ÖPNV: Deutschlandticket wird teurer und das Netz bleibt eine Baustelle

Ab 2027 kostet das Deutschlandticket wieder mehr. Noch wichtiger sind den Menschen einer neuen Umfrage zufolge aber eine gute Erreichbarkeit und ein gutes Streckennetz – Bereiche, in denen der ÖPNV vielerorts Nachholbedarf hat.
02.10.2026 – Um fast ein Drittel ist der Preis des Deutschlandtickets seit seiner Einführung im Mai 2023 bereits gestiegen, von 49 Euro im Monat auf nunmehr 63 Euro – das ist ein Plus von 28,6 Prozent. Und die nächste Preissteigerung wartet bereits: Ab Anfang 2027 wird das Ticket 66,80 Euro kosten. Um zukünftige Defizite durch steigende Personal-, Energie- und Betriebskosten aufzufangen, wird der Preis ab dem 1. Januar 2027 nicht mehr rein politisch verhandelt, sondern über einen automatischen Kosten-Preisindex berechnet.
Das ist in vielen Fällen immer noch ein günstiges Angebot im Vergleich zu dem, was die Menschen vorher für Monats- und Jahrestickets zahlen mussten. In der Kritik stehen die weiteren Preissteigerungen vor allem angesichts der Energiekrise, in der der Bund schon zum zweiten Mal in diesem Jahr einen Tankrabatt ausgerufen hat, anstatt die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs günstiger zu machen.
Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, sagt: „Beim Deutschlandticket werden Bürgerinnen und Bürger Jahr für Jahr mehr zur Kasse gebeten. Das höhlt das Versprechen einer sozialverträglichen und planbaren Finanzierung aus. Mit nur einem Teil der Milliardenkosten für den Tankrabatt hätte sich die erneute Preissteigerung beim Deutschlandticket verhindern lassen. CDU-Verkehrsminister Bilger lässt mit seiner autofixierten Politik Millionen Menschen im Stich, die auf einen bezahlbaren und zuverlässigen öffentlichen Nahverkehr angewiesen sind.“
Der seit gestern geltende Tankrabatt wird Bund und Länder voraussichtlich rund 2,5 Milliarden Euro kosten. „Wir fordern ein Deutschlandticket für 29 Euro für zwölf Monate und anschließend einen dauerhaft stabilen Preis von maximal 49 Euro. Zusätzlich braucht es ein bundeseinheitliches vergünstigtes 29-Euro-Ticket für bestimmte Personengruppen, eine Ausbauoffensive für Bus und Bahn und eine bundesweite Mobilitätsgarantie mit verlässlichen Mindeststandards für Stadt und Land“, so Resch weiter.
Ausbauoffensive und Mobilitätsgarantie sind Themen, die offensichtlich noch deutlich mehr Menschen bewegen als die reinen Ticketpreise. Das zeigt der Mobilitätscheck ÖPNV des ökologischen Verkehrsclubs Deutschland (VCD). Vom 01. Mai bis 30. Juni konnten Menschen an einer Online-Umfrage des VCD teilnehmen. Rund 7.500 Menschen aus ganz Deutschland machten mit. Repräsentativ für die deutsche Gesamtbevölkerung ist die Umfrage nicht – und zeigt dennoch ein Stimmungsbild.
Auf die Frage, was ein attraktiver ÖPNV bedeutet, konnten die Teilnehmenden bis zu drei Antworten geben. Mit 83,8 Prozent erreichte „gute Erreichbarkeit, gutes Streckennetz“ die mit Abstand höchste Zustimmung. Dem folgten „ein dichter Takt“ und „verlässliche Abfahrtszeiten“. Erst an vierter Stelle mit 48,3 Prozent wurde „Bezahlbare Ticketpreise“ genannt.
Zudem stimmten mehr als 90 Prozent der Befragten der Aussage zu, dass mehr Menschen den ÖPNV häufiger nutzen würden, wenn das Angebot besser wäre. Beim Thema Pünktlichkeit ist das Ergebnis gespalten. 35,8 Prozent aller Teilnehmenden beurteilen den ÖPNV als (eher) pünktlich, 30,6 Prozent sehen das aber (eher) nicht so und 33,5 Prozent äußern sich mit teils/teils. Kritisch bewerten die Befragten die Entwicklung der vergangenen Jahre: Knapp zwei Drittel (62 Prozent) sehen keine Verbesserung des ÖPNV-Angebots in den letzten fünf Jahren. Lediglich 12,7 Prozent nehmen Fortschritte wahr.
„Damit Deutschland seine Klimaziele erreicht, müssen mehr Menschen auf Bus und Bahn umsteigen – das ist unstrittig“, sagt Alexander Kaas Elias, der ÖPNV-Experte des ökologischen Verkehrsclubs VCD. „Die Ergebnisse unserer Befragung zeigen jetzt, wie das gelingen kann: Durch ein besseres Angebot, also durch gute Erreichbarkeit, einen dichten Takt und mehr Verlässlichkeit.“
In einer Analyse im Auftrag von Greenpeace aus dem letzten Jahr zeigte sich, dass – wenig überraschend – vor allem der ländliche Raum bei der Erreichbarkeit mit dem ÖPNV schlecht abschnitt, Großstädte hingegen gut. Die Analyse zeigte aber auch, dass das Angebot in Großstädten in den letzten Jahren stagnierte oder sogar abnahm, obwohl auch dort weiteres Ausbaupotenzial vorhanden wäre.
Immerhin: Die Reaktivierung von Schienen nimmt Fahrt auf. Über 900 Kilometer an Schienenwegen könnten bis 2035 wieder in Betrieb genommen werden, hat die Allianz pro Schiene ermittelt. In der Vergangenheit wurden viele Bahnstrecken aufgrund sinkender Nutzerzahlen stillgelegt, anstatt Maßnahmen zu ergreifen, um die Verbindungen wieder attraktiver zu machen.
Dabei gibt es Positivbeispiele, wie bei zuvor dahinsiechenden Strecken das Angebot verbessert wurde, wie die Allianz pro Schiene aufzeigt, etwa im Osten Niedersachsens oder im Süden Bayerns. Die Fördermöglichkeiten durch den Bund über das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz haben sich insgesamt verbessert. Seit der Novelle des Gesetzes 2019 gibt es Fördersätze von 75 bis 90 Prozent. Vom Bundesverkehrsministerium gab es 2025 einen Fördertopf von insgesamt zwei Milliarden Euro. Ab 2026 soll dieser Topf um 1,8 Prozent pro Jahr ansteigen.
Für die Schiene sind aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität des Bundes für 2026 rund 18,75 Milliarden Euro vorgesehen. Für 2027 sind dem Regierungsentwurf zufolge bislang 13,71 Milliarden Euro vorgesehen. Auch aus weiteren Mitteln sollen in die Bundesschienenwege im Zeitraum 2025 bis 2029 rund 107 Milliarden Euro fließen.
Für den lokalen ÖPNV sind 2026 rund 13,4 Milliarden Euro, vor allem für die Finanzierung bestellter Nahverkehrsleistungen – darin 1,5 Milliarden Euro für das Deutschlandticket –, vorgesehen. Weitere 2,04 Milliarden Euro sollen in den örtlichen Schienen-ÖPNV fließen. mg

























































