TempolimitMilliarden weniger Tankkosten durch Tempolimit möglich

Autos in Berlin
Tempolimit! (Bild: Bhavik Nasit / Unsplash+ Lizenz)

Ein Tempolimit in Deutschland könnte für Autofahrende jährlich Milliarden Euro an Tankkosten und Millionen Tonnen CO2 sparen sowie mehr Verkehrssicherheit schaffen. Die Politik setzt vorläufig jedoch weiter auf fossile Rabatte.

15.04.2026 – Ein Tempolimit auf Autobahnen und Landstraßen könnte Autofahrende um bis zu 9,5 Milliarden Euro im Jahr entlasten, zeigen Berechnungen der Umweltorganisation Greenpeace. Die Vorteile eines Tempolimits für Umwelt- und Klimaschutz sowie die Verkehrssicherheit wurden bereits in den vergangenen Jahren wiederholt dokumentiert. Die Bundesregierung lässt diese einfache Entlastungsmaßnahme allerdings weiterhin ungenutzt.

Tempolimit senkt Spritverbrauch

Auf dem Niveau des Spritpreises der ersten Aprilwoche könnten bei Tempolimits von 120 km/h auf Autobahnen und 100 km/h auf Landstraßen rund 4,9 Milliarden Euro eingespart werden. Eine konsequente Begrenzung der Geschwindigkeit auf 100 km/h auf Autobahnen und 80 km/h auf Landstraßen könnte die Autofahrenden jährlich sogar um 9,5 Milliarden Euro an Tankkosten entlasten.

Im Schnitt könnten Haushalte jährlich 189 Euro sparen, wenn auf Autobahnen und Landstraßen in Deutschland eine Höchstgeschwindigkeit von 100 bzw. 80 eingeführt würden. Bei Haushalten mit Dieselfahrzeug liegt das Einsparpotenzial sogar bei 274 Euro. Zusätzlich zu den direkten Einsparungen würden Verbraucher langfristig durch potenziell niedrigere Spritpreise aufgrund sinkender Nachfrage entlastet.

“In der aktuellen Lage muss man nicht lange überlegen. Ein Tempolimit senkt den Spritverbrauch und damit die Tankrechnungen der Menschen um Milliarden. Es macht uns weniger abhängig von unsicheren Ölimporten und bringt den Klimaschutz voran”, sagt Greenpeace-Sprecher Matthias Lambrecht. “Wenn anderswo schon der Sprit knapp wird, kann die Bundesregierung nicht an einem gestrigen Recht auf Rasen festhalten, das Milliarden Liter Sprit verschwendet.”

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Einsparungen von Tonnen CO2 im zweistelligen Millionenbereich

Erstmals hat das Umweltbundesamt berechnet, was ein Tempolimit 100 auf deutschen Autobahnen und Tempo 80 auf Landstraßen bedeuten würde. So weit geht keine Forderung der Parteien, aber auch die CO2-Einsparungen bei Tempo 130 wären enorm.

Emissionen und fossile Abhängigkeit verringern

Der Verkehrssektor hatte zuletzt seine Emissionsziele deutlich verfehlt. Ein Tempolimit könnte auch hier Abhilfe schaffen. Je nach Szenario senkt es den bundesweiten Kraftstoffverbrauch um 2,2 bis 7,6 Prozent – und damit auch die Emissionen. Eine Begrenzung auf 100 km/h auf Autobahnen und 80 km/h außerorts würden laut DUH jährlich etwa 11,7 Millionen Tonnen CO2 einsparen. Damit ließe sich ein wesentlicher Teil der aktuellen Klimalücke schließen – und die Abhängigkeit von Öl-Importen verringern.

“Wir lernen gerade schmerzhaft, was es heißt, von einem Dealer abhängig zu sein”, so Lambrecht. “Wir müssen weg vom Öl. Der Fokus der Bundesregierung sollte jetzt darauf liegen, den Verbrauch schnell zu senken. Ein Tempolimit ist dabei ein leichter erster Schritt.”

Ein breites Bündnis fordert die Mobilitätswende

Anlässlich der Nationalen Verkehrssicherheitskonferenz in Berlin forderte ein breites gesellschaftliches Bündnis aus Umweltverbänden wie Greenpeace, der Verkehrsclub Deutschland (VCD), die Gewerkschaft der Polizei sowie die Verkehrsunfall-Opferhilfe ein Tempolimit in Deutschland. Unabhängige Experten sowie der Deutsche Verkehrssicherheitsrat betonen, dass die Überlebenschancen der Insassen durch ein Tempolimit signifikant erhöht werden.

Die nahezu kostenneutralen und sofort umsetzbaren Maßnahmen einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf das Tempo 100 auf Autobahnen, Tempo 80 auf Landstraßen und Tempo 30 innerorts würden Umwelt- und Personenschutz mit Entlastung in der Energiekrise kombinieren.

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Nahaufnahme eines Autos an einer Tankstelle, in dessen Tankstutzen eine Zapfpistole steckt. Im Hintergrund zeigt eine beleuchtete Preistafel bei Sonnenuntergang die Kraftstoffpreise: Super E10 2,162 €, Super 2,168 € und Diesel 2,149 €.
Entlastungsmaßnahmen der Bundesregierung

Ein Tankrabatt der schon einmal nicht die erhoffte Wirkung zeigte

Und wieder hat eine Bundesregierung einen Tankrabatt beschlossen. Ein solcher zeigte schon 2022 nur begrenzte Wirkung. Weitere Maßnahmen gegen die Energiekrise werden debattiert, fehlen bislang jedoch.

„Das Tempolimit ist eine wirksame Antwort auf die aktuelle Krise und für mehr Sicherheit im Straßenverkehr. Die Argumente für ein Tempolimit sind glasklar: Weniger Kraftstoffverbrauch und weniger schwere Unfälle“, kommentiert Tina Löffelsend, Abteilungsleiterin Klimaschutz beim BUND. „Ein generelles Tempolimit auf Autobahnen sowie niedrigere Höchstgeschwindigkeiten im übrigen Straßennetz sind überfällig, einfach umzusetzen und von einer Mehrheit der Bevölkerung gewollt. Die Fakten sprechen eine deutliche Sprache – jetzt braucht es den politischen Willen, Energie und Kosten zu sparen.“

Fossile Versicherung statt Klimawende

Diesen Willen hat die Bundesregierung zuletzt erneut vermissen lassen. Anfang der Woche wurde stattdessen nach langen Diskussionen eine zweimonatige Senkung der Mineralölsteuer um 17 Cent pro Liter für Benzin und Diesel beschlossen, um Bürger angesichts der hohen Energiepreise zu entlasten. Ob der Rabatt bei den Bürgern ankommt, bleibt anzuzweifeln. Greenpeace sowie andere Verbände forderten zuletzt eine Übergewinnsteuer für fossile Konzerne, da Spritpreise auch vor dem Hintergrund des Iran-Kriegs unverhältnismäßig stark angestiegen waren.

Die strukturellen Probleme der fossilen Abhängigkeit und hoher Emissionen bleiben damit nicht nur unbeantwortet, sondern werden sogar noch verstärkt: Maßnahmen wie der Tankrabatt führen zu mehr Konsum, da der Sparanreiz schwindet, bestätigt eine Analyse des Kopernikus-Projekts Ariadne. Breite Entlastungen, wie sie bereits während der Energiekrise 2022/2023 stattfanden, wirken wie eine implizite Versicherung gegen fossile Preisrisiken. So wird zwar kurzfristig der finanzielle Druck gedämpft, aber langfristig die ökonomischen Anreize für den Umstieg auf klimafreundliche Technologien untergraben und die Abhängigkeit von fossilen Importen zementiert. Julia Broich

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