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Billiges Benzin: Verbraucher kaufen keine E-Autos

Die Neuwagenkäufer fallen in alte Verhaltensmuster zurück und kaufen angetrieben durch billige Benzin- und Dieselpreise verstärkt spritschluckende Neuwagen mit vielen PS. (Foto: pixabay.com, CC0 Public Domain)
Die Neuwagenkäufer fallen in alte Verhaltensmuster zurück und kaufen angetrieben durch billige Benzin- und Dieselpreise verstärkt spritschluckende Neuwagen mit vielen PS. (Foto: pixabay.com, CC0 Public Domain)

Der Absatz von Elektroautos und Fahrzeugen mit alternativen Antrieben steckt in einer Krise, der Umstieg auf nachhaltige Mobilität stagniert. Experten sehen den Grund in den niedrigen Benzin- und Dieselpreisen – und die PS-Sucht der Verbraucher.

09.07.2015 – Die deutschen Autobauer verkauften 2014 pro Modell und Monat nur 14 Neuwagen mit alternativen Antrieben an sogenannte „echte“ Endkunden, also ohne Eigenzulassungen. Die Zahlen sind ernüchternd und Besserung nicht in Sicht, der enttäuschende Trend geht 2015 weiter. Die Verbraucher „lassen die Hybride-, Plug-In Hybride und Elektroautos der Autobauer links liegen“, wie es der Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer formuliert.

Als Grund sieht Dudenhöffer in erster Linie die anhaltend niedrigen Treibstoffpreise. So kosten Dieselkraftstoffe inflationsbereinigt genau so viel wie 2006, das Nachfrageverhalten der Neuwagenkäufer hat sich dieser Lage angepasst. Gleichzeitig geht der Trend nicht nur vermehrt zu Benzin- und Dieselautos, sondern auch zu besonders spritschluckenden Modellen. SUVs, also sportliche Geländewagen, sind deutlich gefragter, „während alternative Antriebe ‚verku¨mmern‘“, kommentiert Dudenhöffer.

Die Motorstärke des Durchschnitts-Neuwagen in Deutschland beträgt mittlerweile 143 PS – eine Entwicklung, die sich schon seit längeren von den Wirklichkeiten auf deutschen Straßen abgekoppelt hat. Prognosen zufolge wird dieses Jahr erstmals die Zulassungsgrenze von 600.000 SUVs in Deutschland erreicht – obwohl auf den gut ausgebauten deutschen Straßen weder in der Stadt noch auf dem Land sportliche Geländewagen mit vielen PS benötigt werden. Mittlerweile sind 18,8 Prozent der Neuzulassungen in Deutschland sportliche Geländewagen.

Südeuropäer fahren kleinere Autos

Für die deutschen Autobauer könnte dieser Trend langfristig zum Problem werden, denn sie müssen ihre Neuwagenflotten CO2-ärmer gestalten. Im Zuge der EU-Klimaziele von 20 Prozent weniger Treibhausgase bis 2020 muss auch der Pkw-Verkehr seine Emissionen reduzieren. Im Jahr 2012 machte dieser immerhin 12 Prozent des EU-weiten CO2-Austoßes aus. Deutschland hinkt im diesem Punkt deutlich hinterher. Lag 2014 der Durchschnittswert für Neuwagen in der EU bei einem Ausstoß von 123,4 Gramm CCO2 pro Kilometer, so waren es in Deutschland 132,8 Gramm CO2 pro Kilometer.

Die südeuropäischen Länder sind in dieser Entwicklung Vorreiter, dort werden überwiegend kleinere und spritsparende Autos gekauft, im Gegensatz zum deutschen SUV-Boom. Ab 2021 gelten in der EU strengere CO2-Grenzwerte für Pkw, dann müssen Autobauer einen bestimmten Grenzwert für ihre Neuwagenflotten einhalten. Helfen sollen den Herstellern Elektroautos und Hybride, die das CO2-Niveau senken. Doch derzeit stehen in Deutschland die Zeichen auf fossile Mobilität, aufgrund billiger Treibstoffe fallen die Autokäufer offenbar in alte Verhaltensmuster zurück. cw


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Kommentare

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Gunther Carl 09.07.2015, 11:37:20

+315 Gut Antworten

Um es vorweg zu sagen: ich fahre über das Elektroauto-Carsharing-Projekt RUHRAUTO-e selbst mit Begeisterung vorzugsweise mit BMW i3, Nissan Leaf und Renault Zoe und bin erfreut über die kraftvolle, ruckelfreie Beschleunigung, die diese Autos bieten. Autoscooterfeeling!

Sicherlich ist nicht allein der günstige Treibstoff der Grund für den mangelnden Absatz von Elektroautos. Autos sind untrennbar mit Freiheit verbunden. Wer einmal einen etwas weiteren Familienausflug mit einem Elektroauto machen will, stößt schnell an die Grenzen der Elektromobilität: Gibt es am Zielort eine Schnellladesäule? Ist diese dann auch frei, wenn ich dort ankomme? Funktioniert sie überhaupt? Und funktioniert sie mit meiner Ladekarte bzw. kann ich dort per sms usw. zahlen? Wo ist die nächste Ausweichladestation? All das sind Fragen, die sich bei solch einem Ausflug stellen - und es selbst mir als eigentlich begeisterten E-Mobilisten daher auch verleiden. Elektroautos könnten in Privathaushalten dort eher eine Chance haben, wo noch ein Zweitwagen mit Verbrennungsmotor vorhanden ist.

Gunther Carl 09.07.2015, 11:57:03

+320 Gut Antworten

...und wirklich vorzugsweise fahre ich Fahrrad. Funktioniert sogar ganz ohne Strom - tolle Erfindung!

Andi 09.07.2015, 16:10:49

+315 Gut Antworten

Fahrrad ist sowieso das beste - und gesund ist es obendrein. Leider sind manche Strecken zu weit und auf dem Land - wo ich wohne - nicht anders zu bewältigen als mit dem Auto. Ich bedauere sehr, dass die Menschen offenbar so skeptisch sind bzgl. der neuen Antriebe. Bin selbst schon E-Smart gefahren und war begeistert. Leider kann ich mir derzeit einen Umstieg schlicht noch nicht leisten. Am Geld scheitert hier ja evtl. auch viel. Deshalb fände ich eine Kaufprämie i.H.v. z.B. 5.000 € pro Auto für sehr hilfreich.

Das müsste die Regierung jedoch für einige Jahre aufrechterhalten, damit sich die Leute Zeit lassen können bei der Auswahl und noch fahrende Gebrauchte ihre Nutzung nicht sinnlos vorab beenden müssen.

Matthias 12.07.2015, 12:14:39

+334 Gut Antworten

Eventuell sollte man sich am Modell der Besteuerung von Autos am Modell von Norwegen orientieren. http://www.heise.de/autos/artikel/Im-Paradies-Die-Foerderung-von-E-Autos-in-Norwegen-2629594.html . https://www.toi.no/getfile.php?mmfileid=37250 Um solche Auswüchse zu verhindern. Aber dafür hat man keine Eier, um der Autolobby die Stirn zu bieten. Das war schon so wie die Grünen einen Spritpreis von 5 DM zur Sprache brachten. Das wären ca. 2,50 €. Bei der Diskussion ums E-Auto vergisst man meiner Meinung nach das der LKW Verhehr das größere und drängendere Problem ist. Der muß massiv eingeschränkt werden. Allerdings dürfte das schwierig werden mit unser Rumpfbahn, bzw. was davon übriggeblieben ist, nach dem verpatzten Börsengang. Unter anderem fallen mir der ÖPNV und überhaupt kommunale Fahrzeuge ein. Ein Bus braucht rund 40 - 60 Liter Diesel auf 100 Km . Die auf elektrisch umzustellen sollte das kleinere Problem sein , da die zwar fast täglich fahren, dafür aber überschaubare Strecken.

Hartmut Baden 17.07.2015, 16:45:10

+328 Gut Antworten

Schluss mit dem Gejammer!

Versuchen Sie mal ein solches Auto kaufen. Wenn es eine gewisse Reichweite haben soll, muss es ein Hybrid sein. Die Auswahl ist da doch sehr begrenzt und der Handel eher ein Verhinderer. Die Hersteller nehmen ihre Alibis wieder vom Markt.

Die reinen E-Fahrzeuge haben (außer dem Tesla) keine sinnvolle Reichweite.

Förderungen sollten sich nicht auf die Fahrzeuganschaffung konzentrieren sondern auf die Entwicklung der Infrastruktur. Es würde recht schnell voran gehen, mit Wechsel-Mietbatterien und Wechselstationen. Die Batterien könnten in den Stationen am Netz als Puffer zur Verfügung stehen und regenerativ geladen werden. Durch diesen Doppelnutzen würden sie sich teilweise selbst finanzieren. Die Automotive-Lobby wusste das gezielt zu verhindern, um das alte Geschäftsmodell noch nicht zu verlieren.

Was bleibt ist ein Politik- und Marktversagen auf der ganzen Linie. Nur die Berater-Zunft macht ihr Geschäft mit Studien über Studien, immer "um den heißen Brei herum" ...


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