Flugverkehr: Warum Kondensstreifen aufs Klima wirken und wie sie vermieden werden können

Neben den CO2-Emissionen durch den Ausstoß von Kerosin selbst, sorgen auch die durch den Flugverkehr verursachten Kondensstreifen für eine klimaschädliche Wirkung. Wie dem entgegengewirkt werden kann, zeigt ein neuer Bericht.
23.09.2026 – Kondensstreifen sind sichtbare Eiswolken. In der normalen Reiseflughöhe von Flugzeugen herrschen häufig Temperaturen von Minus 40 Grad. Die heißen und feuchten Abgase der Flugzeuge mischen sich dort mit der extrem kalten Umgebungsluft. Die Luft kann kurzzeitig mit Wasserdampf übersättigt werden. Wasser kondensiert an Partikeln, die Tröpfchen gefrieren fast unmittelbar, und es entstehen viele winzige Eiskristalle: die sichtbaren Kondensstreifen.
Ob diese nach Sekunden bis Minuten verschwinden oder stundenlang bestehen bleiben, hängt vor allem von der Feuchtigkeit in der Reiseflughöhe von 8 bis 13 Kilometern, in der sogenannten Troposphäre, ab. Ist die Luft dort trocken, lösen sich die Eiskristalle rasch wieder auf. Ist die Luft dagegen sehr feucht und mit Wasserdampf übersättigt, werden die Eiskristalle größer. Die Kondensstreifen wachsen, werden vom Wind auseinandergezogen und sehen schließlich wie eine natürliche Zirruswolke aus.
Zwar können die so entstehenden Wolken einerseits Sonnenstrahlung zurück ins All reflektieren und somit kühlend wirken, andererseits absorbieren und reflektieren die Eiskristalle einen Teil der langwelligen Wärmestrahlung, die von Erde und Richtung Weltraum abgegeben wird. Dadurch verbleibt mehr Energie in der Atmosphäre und das Klima erwärmt sich. Wie stark die Effekte sind, wird weiter erforscht. Ersten Studien zufolge aber überwiegt der wärmende Effekt auf die Erde.
Erhebliche Einsparungen sind möglich
Diese Studien sind auch Ausgangslage für eine neue Analyse der Firma Klima Consulting, im Auftrag der NGO Transport & Environment (T&E). Verfasst vom ehemaligen IPCC-Wissenschaftler Olivier Boucher zeigt der Bericht, dass der Beitrag des Luftverkehrs zur Erderwärmung von 0,08 Grad Celsius im Jahr 2040 auf 2050 verschoben werden könnte. Die Analyse zeigt weiter, dass sich die Erde bis 2050 um rund 0,025 Grad Celsius weniger erwärmen würde, wenn ab 2030 die Hälfte aller Kondensstreifen vermieden würde. Bis 2070 läge der Effekt bei 0,049 Celsius.
Das klingt erst einmal nicht viel, Sollte das Wachstum der Luftfahrt aber ungehindert anhalten, könnte sich ihr weltweiter Energieverbrauch bis 2050 im Vergleich zu 2019 mehr als verdoppeln, so T&E zur Veröffentlichung des Berichts. Eine Halbierung der Klimaeffekte von Kondensstreifen könnte, ausgehend vom aktuellen Flugverkehr, zwischen 7 und 23 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen des Luftverkehrs im Jahr 2025 einsparen. Dies entspricht den jährlichen Emissionen von 15 bis 50 Millionen benzinbetriebenen Pkw.
„Kondensstreifen vermeiden ist eine einfache Klimamaßnahme mit großer Wirkung. Wir haben jetzt die einmalige Gelegenheit, diese Beschleuniger des Klimawandels in den Griff zu bekommen“, sagt Anna Comino, Senior Managerin Luftverkehr, Kraftstoffe & Emissionshandel bei T&E Deutschland. „Schon die Umleitung oder Umplanung von nur wenigen Flügen könnte die klimaschädlichen Auswirkungen der Luftfahrt auf die Erderwärmung um zehn Jahre verzögern.“
So könnten Einsparungen erreicht werden
Forschungen zu Folge waren 2019 nur 3 Prozent aller Flüge für 80 Prozent der durch Kondensstreifen verursachten Erwärmung verantwortlich, wobei Flüge mit den größten Auswirkungen meist nachts und im Winter stattfanden. Denn nachts entfällt der kühlende Effekt durch reflektierende Sonneneinstrahlung. Zudem bleiben im Winter Eiskristalle in der Troposphäre länger bestehen und wachsen, weil die Luft nicht nur kälter, sondern auch feuchter ist.
Dem Bericht zufolge sollten Fluggesellschaften in ihrer Planung darauf hinwirken, Regionen mit sehr kalter, eisübersättigter Luft zu meiden und diese gezielt zu umfliegen. Häufig reiche dafür eine Änderung der Flughöhe um wenige Kilometer, in anderen Fällen sei eine seitliche Umleitung sinnvoll. Jährlich müssten dabei nur wenige Flüge umgeleitet werden. Dafür bräuchte es aber auch bessere meteorologische Daten, um die tatsächlichen Luftverhältnisse in der Troposphäre punktgenau bestimmen zu können.
Eine zweite Strategie setzt dem Bericht zufolge nicht an der Route, sondern an der Entstehung der Eiskristalle an. Eine andere und geringere Zusammensetzung des Ausstoßes der Flugzeuge kann zu einer geringeren Bildung von Eiskristallen sorgen. Olivier Boucher verweist u.a. auf Flugversuche mit einem Airbus A350. Ein 100-prozentiger HEFA-SAF Kraftstoff erzeugte gegenüber konventionellem Kerosin 56 Prozent weniger Eiskristalle pro verbrannter Kraftstoffmasse. Bei HEFA-SAF handelt es sich um Flugkraftstoff, der aus Fetten und Ölen besteht, mit Wasserstoff behandelt und chemisch so umgewandelt wird, dass Kohlenwasserstoffe entstehen, die Kerosin ähneln.
Die EU-Kommission hat bereits vorgeschlagen, dass Fluggesellschaften kostenlose ETS-Zertifikate erhalten, wenn sie Kondensstreifen vermeiden. T&E fordert vom EU-Parlament diesen Vorschlag zu unterstützen. Zudem empfiehlt die NGO in der Europäischen Union, das Monitoring für Nicht-CO2-Emissionen auszuweiten, um wissenschaftliche Erkenntnisse über Nicht-CO2-Emissionen weiter zu verbessern. mg























































