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Aufseher der Vatikanbank stecken im fossilen Sumpf

Der Umbau der Vatikanbank dürfte Papst Franziskus nicht schnell genug vorangehen. Einige Aufsichtsratsmitglieder haben offenbar andere Interessen als das Oberhaupt der katholischen Kirche. (Foto: CC0 Public Domain, pixabay.com)
Der Umbau der Vatikanbank dürfte Papst Franziskus nicht schnell genug vorangehen. Einige Aufsichtsratsmitglieder haben offenbar andere Interessen als das Oberhaupt der katholischen Kirche. (Foto: CC0 Public Domain, pixabay.com)

Papst Franziskus fordert seit Jahren ein Ende der profitorientierten Ausbeutung unseres Planeten, seine eigene Bank tut aber genau dies. Zwei Aufsichtsräte sind seit Jahren tief in Öl- und Gasgeschäfte verstrickt und spenden für Klimawandel-Leugner.

22.07.2016 – Es ist nicht der erste Skandal um die Vatikanbank und es dürfte auch nicht der letzte gewesen sein. Ihr wird seit Jahren Steuerhinterziehung und Geldwäsche vorgeworfen, sogar in Mafiageschäfte soll sie verstrickt (gewesen) sein. Papst Franziskus beschloss deshalb schon vor drei Jahren, sein Geldhaus ordentlich aufzuräumen. Bis dahin scheint es allerdings ein weiter Weg zu sein, zu lange hat das Istituto per le Opere di Religione (IOR) im geheimen dunkle Geschäfte gemacht. Jetzt rücken zwei Aufsichtsräte in den Fokus. Wie die Reporter von Greenpeace Energydesk aufgedeckt haben, sind sie seit Jahren eng mit der Öl- und Gasindustrie verwoben.

Im Bankwesen kein unübliches Gebaren, in Verbindung mit Papst Franziskus allerdings heikel. Denn der Papst geißelt seit Jahren die profitorientierte Ausbeutung unserer Erde und hat sich gegen die fossile Energieindustrie ausgesprochen. In seiner im Juni 2015 vorgelegten Umwelt-Enzyklika äußerte er scharfe Kritik am Konsumverhalten und der Umweltverschmutzung durch den Menschen, ein wichtiger Impuls für die Klimaverhandlungen in Paris. Offenbar muss der Papst auch im eigenen Haus ordentlich aufräumen, um die Schöpfung Gottes zu bewahren.

Großzügiger Sponsor einer Klimaskeptiker-Stiftung

Der britisch-australische Milliardär Michael Hintze ist sowohl Aufsichtsrat der Vatikanbank als auch Chef eines privaten Hedgefonds mit Sitz im Steuerparadies Cayman Islands. Laut Greenpeace Energydesk und Daten der Analysten von Bloomberg hält der Fonds Anteile im Wert von 8,3 Millionen US-Dollar an Energiekonzernen weltweit. 1,7 Millionen davon hat Hintze in die Fracking-Giganten Devon Energy und Anadarko Petroleum investiert.

Gemeinsam mit anderen reichen Bankern ist Hintze Großspender und Unterstützer der umstrittenen klimaskeptischen Global Warming Policy Foundation (GWPF). Die Stiftung hat unter anderem die Umwelt-Enzyklika des Papstes stark kritisiert und Franziskus einen Irrweg vorgeworfen.

Auch Aufsichtsratschef im Visier

Auch der Aufsichtsratschef der Vatikanbank Jean-Baptiste Douville de Franssu ist in die Machenschaften der fossilen Industrie verstrickt. Er ist unter anderem Berater zweier Investmentfonds, die hunderte Millionen Dollar in Öl- und Gaskonzerne investiert haben. Einer von ihnen, Carmignac Gestion, hält ebenfalls Anteile im Wert von 675,2 Millionen Dollar an der texanischen Firma Anadarko Petroleum. Diese musste 2014 über fünf Milliarden Dollar für gewaltige Umweltsünden einer Tochterfirma zahlen. In dem Verfahren, das sich nahezu zehn Jahre streckte, traten unter anderem die US-Regierung, elf Bundesstaaten und direkt Betroffene als Kläger gegen den Konzern auf.

Der erst im Mai dieses Jahres zurückgetretene Vatikanbank-Aufsichtsrat Clemens Boersig ist ebenfalls in der fossilen Welt zu Hause, schreibt Greenpeace Energydesk. Bis 2012 war der Deutsche Aufsichtsratschef der Deutschen Bank und sitzt heute im Aufsichtsrat der Daimler AG, Bayer AG und Linde AG, die ebenfalls in Kohleprojekte verwickelt ist. cw

Kommentare

Andilectric am 25.07.2016

Danke, das reicht. Alles nur Scheinheilige. Der Austritt aus diesem Verein lässt sich mittlerweile zigfach gut begründen. Muss man nicht andernfalls mit einer Anzeige rechnen die auf: "Unterstützung einer kriminellen Vereinigung" lautet?

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