Entlastung bei Netzentgelten: 6,5 Milliarden Euro aus dem KTF für Übertragungsnetzkosten

Die Bundesregierung plant einen Zuschuss in Höhe von 6,5 Milliarden Euro zur Finanzierung der Übertragungsnetzkosten. Das Geld soll aus dem KTF kommen und die Netzentgelte um etwa zwei Cent senken. Nicht alle Stromkunden profitieren gleichermaßen.
26.08.2025 – Das Bundeswirtschaftsministerium hat einen Referentenentwurf zum geplanten Zuschuss des Bundes zu den Übertragungsnetzentgelten vorgestellt. Die Frist zur Stellungnahme war sehr kurz, sie betrug nur einen Arbeitstag.
Der Referentenentwurf spricht zunächst nur von einem Zuschuss zu den Übertragungsnetzkosten für das Jahr 2026, der aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF) finanziert werden soll. Auch in den folgenden Jahren soll es aber eine Entlastung mit einem Volumen von 6,5 Milliarden Euro im KTF für die Stromkunden geben, berichtet der energiepolitische Informationsdienst. Dies solle über die Netzentgelte erfolgen und möglicherweise auch anteilig über andere Umlagen, die ebenfalls die Strompreise senken würden.
Der energiepolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Andreas Lenz, sagte im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF, die Netzentgelte würden durch den Zuschuss um etwa zwei Cent reduziert werden. Die Entlastung wirke sich aber je nach Stromverbrauch und Preis unterschiedlich aus.
Grundsätzlich gut, jedoch Kritik an ungerechter Verteilungswirkung
Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft BDEW unterstützt den Vorschlag. Mit dem Zuschuss zu den Übertragungsnetzentgelten werden demnach nicht nur Verbraucher auf der Ebene der Übertragungsnetze, sondern alle stromverbrauchenden Netznutzer auch in nachgelagerten Netzen wirksam entlastet. Allerdings sollten die politischen Entscheidungsträger klar kommunizieren, dass die Entlastung bei den Kundinnen und Kunden unterschiedlich ankommen wird.
Auch der Verband kommunaler Unternehmen VKU weist darauf hin, dass mit dieser Maßnahme eine Entlastung für alle nicht erreicht werde. Von dem Zuschuss zu den Übertragungsnetzkosten würden vor allem stromintensive Industriebetriebe profitieren. Mittelständische Unternehmen und private Haushalte würden in vielen Regionen leer auszugehen, wie VKU-Geschäftsführer Ingbert Liebing erklärt. „Damit eine spürbare und nachhaltige Kostenentlastung auch bei Mittelstand und Privathaushalten ankommt, sollten auch Bundeszuschüsse für die sogenannten netzbezogenen Umlagen, die bundesweit einheitlich erhoben werden, einbezogen werden“, fordert Liebing. Konkret schlägt der VKU vor, dass die Hälfte des 6,5 Milliarden Euro-Zuschusses in netzbezogene Umlagen fließen solle, zum Beispiel in die Offshore-Netzumlage. Die hälftige Aufteilung sorge für eine gerechtere Entlastung und sei schnell und einfach umsetzbar.
Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbands, kritisiert, dass sich die Bundesregierung bei ihren Entlastungsplänen weiter zu einseitig auf die Wirtschaft fokussiert. „Die Industrie wird von den geplanten Netzkosten-Zuschüssen mehr profitieren als Verbraucherinnen und Verbraucher. Je nach Region werden Stromkosten-Entlastungen bei einigen Verbraucherinnen und Verbrauchern voraussichtlich kaum ankommen. Die Bundesregierung muss ihrem Versprechen, auch Verbraucherinnen und Verbraucher spürbar zu entlasten, endlich nachkommen. Dafür sollte sie die Strompreisumlagen senken und die im Koalitionsvertrag angekündigte Senkung der Stromsteuer für alle endlich umsetzen“, kommentierte Pop.
DGB fordert staatliche Beteiligung an Übertragungsnetzbetrieb
Der Deutsche Gewerkschaftsbund begrüßt den vorgeschlagenen Netzentgeltzuschuss als Sofortmaßnahme. Darüber hinaus mahnt er eine strukturelle Lösung für die Übertragungsnetzfinanzierung an. „Der Netzentgeltzuschuss darf in den nächsten Jahren aber nicht zum Fass ohne Boden werden. Wir Gewerkschaften fordern den Bundeseinstieg bei allen vier Übertragungsnetzbetreibern. Das wäre die bessere – und kostengünstigere – langfristige Lösung zur Netzfinanzierung", erklärte DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell. Der DGB spricht sich ebenfalls für eine Senkung der Stromsteuer für alle aus.
Hintergrund
Im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD wurde das Ziel vereinbart, die Netzentgelte dauerhaft zu deckeln. Die jetzt vorgeschlagene Senkung der Netzentgelte ist Teil eines Maßnahmenpakets der Bundesregierung. Das Kabinett hat bereits Pläne für eine Entlastung der Gaskunden auf den Weg gebracht. Konkret sollen Unternehmen und Verbraucher von Kosten der Gasspeicherumlage befreit werden. Die Kosten dafür sollen ebenfalls aus dem KTF getragen werden. Geplant ist außerdem, die Senkung der Stromsteuer für das produzierende Gewerbe ab 2026 zu verstetigen. Eine Senkung der Stromsteuer für alle Verbraucher steht bisher nicht auf der politischen Agenda, obwohl sie im Koalitionsvertrag versprochen wurde. pf

















































