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Realitätsferne Test-Resultate

Die Automobilindustrie schummelt weiter

Wie hier bei VW, dürften laut der Studie ab 2035 keine Autos mit Verbrennungsmotoren mehr verkauft werden, um die Pariser Klimaziele im Verkehrssektor einzuhalten. (Foto: © Raycer / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)

Die Autoindustrie versucht weiterhin ihre Abgaswerte zu beschönigen. Aktuell sind es Testergebnisse von CO2-Werten, die laut einer Studie große Lücken zur Realität aufweisen. Auch scheinen die Hersteller E-Autos und Hybridfahrzeuge zurückzuhalten.

13.04.2018 - „Der Diesel hat seine Berechtigung, heute und in der Zukunft“, sagte Bernhard Mattes, Präsident des Verbands der Automobilindustrie, auf dem Future Mobility Summit Anfang dieser Woche. Und Daimler-Chef Dietmar Zetsche ergänzte dazu, dass der moderne Diesel „Teil der Lösung“ sei. Doch auch Diesel der neuesten Euro 6-Norm stoßen laut dem Umweltbundesamt bis zu sechs Mal mehr Stickoxide aus als erlaubt. Und daneben bahnt sich ein neuer Abgasskandal an. Diesmal geht es um CO2-Grenzwerte. Einer Studie der Nichtregierungsorganisation Transport & Environment (T&E) zufolge nutzen Autohersteller Lücken in den Testverfahren aus, um die Grenzwerte für 2021 einzuhalten.

Ab 2021 dürfen alle neu zugelassenen PKW in der Europäischen Union im Schnitt maximal 95 Gramm CO2 pro gefahrenen Kilometer ausstoßen. Dies legte die EU Im Februar 2015 fest. Durch sogenannte Supercredits können die Automobilhersteller aber Fahrzeuge mit einem Ausstoß von weniger als 50g CO2/km mehrfach auf ihre gesamte Flotte anrechnen. Die Studie geht davon aus, dass die Hersteller die Produktion von Elektroautos und Hybrid-Fahrzeugen signifikant steigern müssen, um die vorgeschriebenen Grenzwerte der EU zu erreichen. Die entsprechende Produktion müsse von aktuell 1 bis 2 Prozent auf 5 bis 7 Prozent hochfahren. Dies würde den Vorgaben der EU entsprechen.

Tricksereien bei Labortests

Folgt man hingegen den Zahlen der Automobilindustrie, dann erfüllen bereits jetzt viele Autos mit Verbrennungsmotoren die Vorgaben von 95g CO2/km. Doch die Analysten von T&E warnen: Seit die EU die Grenzwerte für 2021 festgelegt hat, ist die Kluft zwischen den Test-Resultaten der Automobilhersteller und der realen Leistung von 9 auf 42 Prozent angewachsen. Das mache laut der Studie einen Unterschied von 21g CO2/km aus.

Möglich machen dies Techniken wie Plug-In-Hybride, Start-Stopp-Systeme und Zylinderabschaltungen, die auf kurzen Reichweiten – wie bei Tests eher üblich – größere Ersparnisse beim CO2-Ausstoß einbringen. In der realen Welt jedoch werden oft längere Strecken am Stück gefahren. Bedingungen die den Tests im Labor nicht standhalten. Auch sind viele Zusatztechniken, wie die beschriebenen, nicht standardmäßig im Wagen verbaut, sondern können oftmals nur als Add-Ons zusätzlich bestellt werden.

Auch hilft der Autoindustrie die Umstellung der Testverfahren. Die EU-Grenzwerte für 2021 basieren auf dem New European Driving Cycle (NEDC) Test. Während die Richtwerte ab 2025 auf einem neuen Testverfahren basieren, dem Worldwide harmonised Light vehicles Test Procedure (WLTP). Die Werte des WLTPs werden bereits jetzt künstlich aufgebläht, während die Testergebnisse des NEDC niedrig gehalten werden. Dies helfe laut T&E „die Tests maximal flexibel zu halten“ und sich Vorteile zu verschaffen.

Stets auf hohe Gewinnmargen bedacht

Und noch gelten sehr viel höhere Richtwerte, als die angestrebten 95g CO2/km. Die Autoren der Studie schätzen, dass die Automobilhersteller aktuell massiv E-Autos und Hybridfahrzeuge zurückhalten. Stattdessen werden vor allem SUVs beworben und verkauft. Deren Verkaufsanteil stieg von 4 Prozent im Jahr 2001 auf 26 Prozent im Jahr 2016. Dabei stößt ein durchschnittlicher SUV 132g CO2/km aus.   

Die Studie zeige, „dass die Industrie derzeit vor allem schwere und spritdurstige Modelle mit hohen Profiten verkauft und neue, effiziente Fahrzeuge oder gar Elektroautos bis zum letzten Moment zurückhält“, sagt Dietmar Oeliger, Verkehrsexperte des Nabu und Mitglied im Verband von T&E, gegenüber Tagesspiegel Background. T&E erwartet, dass sich die Anzahl der angebotenen Elektromobile zwischen 2019 und 2021 verfünffachen wird. Mit diesem Vorgehen wollen die Automobilhersteller ihre Gewinnmargen hoch halten. mf


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