VerkehrswendeE-Mobilität erobert den Alltag

E-Gefangenentransporter JVA
E-Gefangenentransporter JVA (Foto: Justizressort Senat Bremen)

Busse und Müllwagen, Feuerwehrautos, Traktoren für die Landwirtschaft: Ein Einsatzgebiet nach dem anderen sagt Adieu zum Dieselmotor. In Bremen fährt ein elektrisch angetriebener Transporter sogar im Justizvollzug.

18.06.2026 – Auf leisen Sohlen fährt er durch die Konstanzer Straßen, leiser jedenfalls als die Kollegen mit Dieselmotor. Das geräuschvolle Leeren und Zurückrollen der Mülltonnen und Container kündigt den Müllwagen trotzdem an. Darum kommen auch die elektrisch angetriebenen Fahrzeuge der Entsorgungsbetriebe Konstanz (EBK) nicht herum. Entscheidend aber ist: Sie sammeln den Müll ohne Abgase ein, verbessern die CO2-Bilanz des Fuhrparks – und weniger Krach machen sie auch.

Klimaneutralität bis 2035: Das ist das Ziel. Deswegen wird der Fuhrpark sukzessive umgestellt. Ende 2023 stand das erste E-Müllfahrzeug auf dem Hof, heute sind drei von neun elektrisch unterwegs. Ebenso fünf von sechs Pkw sowie sechs von zwölf Kleintransportern. Je größer das Fahrzeug, desto größer die Herausforderung bei der Umstellung. Aber die E-Müllfahrzeuge bewähren sich im Alltag. Es geht Schritt für Schritt. „Aktuell haben wir auch einen E-Abrollkipper ausgeschrieben“, berichtet Nele Steurer von den EBK. „Das wird unser nächstes Prachtstück.“

Den Saft aufdrehen

Ähnlich wie in Konstanz gehören E-Müllwagen auch in Karlsruhe, Freiburg, Wuppertal und anderswo längst zum Stadtbild, oder sie befinden sich im Testbetrieb. Und bei den Kollegen der Busbetriebe ist die Elektrifizierung noch weiter fortgeschritten. So wird bei den Stadtwerken Konstanz rund die Hälfte der gesamten Busflotte mit Strom angetrieben, 29 Fahrzeuge. Einmal über die Grenze zur Schweiz rüber, in Kreuzlingen, liegt die Quote seit November 2025 bei 100 Prozent. Das gleiche gilt für Speyer in Rheinland-Pfalz und Freising in Bayern, wo ebenfalls seit Ende 2025 nur noch Stadtbusse mit Elektroantrieb fahren – klimafreundlich und leise. Normalität im Alltag.

Was für die Passagiere im ÖPNV gut ist, kann im Justizvollzug nicht verkehrt sein. So hat der Senat für Justiz in Bremen kürzlich die Inbetriebnahme von zwei elektrischen Gefangenentransportern bekanntgegeben, die ersten in Deutschland. In vier Einzelkabinen, fünf Zweierkabinen und einer Viererkabine können pro Fahrzeug bis zu 18 Gefangene transportiert werden. Übliche Strecken wie zum Beispiel nach Hamburg, anschließend nach Hannover und wieder zurück nach Bremen mit einer Gesamtlänge von rund 425 Kilometern können mit den vorhandenen 564 Kilowattstunden ohne Zwischenladung problemlos bewältigt werden, teilt der Senat mit.

Menschen, Güter, Arbeit

Die Sicherheit der Mitarbeitenden und auch der Gefangenen werde selbstverständlich auch elektrisch betrieben jederzeit gewährleistet“, sagt JVA-Leiter Hans-Jürgen Erdtmann – „genauso, als wären wir noch mit unwirtschaftlichem und klimaschädlichem Diesel unterwegs.“ Die Kosten für beide Fahrzeuge in Höhe von insgesamt 1.427.000 Euro entfielen mit 952.000 Euro auf die Basisfahrzeuge und mit 475.000 Euro auf die Ausbauten mit den Kabinen für die Insassen.

Planbare Strecken, regelmäßige Rückkehr zur Ladesäule, Solarstrom vom eigenen Dach. Auch in der Landwirtschaft tauchen immer mehr Fahrzeuge mit E-Motoren auf, die besonders gut zu diesen Rahmenbedingungen passen. Landmaschinen-Anbieter Fendt bewirbt online mehrere E-Traktormodelle. Ex-VW-Chef Herbert Diess kündigt auf LinkedIn für 2027 einen ‚revolutionären Mittelklasse-E-Traktor‘ für die Region D-A-CH und Südtirol an und verspricht 50 Prozent reduzierte Betriebskosten. Das Startup Onox aus Weilbach im Allgäu hat für seinen elektrischen Traktor mit Batteriewechselsystem bereits den Deutschen Nachhaltigkeitspreis erhalten.

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E-Motoren und Batteriespeichern – ihnen gehört die Zukunft, vielerorts auch schon die Gegenwart.  Vor dem Feuerwehr- und Rettungsdienst macht die Elektrifizierung ebenfalls nicht halt. In Hamburg läuft der Probebetrieb zweier E-Rettungswagen und eines elektrischen Hilfeleistungslöschfahrzeugs, bei der Werkfeuerwehr der Technischen Universität München (TUM) haben derartige Fahrzeuge die Probezeit nach einem Jahr bestanden. Das sind nur zwei Beispiele.

„Die beiden Fahrzeuge sind zuverlässig, den erheblichen Anforderungen voll gewachsen und bei den Einsatzkräften – trotz anfänglicher Skepsis – mittlerweile sehr beliebt“, teilt die TUM mit. Das bezieht sich nicht nur auf die Fahrt zur Einsatzstelle: „Dieselabgase aus dem stehenden Fahrzeug gehören in über 97 Prozent der Einsätze der Vergangenheit an“, so die TUM. „Die meisten Aggregate und Werkzeuge an Bord laufen lokal emissionsfrei mit Strom aus der Fahrzeugbatterie. Nur bei langwierigen Löscheinsätzen über einer halben Stunde muss der Range Extender zur Unterstützung der leistungsstarken Wasserpumpe gestartet werden.“

Klar ist auch: Als mobile Stromquelle können batterie-elektrische Fahrzeuge und Maschinen völlig neue Spielräume eröffnen – etwa dort, wo es potenziell kein Netz gibt (Notstrom, Energieversorgung für Events), Motorenlärm besonders stört (Film-, TV-Produktionen, Zoos) oder wo Abgase tunlichst zu vermeiden sind (Arbeit unter Tage oder in Innenstädten, speziell bei Hitzewellen). Benedikt Brüne

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