Elektroauto-Boom: Wie ostafrikanische Staaten das Verbrenner Zeitalter hinter sich lassen

Wenn politische Rahmenbedingungen, wirtschaftliche Entwicklung und Ressourcenausstattung zusammentreffen, dann kann großes entstehen. Das zeigen aktuell mehrere ostafrikanische Länder bei der Elektromobilität.
05.12.2025 – Politische Machthaber auf dem afrikanischen Kontinent erkennen offensichtlich das riesige Potenzial der Elektromobilität. Sechs Länder Afrikas haben bereits konkrete politische Rahmenbedingungen zur Förderung der Elektromobilität geschaffen, weitere 15 sind dabei entsprechende Regularien zu erarbeiten und implementieren.
Drei der Sechs mit konkreten Rahmenbedingungen liegen in Ostafrika: Äthiopien, Uganda und Ruanda. Diese drei Staaten sowie die ebenfalls bei der Elektromobilität auf dem Vormarsch befindlichen Nachbarländer, Kenia und Tansania, hat sich der Berliner Think Tank Agora Verkehrswende einmal genauer angeschaut.
Äthiopien
Besonders rasant ist die jüngste Entwicklung in Äthiopien. Von rund 1,2 Millionen Fahrzeugen – Pkws, Bussen und Motorrädern – sind aktuell rund 115.000 Fahrzeuge elektrisch unterwegs. Also etwas weniger als 10 Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland (offizielle Zahlen sind nur für den Pkw-Markt verfügbar) lag der Anteil Anfang 2025 bei 3,3 Prozent, oder 1,65 Millionen E-Autos, bei insgesamt 49,3 Millionen Pkws auf deutschen Straßen. Ein Jahr zuvor lag der Anteil noch bei 2,9 Prozent.
Ganz anders die jüngste Entwicklung in Äthiopien: So machten in Äthiopien im Jahr 2024 E-Fahrzeuge 60 Prozent der Neuzulassungen aus. Das lag vor allem daran, dass der Staat im selben Jahr den Import von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor verboten hatte. Bereits 2011 hatte die Regierung eine Strategie für eine „klimaresiliente grüne Wirtschaft“ verabschiedet, inklusive Fördermaßnahmen für die Elektromobilität.
Der Aufwuchs der Elektromobilität geht einer mit der Zunahme an Fahrzeugen insgesamt. War Äthiopien mit zwei Fahrzeugen pro 1.000 Einwohner, vor einem Jahrzehnt noch das Land mit der weltweit geringsten Rate, ist der Anteil inzwischen auf 14 Fahrzeuge pro 1.000 Einwohner gestiegen. In Afrika insgesamt liegt der Anteil bei 30 Fahrzeugen und in Deutschland bei 590 pro 1.000 Einwohner (hier wieder nur Pkws).
Uganda
Während in Äthiopien der E-Mobilitätsmarkt schon ordentlich Schwung hat, steht Uganda noch in den Startlöchern. In Uganda sind aktuell von rund 2,3 Millionen motorisierten Fahrzeugen gerade einmal knapp 6.000 elektrisch. Die Angaben sind dabei, wie in allen untersuchten afrikanischen Ländern mit großen Unsicherheiten behaftet.
Aber die Regierung hat ambitionierte Ziele gesetzt: 2030 soll ein Anteil von 30 Prozent E-Fahrzeugen bei Neuzulassungen erreicht werden, ab 2040 dürfen nur noch emissionsfreie Fahrzeuge zugelassen werden. Dafür hat die Regierung unter anderem steuerliche Fördermaßnahmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette von E-Fahrzeugen eingeführt. Das Land hat sich zudem als Lieferant von Elektrobussen in der Region positioniert.
Noch aber dominieren, oftmals importierte, Fahrzeuge mit Verbrenner unter anderem aus Europa das Straßenbild. Wie in den meisten Ländern Afrikas beherrscht noch der Import-Markt mit rund 80 bis 90 Prozent der Fahrzeuge. Auch Ladeinfrastruktur, Batterierecycling und technische Wartungen von E-Fahrzeugen stellen weiterhin Hürden dar.
Ruanda
Das motorisierte Fahrzeugaufkommen in Ruanda ist insgesamt klein. Es gibt rund 300.000 Fahrzeuge insgesamt, wovon rund 5.000 elektrisch sind – hier vor allem E-Motorräder. seit 2025 werden in der Hauptstadt Kigali keine Motorräder mit Verbrennungsmotor mehr für gewerbliche Zwecke zugelassen.
Insbesondere in Kigali ist es das Ziel Ruandas bis 2035 ein ausreichendes Netz an Ladestationen für E-Motorräder zu installieren. Bis 2035 sollen dann 70 Prozent aller E-Motorräder in Ruanda elektrisch sein. Die Busflotte soll bis 2030 zu 20 Prozent elektrisch sein.
Kenia
In Kenia nimmt die Elektromobilität auch ohne politische Vorgaben fahrt auf. Während Regularien in Erarbeitung sind, hat sich die Gesamtzahl der E-Fahrzeuge – hauptsächlich Pedelecs und Motorräder – seit 2023 mehr als verdoppelt auf rund 9.000 E-Fahrzeuge, unter anderem durch den verstärkten Ausbau der Ladeinfrastruktur und Batteriewechselstationen.
In dem wirtschaftlich stark wachsenden Land etabliert sich zunehmend eine Mittelschicht, die auf grüne Technologien setzt und Innovationen vorantreibt. Bei insgesamt fast 5 Millionen motorisierten Fahrzeugen ist es aber auch für Kenia noch ein weiter Weg. Von der Regierung geplant sind steigende Vorgaben für die Neuzulassung von E-Fahrzeugen bis zu einem Anteil von 100 Prozent spätestens 2050.
Tansania
In Tansania sind von rund 1,5 Millionen motorisierten Fahrzeugen aktuell rund 5.000 elektrisch. Aber auch hier etablieren sich – noch ohne politische Vorgaben – zunehmend Werkstätten und Produktionsstätten für elektrisch betriebene Fahrzeuge. Politische Rahmenbedingungen werden aktuell entwickelt.
Rohstoffe und Erneuerbare Energien
Vor allem bei den Rohstoffen für die Elektromobilität hat Tansania großes Entwicklungspotenzial. Das Land verfügt über eines der weltweit größten Graphitvorkommen. Auch Lithium und Kobalt sind reichlich vorhanden, ebenso in Ruanda. In Äthiopien, Kenia und Uganda werden ebenfalls Vorkommen von relevanten Metallen und Seltenen Erden vermutet. Die Exploration steht noch am Anfang.
Auch beim Speisen der E-Fahrzeuge mit grünem Strom, bestehen in den Ländern Ostafrikas beste Voraussetzungen. Der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung liegt in Uganda und Ruanda bereits bei über 50 Prozent. In Kenia beträgt der Anteil fast 90 Prozent und in Äthiopien wird Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien gewonnen, bislang hauptsächlich aus Wasserkraft.
Johannes Oetjen, Referent für internationale Klima- und Verkehrspolitik bei Agora Verkehrswende, sagt: „Afrika hat beste Voraussetzungen dafür, das Zeitalter des Verbrennungsmotors zu überspringen, wenn in den nächsten Jahren die Mobilität und die Motorisierung wie erwartet zunehmen. Der Kontinent verfügt über enorme Potenziale für die Herstellung von Strom aus Sonne und Wind sowie über strategisch wichtige Rohstoffe für die neuen Wertschöpfungsketten der Elektromobilität. Diese Potenziale gilt es zu nutzen.“
Die Europäische Union könne dabei einen wichtigen Beitrag leisten, so Oetjen. Partnerschaften mit Afrika, die die lokale Wertschöpfung stärken, würden auch die Transformation in Europa erleichtern – zum Beispiel, weil sie Europa dabei helfen, seine Abhängigkeit von China bezüglich kritischer Rohstoffe für die Batteriezellfertigung zu verringern.
Naville Geiriseb, Projektleiter für internationale Zusammenarbeit mit Schwerpunkt Afrika bei Agora Verkehrswende, sagt: „Viele afrikanische Länder begreifen die weltweite Dynamik hin zur Elektromobilität als Chance für ihre wirtschaftliche Entwicklung. Mit der Förderung der Elektromobilität bauen sie eigene Wertschöpfungsketten auf und schaffen attraktive Arbeitsplätze für die junge und wachsende Bevölkerung. Außerdem machen sie sich damit unabhängiger von teuren Ölimporten.“ mg




















































