes nötig, auch um die Investitionen Teslas zu entwerten.

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