Mobility-StudieElektroautos beliebter als Verbrenner

Straße in Leipzig, von großen Bäumen gesäumt, mit Straßenbahn, Radfahrern, und Autos
Die Menschen in Deutschland bevorzugen beim Auto den Elektroantrieb, wünschen sich außerdem mehr öffentlichen Nahverkehr und mehr Radwege. (Foto: Benjamin auf Unsplash / Unsplash Lizenz)

Die Hälfte der Bundesbürger würde beim Autokauf ein reines Elektro- oder Hybrid-Auto bevorzugen, nur gut jeder dritte einen Verbrenner. Die Menschen wünschen sich mehr ÖPNV, mehr Radwege, mehr Sicherheit, konstatiert eine Studie des TÜV-Verbandes.

27.08.2026 – Ein breites Angebot an E-Autos, staatliche Förderung und hohe Spritpreise haben Autokäufer zum Umdenken bewegt. Fahrzeuge mit alternativen Antrieben waren Spitzenreiter bei den Neuzulassungen im ersten Halbjahr. In Prozentpunkten gemessen hatten Fahrzeuge mit alternativen Antrieben die Nase vorn: Rein batterieelektrische Pkw hatten einen Anteil von 24,8 Prozent, zusammen mit Plug-In-Hybriden und Brennstoffzellen-Fahrzeugen betrug der Anteil sogar 35,8 Prozent. Der Benziner-Anteil an den Pkw-Zulassungen lag dagegen nur bei 21,9 Prozent, Diesel erreichten einen Anteil von 13 Prozent.

In seiner Mobility-Studie hat der TÜV-Verband mittels einer repräsentativen Umfrage Einstellungen und Wünsche in Bezug auf die Mobilität hinterfragt und auch hier zeigt sich: Die E-Mobilität ist auf der Überholspur.

Jeder vierte Bundesbürger (25 Prozent) würde bei einem Autokauf ein reines Elektroauto bevorzugen, ebenfalls ein Viertel (25 Prozent) ein Hybridfahrzeug und 4 Prozent einen Pkw mit Wasserstoffantrieb. Nur 35 Prozent würden einen Verbrenner vorziehen. Und 11 Prozent sind unentschlossen oder würden gar kein Auto kaufen wollen.

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Busse und Müllwagen, Feuerwehrautos, Traktoren für die Landwirtschaft: Ein Einsatzgebiet nach dem anderen sagt Adieu zum Dieselmotor. In Bremen fährt ein elektrisch angetriebener Transporter sogar im Justizvollzug.

Laut der Umfrage gibt es aber weiterhin Vorbehalte gegenüber batterieelektrischen Fahrzeugen. Nach wie vor sind das die hohen Anschaffungskosten von E-Autos, die 57 Prozent der Befragten nennen, gefolgt von einer zu geringen Reichweite (52 Prozent) und zu wenigen Ladestationen (50 Prozent). Letzteres beklagen überdurchschnittlich viele Bewohner von Großstädten (58 Prozent).

Herausforderungen im Alltag sind für Besitzer von E-Autos unter anderem die deutlich geringeren Reichweiten im Winter (61 Prozent), intransparente Preise an öffentlichen Ladesäulen (49 Prozent) sowie die Vielfalt und Komplexität der Bezahlsysteme (48 Prozent). „Nach dem politischen Hin- und Her der vergangenen Jahre darf das Vertrauen der E-Auto-Käufer nicht wieder enttäuscht werden“, sagt Joachim Bühler, Geschäftsführer des TÜV-Verbands, bei Vorstellung der Studie. „Der Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur muss mit der Marktdynamik bei E-Autos Schritt halten, vor allem in Ballungsräumen. Und der Ladefrust mit fehlenden oder defekten Ladesäulen, intransparenten Preisen und komplexen Bezahlsystemen muss beendet werden.“

Große Mehrheit für stärkere Förderung von ÖPNV und Bahnverkehr

Laut den Ergebnissen der Studie bleibt der Pkw das mit Abstand wichtigste Verkehrsmittel: 83 Prozent der Befragten nutzen regelmäßig ein Auto (mindestens einmal pro Woche). 63 Prozent gehen zu Fuß. Jeder fünfte Befragte (20 Prozent) ist mit einem klassischen Fahrrad unterwegs, 14 Prozent mit einem Elektrorad und 1 Prozent mit dem Lastenrad. Jeder Fünfte (20 Prozent) nutzt regelmäßig den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) und 7 Prozent Regionalbahnen. Motorräder kommen auf 3 Prozent und E-Scooter auf 2 Prozent. Unterschiede gibt es zwischen Stadt und Land: Die regelmäßige Autonutzung ist in Orten mit weniger als 5.000 Einwohnern mit 96 Prozent am höchsten. Sie nimmt mit zunehmender Ortsgröße ab, liegt aber selbst in Metropolen mit mehr als 500.000 Einwohnern noch bei 66 Prozent. Beim Radverkehr unterscheiden sich Stadt und Land ebenfalls: Während klassische Fahrräder in Metropolen dominieren (26 Prozent), sind E-Bikes in kleinen Orten überdurchschnittlich verbreitet (18 Prozent). Ein deutliches Stadt-Land-Gefälle zeigt sich beim ÖPNV: In Orten mit weniger als 100.000 Einwohnern nutzen ihn nur 8 bis 12 Prozent mindestens einmal pro Woche. In Großstädten mit 100.000 bis 500.000 Einwohnern sind es 35 Prozent, in Metropolen 47 Prozent. „Das starke Stadt-Land-Gefälle beim ÖPNV zeigt den enormen Nachholbedarf“, sagt Bühler. „Wer außerhalb einer Großstadt lebt, braucht ein verlässliches öffentliches Verkehrsangebot als echte Alternative zum Auto.“

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Vorbild Paris

Die Mobilitätswende birgt in jeder Stadt individuelle Herausforderungen. Dennoch liefern Paris und auch Oslo wertvolle Impulse für seine Arbeit, sagt der Hamburger Verkehrssenator Anjes Tjarks im Interview.

Dr. Anjes Tjarks ist seit Juni 2020 Hamburger Senator für Verkehr und Mobilitätswende. Er trat 1998 den Grünen (früher GAL) bei und leitete von 2015 bis 2020 deren Bürgerschaftsfraktion in Hamburg.

Dr. Anjes Tjarks, Senator der Hamburger Behörde für Verkehr und Mobilitätswende.

Entsprechend groß ist der Wunsch in der Bevölkerung nach Verbesserungen. Gut drei von vier Bundesbürgern (76 Prozent) fordern, dass die Politik den ÖPNV stärker fördert als bisher. Und 72 Prozent wünschen sich das auch für den Regional- und Fernbahnverkehr. Der Wunsch nach besseren öffentlichen Verkehrsangeboten zeigt sich auch bei der Frage, wie die Mobilität in Städten und Kommunen lebenswerter gestaltet werden kann. 92 Prozent befürworten den Ausbau des ÖPNV in ländlichen Regionen. 83 Prozent sind für den Ausbau sicherer Fahrradwege und Stellplätze und 55 Prozent für zusätzliche Sharing-Angebote für Autos oder Fahrräder.

Einschränkung des Autoverkehrs in Städten bleibt umstritten

Maßnahmen, die den Autoverkehr in der Innenstadt oder dem Zentrum ihrer Gemeinde einschränken, werden überwiegend abgelehnt (54 Prozent), aber 40 Prozent der Befragten befürworten solche Schritte.

Einigkeit herrscht bei der Frage, wie der Autoverkehr in Innenstädten reduziert werden kann: Neun von zehn (91 Prozent) halten den Ausbau des ÖPNV für geeignet, 77 Prozent mehr Park-and-Ride-Flächen am Stadtrand und 69 Prozent die Förderung des Radverkehrs. Höhere und flächendeckende Parkgebühren, City-Maut oder der Rückbau von Parkplätzen werden als weniger geeignet angesehen.

Schlechter Zustand von Straßen und Wegen

Bei der Bewertung der Verkehrsinfrastruktur stellen die Befragten ihren eigenen Wohnorten ein durchwachsenes Zeugnis aus. Zwei von drei (67 Prozent) halten den Zustand von Straßen, Rad- und Gehwegen in ihrem Wohnort für eher schlecht oder sehr schlecht. Jeder Zweite hält die Verfügbarkeit von Radwegen für unzureichend und fast ebenso viele (49 Prozent) die von Pkw-Parkplätzen. 48 Prozent halten die Barrierefreiheit im Verkehrsraum für schlecht und 47 Prozent die Verfügbarkeit des öffentlichen Nahverkehrs. Besonders kritisch sieht eine breite Mehrheit der Befragten, dass die Belange besonders schutzbedürftiger Personengruppen bei der Planung und Gestaltung der Verkehrsinfrastruktur zu wenig Beachtung finden. Der TÜV-Verband erachtet es deshalb als notwendig, die Verkehrssicherheit zum verbindlichen Leitprinzip der Verkehrspolitik zu machen. In der Praxis bedeutet das einen stärkeren Ausbau der Radverkehrsinfrastruktur, die auch von E-Bikes, E-Scootern und Lastenrädern genutzt werden kann, sowie ein möglichst barrierefreier und sicherer Fußverkehr.

Neben der stärkeren Förderung des ÖPNV dürfe die Verkehrspolitik bei der Förderung der Elektromobilität nicht nachlassen. „Der Ausbau des Ladenetzes muss weitergehen und öffentliches Laden muss einfacher, transparenter und verlässlicher werden“, fordert Bühler. pf

Kommentare

Bebronne vor 2 Wochen

Was beim Kauf eines eAutos gerne nicht berücksichtigt wird:

- ggf höhere Versicherungskosten in Tk/Vk

- höherer Reifenverschleiß (10-30%)

- höherer Bremsenverschleiß (was rastet, das rostet)

- höherer Fahrwerksteileverschleiß (Gewicht)

- höherer Straßenverschleiß (3-6fach durch Gewicht)

- höherer Wertverlust

Abgerechnet wird unter dem Schlußstrich!!!

Dr. K. vor 2 Wochen

Da fehlt aber einiges:

- der Bremsenverschleiß ist deutlich geringer wegen Rekuperatuon

- geringere Wartungs- und Instandhaltungskosten wegen weniger beweglicher Teile (z. B. kein Getriebe)

- kein Öl, kein Kühlmittel

- je nach Ladeverhalten und Fahrweise deutlich geringere Kosten wegen höherer Effizienz (90% elektrisch gegenüber 20% fossil)

- kostenlose Parkplätze für E-Fahrzeuge in vielen Gemeinden

- keine Umweltplakette nötig

- deutlich geringere Gesundheitskosten (kein Russ, Keine Stickoxide)

- deutlich geringere Umweltkosten für die Allgemeinheit (d.h. alle Steuerzahler)

- Wertverlust wird sich noch zeigen (habe mein erstes e-Fahrzeug für verkaufen können und mit zunehmender Batteriegröße und Erfahrungswerten wird es keinen Unterschied zum Verbrenner geben), im Gegenteil, ein Verbrenner wird in wenigen Jahren unverkäuflich sein (nicht wegen Regulierung, sondern wegen zu hoher Sprit- und Nebenkosten

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