Ladehubs: Neue Ökonomie für elektrische Fahrzeugflotten

Auf dem Intersolar Forum vorgestellte Projekte zeigen, wie das Zusammenspiel von PV, Batteriespeicher, Ladeinfrastruktur, Energiemanagement-Software und Marktintegration E-Lkw- und Busdepots zu ertragsstarken Vermögenswerten macht.
03.07.2026 – Depots für Nutzfahrzeuge entwickeln sich still und leise zu einem der interessantesten Anwendungsfelder für Photovoltaik, Batteriespeichersysteme (BESS), Ladeinfrastruktur und Energiemanagement-Software (EMS). Beispiele aus einer gut besuchten Session des Intersolar Europe Forum in München in der vergangenen Woche zeigen, wie Ladeinfrastruktur, Eigenverbrauch, Speicher und die dynamische Teilnahme am Strommarkt zu einem Geschäftsmodell für Logistikunternehmen zusammenwachsen.
Die grundlegende Herausforderung ist branchenweit dieselbe. Schwere Elektro-Lkw und -Busse benötigen erhebliche Ladeleistungen, die häufig deutlich über der an den Depotstandorten verfügbaren Netzkapazität liegen. Die Betreiber sehen sich mit steigenden Strompreisen, sich verschärfenden Anforderungen an Zero Emission Zones zwischen 2025 und 2030 sowie der Notwendigkeit konfrontiert, Investitionen zukunftssicher zu gestalten, ohne jahrelang auf den Netzausbau warten zu müssen. Die Kombination von solarem Eigenverbrauch, Speicher und intelligenter Steuerung haben sich als praktikable Antwort etabliert.
Integrierter Ladehub in Schiphol
Am Flughafen Schiphol bei Amsterdam hat Sungrow gemeinsam mit dem Ladepunktbetreiber Schouten Energy einen integrierten Ladehub für das Logistikunternehmen R. Nagel B.V. realisiert. Der Standort bietet eine Ladeleistung von 900 Kilowatt (kW) für das gleichzeitige Laden von acht schweren Lkw und kombiniert einen IDC480E und zwei IDC180E-DC-Ladegeräte mit sechs PowerStack-Batterieeinheiten sowie PV-Dachanlage mit einer Leistung von 257,58 kW.
Lance Hong, Key Account Manager EV Charging bei Sungrow, berichtete von einer Inbetriebnahme innerhalb von drei Tagen sowie einer internen Verzinsung von 24,86 Prozent bei einer Amortisationszeit von etwas mehr als vier Jahren. Die jährlich geladene Energiemenge erreicht 214,8 Megawattstunden (MWh), unterstützt durch einen Batteriedurchsatz von 299,2 MWh. Das Erlösmodell kombiniert PV-Eigenverbrauch, Lastverschiebung, die Teilnahme an Ausgleichs- und Regelenergiemarkt sowie niederländische Steueranreize einschließlich der Energie-Investitionszulage (Energy Investment Allowance).
Zwei Depots für je 200 Elektrobusse
Der niederländische Anbieter iwell, 2016 gegründet und heute in den Niederlanden, Deutschland, Großbritannien und in Belgien tätig, hat seine Kombination aus 3 MW/6,45 MWh BESS, einer 2,2 Megawatt PV-Dachanlage und EMS an zwei Depots von Egged Bus Systems (EBS) im Raum Amsterdam installiert, an denen jeweils 200 Elektrobusse geladen werden. Die Standorte werden mit nicht-festen Netzanschlüssen betrieben, mit Zeiten ohne jeglichen Strombezug aus dem Netz an Wintertagen und dynamische Ladegrenzen hinter jedem Transformator.
Laut Michael Auf dem Berge, Leiter der Sparte Commercial, Community and Industrial Energy Solutions bei iwell, übernimmt das EMS eine mehrstufige Lastspitzenkappung, steuert dynamische Grenzwerte hinter jedem Transformator und überbrückt Phasen geringer Netzleistung durch optimierte Ladepläne.
Preisvolatilität in Marge verwandeln
Das Münchner Unternehmen coneva geht dieselbe Herausforderung von der Marktseite her an. CEO Frank Blessing betonte, dass Strom im Depotbetrieb für E-LKWs der mit Abstand größte Kostenblock sei. Die Strompreise an der EPEX-Spotbörse ändern sich alle 15 Minuten, also 96-mal am Tag. Diese ständigen Preisschwankungen, so Blessing, seien für Depotbetreiber weniger ein Risiko als vielmehr eine Chance, gezielt dann Strom zu beziehen, wenn er günstig ist.
Über seine Flex-Plattform kombiniert coneva Lastverschiebung, Batterieeinsatz und den Handel am Strommarkt. Lange Standzeiten ermöglichen das Laden der Elektro-Trucks über Nacht zu günstigen Preisen, während kürzere Standzeiten durch die BESS-Kapazität überbrückt werden. Ungenutzte Speicherkapazität kann durch Marktteilnahme zusätzliche Erlöse generieren.
Durch die Kombination aus PV-Eigenverbrauch, Stromhandel und Lastmanagement nach §19 StromNEV beziffert Blessing die gesamten Stromkostensenkungen auf über 50 Prozent, von 23 Cent/kWh auf 10 Cent/kWh. Das Unternehmen, in 17 Ländern mit mehr als 6.000 verwalteten Ladepunkten aktiv, positioniert sich als Energieversorger, Direktvermarkter und Technologieanbieter.
Neues Geschäftsmodell gewinnt Kontur
Zusammengenommen zeichnen die auf dem Intersolar Forum vorgestellten Projekte das Bild eines Geschäftsmodells, das zunehmend Kontur gewinnt: Die Elektrifizierung von Depots ist längst nicht mehr eine lästige Netzrestriktion, mit der sich Betreiber arrangieren müssen, sondern ein integriertes Energiegeschäft mit erheblichem Optimierungspotenzial. Hans-Christoph Neidlein




















































