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VerkehrswendeNeuzulassungen von E-Autos steigen rasant

Elektroauto beim Ladevorgang
In Deutschland sind die Neuzulassungen von Elektroautos 2020 stark gestiegen. (Foto: CHUTTERSNAP on Unsplash)

Die Verkaufszahlen von Elektroautos haben sich 2020 hierzulande fast vervierfacht. Damit hat Deutschland sogar die USA abgehängt und ist weltweit auf Platz zwei der Neuzulassungen vorgeprescht. Für die Klimaziele reicht das trotzdem nicht.

10.03.2021 – Die Verkehrswende nimmt Fahrt auf: Mit fast 395.000 neu angemeldeten Elektroautos haben die Neuzulassungen in Deutschland im vergangenen Jahr ein Rekordhoch erreicht. Die Wachstumsrate betrug 264 Prozent und war die höchste im internationalen Vergleich. Damit ist die Bundesrepublik auf den zweiten Platz der weltweiten Neuzulassungen gelandet. Das geht aus Daten des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) hervor. Überholt hat die Bundesrepublik sogar die USA, die ähnlich wie im Vorjahr etwas über 322.000 Neuzulassungen verzeichneten.

Weltweit ist der Bestand an Elektroautos auf stolze 10,9 Millionen gestiegen – ein Plus von fast 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bei den Neuzulassungen in absoluten Zahlen ist China derzeit noch immer uneinholbar – im vergangenen Jahr waren es mit über 1,2 Millionen Fahrzeugen fast genauso viel wie im Spitzenjahr 2018. Nach den USA folgen Frankreich mit 194.700 Zulassungen und das Vereinigte Königreich mit 175.100.

Insgesamt lief die positive Entwicklung der Neuzulassungen von E-Autos deutlich gegen den Trend des Gesamtmarktes, der aufgrund der Corona-Krise einen spürbaren Rückgang verzeichnete.

Der E-Fahrzeugmarkt entwickelt sich in vielen Ländern sehr vielversprechend„Der E-Fahrzeugmarkt entwickelt sich in vielen Ländern sehr vielversprechend, insbesondere in der Europäischen Union“, sagt ZSW-Vorstand Frithjof Staiß. „Der positive Trend ist jedoch auch auf höhere Fördersätze für Elektrofahrzeuge im Rahmen von Corona-Konjunkturpaketen und zusätzliche Maßnahmen wie die abgesenkte Mehrwertsteuer in Deutschland zurückzuführen.“

Deshalb bräuchte es jetzt eine Überführung der Förderimpulse in ein marktgetriebenes Wachstum, damit das Ziel der Bundesregierung von sieben bis zehn Millionen E-Autos bis 2030 erreicht werden kann. Aktuell sind in der Bundesrepublik knapp 570.000 Stromer zugelassen. Trotz der guten Zahlen des letzten Jahres müssten die jährlichen Neuzulassungen in der nächsten Dekade trotzdem mindestens verdoppelt werden, fordert das ZSW.

Der Anteil der Elektroautos an den gesamten Pkw-Neuzulassungen war in Norwegen mit 62,4 Prozent erneut am höchsten. In Deutschland verdreifachte sich der Wert zwar im Vergleich zum Jahr 2019, lag jedoch trotzdem nur bei knapp elf Prozent. In China lag der Anteil sogar nur bei sechs Prozent, in den USA bei zwei.

E-Aufholjagd der deutschen Autobauer

Die deutsche Autoindustrie macht indes Hoffnung. Nachdem die Autobauer lange am Verbrenner als Kerngeschäft festhielten und sich mit dem Abgasskandal herumschlugen, ist inzwischen Bewegung in die Sache gekommen. So kündigte beispielsweise Volkswagen an, das Tempo der Elektrifizierung seiner Kernmarke VW bis 2030 zu verdoppeln. Dann sollen bereits 70 Prozent aller in Europa verkauften Fahrzeuge elektrisch angetrieben werden – und nicht mehr nur 35 Prozent, wie der Konzern vorher als Ziel festgelegt hatte.

Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Zahlen des ZSW wider. Erstmals befinden sich drei deutsche Hersteller auf den ersten sechs Plätzen der weltweiten Neuzulassungen: Tesla führt mit fast 500.000 Fahrzeugen zwar noch immer die Liste an, VW ist dem US-amerikanischen E-Autobauer jedoch dicht auf den Fersen. Mit über 420.000 Neuzulassungen konnte der Wolfsburger Konzern seine Zahlen des Vorjahres mehr als vervierfachen. BMW landete auf dem vierten Platz und Daimler noch vor Hyundai auf dem sechsten.

„Die erfolgreiche Aufholjagd der deutschen Hersteller bei den neu zugelassenen Elektroautos zeigt, dass sie auf dem richtigen Weg sind“, sagt Markus Hölzle, ZSW-Vorstandsmitglied und Leiter des Geschäftsbereichs Elektrochemische Energietechnologien. „Trotzdem bedarf es noch stärkerer Anstrengungen der heimischen Automobilindustrie, um langfristig mit der Weltspitze mithalten zu können.“

Recycling von Batteriezellen wird immer wichtiger

Zukünftig werde das Recycling von Batteriezellen immer wichtiger, so Hölzle. „Die Wiederverwendung von Metallen wie Kobalt oder Lithium, aber auch von Graphit aus Batterien ist wichtig für die Nachhaltigkeit der Produktionsprozesse und bietet zudem einen verbilligten Zugang zu diesen Rohstoffen.“ Deshalb sei es wichtig, dass Forschung und Industrie zukünftig stärker zusammenarbeiten.

Erfasst hat das ZSW für seine Auswertung neben komplett elektrisch betriebenen Pkw und leichten Nutzfahrzeuge auch Range Extender sowie Plug-In-Hybride. Nicht berücksichtigt wurden dagegen sogenannte Voll-Hybridfahrzeuge, die nur sehr kurze Distanzen elektrisch fahren und nicht extern aufgeladen werden können. Die Forscher haben unter anderem Daten des Kraftfahrtbundesamts sowie von internationalen Behörden und Verbänden genutzt. jk


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Bernd Schott 11.03.2021, 08:26:14

+633 Gut Antworten

Das Zitat "Erfasst hat das ZSW für seine Auswertung neben komplett elektrisch betriebenen Pkw und leichten Nutzfahrzeuge auch Range Extender sowie Plug-In-Hybride." am Ende zeigt, dass diese "Erfolgsmeldung" einen bitteren Beigeschmack hat. Selbst die EU geht inzwischen davon aus, dass Plug-In-Hybride eigentlich stink-normale Verbrenner sind und deshalb keinen Beitrag zum Klimaschutz oder Erdölsparen sind. Aber die meisten Subventionen fließen in diese (gerne übergroßen) Pseudo-E-Autos. Dank guter Kontakte zur CSU/CDU.

Karl Konieczny 11.03.2021, 09:41:05

+630 Gut Antworten

Bezüglch der Plug-In-Hybride ist es m.E. wie mit einem Glas Wasser. Für die einen ist es halb voll, für die anderen ist es halb leer. Ich selbst bin begeisterter Fahrer eines MB E300 Hybrid-Autos und tanke, wann immer es geht, Strom. Das Problem sind die fehlenden Ladestationen. Trotzdem ist es mir möglich, in der Stadt mit einer Batteriereichweite von ca. 35 km fast immer rein elektrisch zu fahren. Und darüber hinaus muss auch die Rekuperation beachtet werden, die immerhin ca. 10-15% zur Rechwetenexpanson beiträgt. Und natürlich sind die Hybrids stinknormale Verbrenner, gerade wenn es auf Strecke geht. Aber ehrlich, ich möchte mich in kein Auto setzten, wo ich weiß, das ich nach 200-0der 300 Km wieder verzweifelt eine Ladesäule suchen muss, die ggf besetzt, kaputt und dann noch obendrein zu teuer ist, wo ich eine Stunde auf das aufladen warten muss. Es ist doch alles ein Anfang und einen Elefanten erschlägt man nicht mit einem Schlag...

Christian Engmann 11.03.2021, 13:56:04

+614 Gut Antworten

...und mal so ganz nebenbei. Ionity als großer Ladesäulenbetreiber hat im Januar den Preis pro geladener KWH auf 1,09€ verteuert. Wenn dann so ein 80kwh Batterievehikel vollladen muss, und dann vielleicht nur 300 km weit kommt, dann wird es richtig teuer im Vergleich zu modernen und sparsamen Verbrennern. Welch eine Vo0lksverdummung. Und eine weitere interessante Frage, was für Strom kommt denn aus der Ladesäule bei dem steigenden Energiebedarf?? Vielleicht ein anderer als der von einer Windmühle oder Solaranlage? Wo werden denn diese Akkus mal entsorgt vor dem Hintergrund der katastrophalen Umweltbilanz bei der Herstellung?? Und was ist eigentlich so ein Batterieauto nach z.B. 4 Jahren noch wert? Die Wasserstofftechnik holt heftig auf, sodass ausser der marktverzerrenden Förderung bald keiner mehr solche Fortbewegungsmittel will. Ständig hat man bei diesem Thema die Bilder von Kindern vor Augen, die ohne jedweden Schutz in den Kobaltminen unter schlimmsten Strapazen arbeiten mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von ca. 30 Jahren. Diese scheinheilige Art ist doch mittlerweile kaum noch auszuhalten.

Stefan 13.03.2021, 22:15:55

+610 Gut Antworten

Die Sache mit den eAutos kann nur ein Zwischenschritt sein. Wir müssen uns insgesamt viel stärker vom motorisierten Individualverkehr verabschieden. Bis dahin ist das eAuto aber die beste Alternative. Für Wasserstoffantriebe brauchen wir jedoch mehr als doppelt so viel Strom als bei E-Antrieben. Wer für Wasserstoffautos ist, will also auch doppelt so viele Windräder und Solarparks in der Landschaft. Das vergessen nur leider meist die Wasserstoff-Fans.


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