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Schmutzige Energie für den Bitcoin-Rausch

Foto: Bild eines Düsenjets mit der Aufschrift Bitcoin. Im Hintergrund Windräder.
Bitcoins befinden sich auf der Überholspur, doch Erneuerbare Energien wie Windkraft können noch nicht die immensen Stromleistungen produzieren, die für die digitale Währung nötig sind. (Foto: © Tobin / flickr.com, CC BY-SA 2.0)

Die digitale Kryptowährung verbreitet sich rasant. Dafür werden immer neue, stärkere Prozessorleistungen benötigt, die wahre Stromfresser sind. Der Energieverbrauch zur Verwaltung und Erzeugung von Bitcoins übersteigt inzwischen den ganzer Staaten.

18.12.2017. – Bitcoins sind in aller Munde. Ihr Wert stieg in den letzten Jahren rasant an. Doch parallel zum Kursanstieg geht auch der Energieverbrauch kräftig nach oben und lässt sich inzwischen mit dem ganzer Nationalstaaten beziffern. Denn die Erschaffung neuer Einheiten des Kryptogeldes erfordert immense Rechenleistungen, an der sich im Prinzip alle Nutzer beteiligen können. Neue Einheiten der Währung entstehen durch Transaktionen, die von Tausenden Computern gleichzeitig überprüft und mit Verschlüsselungsalgorithmen abgesichert werden. Die Kryptowährung entzieht sich damit unter anderem dem Einfluss von Banken und Regierungen.

Dies ist auch Grund, warum sich viele Nutzer der digitalen Währung zuwenden. Bitcoins wurden 2008 auf dem Höhepunkt der Weltfinanzkrise von einem bislang nicht nachweislich identifizierten Programmierer ins Leben gerufen. Das digitale Geld befindet sich auf dezentralen Datenbanken, deren Geldfluss die Nutzer autark überwachen. Jeder Bitcoin-Besitzer besitzt eine Kopie der Datenbank auf seinem Computer. In diesen virtuellen Bitcoin-Verzeichnissen wird jede Information und Transaktion transparent gespeichert. Die Nutzer überwachen sich somit gegenseitig, damit wird möglicher Manipulation effizient entgegengewirkt. Immer mehr Menschen scheinen sich für die Kryptowährung zu interessieren, für die im Jahr 2010 erstmals ein Wechselkurs in US-Dollar beziffert wurde. Anfangs noch bei einem Wechselkurs von unter 10 Dollar stieg ihr Wert rasant an, und liegt aktuell bei 16.000 Dollar pro Bitcoin.

Bitcoins übersteigen den Energieverbrauch ganzer Länder

Doch mit dem Kurs steigt auch die Datenmenge. Analysten des Digiconomist zufolge könnten mit der von Bitcoins verbrauchten Terrawatt-Menge pro Jahr im gleichen Zeitraum rund drei Millionen deutsche Haushalte versorgt werden. Dies entspricht der aktuellen Leistung aller Solaranlagen Deutschlands im Jahr. Während Deutschland ein bevölkerungsreiches und energieintensives Land ist, übersteigt der Energieverbrauch des Bitcoin-Datenverkehrs bereits den gesamten Energiekonsum anderer Länder. 159 Staaten benötigen weniger Strom als die immensen Rechenleistungen, die für Verwaltung und Erzeugung der Kryptowährung nötig sind.

Besonders die Erschaffung neuer Bitcoins ist für den hohen Energieverbrauch verantwortlich. Das digitale Geld entsteht, indem Nutzer mithilfe großer Rechenleistungen Transaktionen verifizieren. Es werden neue Blöcke an Daten zu sogenannten Blockchains - zu deutsch Blockketten - hinzugefügt. In diesen Blockketten sind alle bisherigen Bitcoin-Transaktionen verzeichnet. Für eine Verifizierung von Transaktionen muss jedoch der gesamte Blockchain überprüft werden. Beim sogenannten „Mining“ legen sich Bitcoin-Erzeuger immer größere Rechenleistungen mit den neuesten Prozessoren und Grafikchips zu, um mithilfe verifizierter Transaktionen neue Bitcoins zu „schürfen“.

Schmutziger Strom für Bitcoins

Und Bitcoins werden als Zahlungsmittel immer beliebter. Neben großen Unternehmen wie Overstock.com, Microsoft und Expedia, akzeptieren inzwischen auch einige Einzelhändler in Deutschland die digitale Währung. Ursprünglich vor allem im Dark-Net für Transaktionen krimineller Geschäfte genutzt, mausern sich Bitcoins immer mehr zu einem alternativen Zahlungsmittel. Laut Prognosen des Digiconomist könnte der Energieverbrauch durch Bitcoins Anfang 2020 die gesamte aktuelle Weltstromproduktion ausmachen.

Neue Bitcoins werden schon jetzt vor allem dort erzeugt, wo der Strom besonders billig ist. Die Hälfte des weltweiten Energie-Konsums für die Bitcoin-Erzeugung verbraucht China. 65 Prozent des dortigen Stroms kommt nach wie vor aus Kohlekraftwerken. Und auch in Zukunft will China weiterhin in die Kohle investieren. mf

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