Verkehrswende: Die Bahn wieder aufs Gleis bringen

Die Bahn ist seit Jahren sanierungsbedürftig. Die Politik investiert, trotzdem fallen seit der Pandemie immer mehr Züge aus und Verspätungen nehmen zu. Die Bahn muss nicht nur saniert, sondern strukturell umgestaltet werden.
09.07.2025 – Die Bahn wird immer unzuverlässiger, und das nicht nur gefühlt. Im vergangenen Jahr mussten Fahrpläne nach Recherchen der Süddeutschen Zeitung zwischen zwei und drei Millionen Mal geändert werden. Ein Aufsichtsratsmitglied meinte gar, Fahrpläne würden nicht mehr gerechnet, sondern nur noch geschätzt.
Seit 2019 hat sich die Anzahl der Ausfälle bei Fernzügen verdoppelt, und mehr als ein Drittel sind unpünktlich. Ausgefallene Züge zählen dabei offiziell nicht als verspätet. Stattdessen müssen ausgefallene Züge zu unpünktlichen hinzugerechnet werden, um die Unregelmäßigkeiten zu erfassen.
Ein Fass ohne Boden
Bereits seit Jahren unterstützt der Bund die Deutsche Bahn bei Sanierungen. Seit 2009 gibt es eine offizielle Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung (LuFV), die Qualitätsstandards festlegt, die durch die staatliche Investition erreicht werden sollen. 2023 hat der Bund knapp 9,2 Milliarden Euro in die Schieneninfrastruktur investiert. Der derzeit geplante Haushalt sieht für 2025 rund 22 Milliarden Euro vor, darunter 9 Milliarden aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität. Das bisherige Ergebnis der Unterstützung darf allerdings wohl als schwach bezeichnet werden.
Experten kritisieren u.a., dass die staatlichen Hilfen nicht mit ausreichend Qualitäts- und Effizienzkontrollen verbunden sind. „Die langjährige Erfahrung der DB lautet, dass sie genau dann mehr Geld vom Bund erhält – und ohne Kontrollen –, wenn sie schlechtere Qualität und größere Finanzierungsprobleme produziert“, kritisiert Kay Mitusch, Professor und Inhaber des Lehrstuhls Netzwerkökonomie, Institut für Volkswirtschaftslehre (ECON), Karlsruher Institut für Technologie (KIT). „Die Ineffizienz der DB-Unternehmen führt zu Qualitätseinbußen, welche sich unter anderem in der Vielzahl von Verspätungen und Zugausfällen zeigen.“
Die Bahn steht vor strukturellen Problemen
Verspätungen lassen sich in Initialverspätungen und Folgeverspätungen einteilen. „Die LuFV bezieht sich nur auf die Infrastruktur. Sie umfasst deshalb einige Auslöser für Initialverspätungen und zu knapp geplante Fahrzeugumläufe nicht“, erklärt Gernot Liedtke, Professor und kommissarischer Institutsdirektor, Institut für Verkehrsforschung, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Berlin. „Daneben gibt es das Problem der Abgrenzbarkeit von Verspätungsursachen: Es ist oft nicht klar, ob die unzureichende Infrastruktur, die zu knapp geplanten Umlaufpläne der Zuggarnituren, der Wartungszustand der Züge oder der bauliche Zustand der Infrastruktur für die Verspätung ursächlich ist. Das kann dazu führen, dass falsche Prioritäten im Mitteleinsatz gesetzt werden.“
Auch Markus Hecht, Professor und Leiter des Fachgebiets Schienenfahrzeuge am Institut für Land- und Seeverkehr, Technische Universität Berlin, meint, dass die Bahn sich zu wenig auf die dringlichsten Probleme konzentriert. Die Instandhaltung der Gleise sei zu lange vernachlässigt worden, die einzelnen DB-Unternehmen arbeiteten nicht gut zusammen, und die Bahn kaufe zu schnell neue Fahrzeuge und repariere zu wenig. Mehr Instandhaltung der Fahrzeuge und Investitionen in die Instandhaltung der Weichen und Stellwerke könnte Abhilfe schaffen. „Schon nach vier bis fünf Jahren würden Verbesserungen eintreten. Ich kann aber bislang keine Akzente der Politik erkennen, diese Ursachen zu beseitigen“, so Hecht.
Die Haushaltsmittel für die Bahn sind für Bestandsnetzmodernisierung, Digitalisierung und die Generalsanierung des Hochleistungsstreckennetzes vorgesehen. Auch eine Eigenkapitalerhöhung der Bahn ist geplant. Ein präzise Zweckfestlegung der Mittel, Projektlisten oder Zeitpläne gibt es noch nicht. jb


















































