Kerosin-KnappheitAnalyse zeigt enormes Sparpotenzial bei Luxusflügen

Flugzeug
Deutschland und der EU droht durch den Iran-Krieg Kerosin-Mangel. Greenpeace empfiehlt, im ersten Schritt Luxusflüge zu streichen, um Engpässe zu kompensieren (Bild: Getty Images / Unsplash+ Lizenz)

Rund 30 Prozent der Kerosin-Importe hängen von der blockierten Straße von Hormus ab. Berechnungen zeigen nun, wie Deutschland und die EU einen physischen Treibstoffmangel verhindern können – ohne dabei den gesamten Flugverkehr lahmzulegen.

11.05.2026 – Der Iran-Krieg hält Öl- und Gaspreise seit über zwei Monaten auf einem überhöhten Krisenniveau. Eine schnelle Entspannung scheint kaum in Sicht. Öl und Gas wird auf dem Weltmarkt wohl noch über Monate knapp bleiben. Denn selbst bei Öffnung der Straße von Hormus müssten zunächst zerstörte Anlagen repariert und aufgehaltene Lieferungen nachgeholt werden. In der EU drohten bisher noch keine physischen Engpässe bei Öl und Gas, beim Flugzeugtreibstoff Kerosin sieht die Lage jedoch anders aus.

Die EU ist abhängig von Kerosinimporten

Die EU importiert rund 95 Prozent an Kerosin, rund 30 Prozent hängen von Importen über die Straße von Hormus ab, zeigen Berechnungen der der Umweltschutzvereinigung Transport & Environment.  Berechnung des Ölmarkt-Experten Steffen Bukold im Auftrag von Greenpeace bestätigen, dass auch 20 bis 30 Prozent der deutschen Kerosinversorgung ab Juni gefährdet seien, sollte die Meerenge blockiert bleiben. Etwa 11,7 Milliarden Liter Kerosin werden jährlich in Deutschland verbraucht.

Die Internationale Energieagentur warnte bereits seit einigen Wochen vor Versorgungsengpässen des Flugzeugtreibstoffs Kerosin in Europa. In der Flugbranche drohen Preiserhöhungen und Flugstreichungen. Der europäische Branchenverband Airlines for Europe (A4E), zu dem auch die Lufthansa gehört, fordert, den auch für die Luftfahrt geltenden CO2-Preis auszusetzen und Luftverkehrssteuern abzuschaffen. Klima- und Umweltschutzorganisation fordern hingegen Sparmaßnahmen statt weiterer Subventionen im Flugsektor.

Kerosin sparen durch Verzicht auf Luxusflüge

“Deutschland und Europa könnten schon in wenigen Wochen das Kerosin ausgehen, und den Airlines fällt nicht mehr ein, als Steuerrabatte zu fordern”, sagt Lena Donat, Greenpeace-Mobilitätsexpertin. Die Luftfahrtbranche werde jetzt schon massiv subventioniert. Neue Geldspritzen zauberten nicht mehr Treibstoff her, sondern verschleuderten sinnlos Steuergelder.

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Greenpeace hat fünf Maßnahmen zum Sparen von Kerosin prüfen lassen. Demnach könnte Deutschland seinen Kerosinverbrauch um 38 Prozent oder 4,4 Milliarden Liter pro Jahr senken, wenn Luxusflüge und überflüssige Verbindungen gestrichen würden. Die mit – konservativ gerechnet – etwa 26 Prozent Einsparung wirksamste Maßnahme wäre, First- und Business-Class für Economy-Plätze zu nutzen. Damit könnte bereits ein Großteil des drohenden Engpasses kompensiert werden. Ein Flug in der Business- oder First Class verbraucht vier bis fünfmal so viel Energie wie ein Economy-Flug, vor allem wegen des deutlich größeren Platzbedarfs, führt Bukold aus. Eine andere Studie hatte bereits ein Einsparpotenzial von 26 bis 57 Prozent berechnet, wenn Airlines ausschließlich Economy Plätze anbieten würden. Weiter schlägt Greenpeace vor, Privatjet- und Inlandsflüge zu streichen, kürzere europäische Flüge auf die Bahn zu verlegen und die Zahl der Geschäftsreisen zu halbieren.

“Es kann nicht sein, dass Superreiche noch immer mit der Champagnerflöte in der Hand im Privatjet oder der Firstclass durch die Welt fliegen, während andernorts Kerosin rationiert wird. Verschwenderische Luxusflüge und Inlandsflüge gehören gestrichen.“ Das treffe nur einen Bruchteil der Bevölkerung, der ohne weiteres auf Alternativen ausweichen könne, so Donat. Die vorgeschlagenen Einsparungen würden die befürchtete Knappheit mehr als aufwiegen und seien sozial vertretbar, argumentieren Bukold und Greenpeace. Eine befürchtete Knappheit könne so verhindert und zugleich ein spürbarer und nachhaltiger Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden. jb

Kommentare

Uwe am 12.05.2026

Es wird bei der Forderung zur Abschaffung der First- und Businessclass in den Fliegern vergessen, dass die Airlines eigentlich nur mit diesen verkauften Klassen Geld verdienen. Das diese Privatflieger die Umwelt verpesten und knappe Ressourcen verbrauchen sehe ich ähnlich und müssten zumindest so unattraktiv gemacht werden, dass sie z.B. nicht mehr auf großen Flughäfen oder stadtnahen Flughäfen mehr landen dürfen.

Da die Bahn auf vielen Strecken einfach noch immer keine tolle Alternative sind (Bsp. Hamburg - München), kann ich alle verstehen, die dann lieber mit dem Flieger auf solchen Strecken (insbesondere als Zubringer für Langstrecken) unterwegs sind.

Aus dem Artikel lese ich ansonsten die beliebte Neiddebatte, dass sich einige mehr leisten wollen und können als andere.

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