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Marokko: Klimavorreiter ist Gastgeber für COP22

Bei diesem Kraftwerk in Ain Beni Mathar im äußersten Nordosten des Landes wird zusätzlich zur Stromerzeugung durch Gasturbinen auch Energie durch Sonneneinstrahlung generiert. (Foto: <a href="https://flic.kr/p/9VXL9y" target="_blank">Philippe Roos / fl
Bei diesem Kraftwerk in Ain Beni Mathar im äußersten Nordosten des Landes wird zusätzlich zur Stromerzeugung durch Gasturbinen auch Energie durch Sonneneinstrahlung generiert. (Foto: Philippe Roos / flickr.com, CC BY-SA 2.0)

Marokko wird im November den 22. UN-Klimagipfel ausrichten. Das Land ist in Nordafrika zum Vorreiter einer neuen, nachhaltigen Energiepolitik geworden und hat ambitionierte Pläne: Bis 2020 sollen Milliarden in die Erneuerbaren investiert werden.

25.10.2016 – Mit mehr als 300 Sonnentagen im Jahr und nahezu zweitausend Kilometern Küstenlänge mit teils starken Winden verfügt Marokko über ideale Bedingungen für die regenerative Energieerzeugung. Beste Voraussetzungen für die Energiewende in dem nordafrikanischen Land, das im November den nächsten UN-Klimagipfel (COP22) ausrichtet. Marokko investiert seit Jahren Milliardenbeträge in den Bau neuer Solar- und Windstromanlagen und fährt damit gut. Mit rund 35 Prozent haben die Erneuerbaren bereits heute einen großen Anteil am heimischen Strom-Mix und noch ist kein Ende der Investitionen in Sicht. Eher das Gegenteil ist der Fall: Bis 2020 soll dieser Wert auf 42 Prozent gesteigert werden.

Bislang ist das Land jedoch noch zu stark von Stromimporten aus dem Ausland abhängig. Rund 95 Prozent bezieht Marokko noch aus anderen Ländern, etwa über Seekabel aus Spanien. Der Ausbau der regenerativen Energiequellen ist daher ein wichtiger Schritt zur Selbstversorgung des Landes, das nur in sehr begrenztem Umfang über fossile Energieträger verfügt.

Milliarden für die Sonne

Aus diesem Grund investieren der Staat und ausländische Geldgeber Milliardenbeträge in neue Anlagen zur nachhaltigen Stromerzeugung. Fast fertiggestellt ist etwa der erste Komplex des mehr als drei Milliarden US-Dollar teuren Solarkraftwerks „Noor“, der bereits heute mehr als 150 MW Leistung bringt. Die Geldmittel für die Anlagen „Noor 2“ und „Noor 3“, an denen auch die deutsche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) mit über 600 Millionen Euro beteiligt ist, sind bereits gesichert. Insgesamt mehr als neun Milliarden Dollar an Investitionen im Solarsektor sind derzeit landesweit geplant, bei der Windkraft sind es immerhin 3,5 Milliarden.

Prestigereiche Großprojekte sind in Marokko immer häufiger zu finden. Doch auch für private Haushalte und kleinere Firmen wurden die gesetzlichen Rahmenbedingungen verbessert. 2010 wurde ein Gesetz erlassen, dass jeder natürlichen oder juristischen Person das Recht gibt, Energie aus erneuerbaren Quellen selbst zu produzieren. Dadurch wäre es zwar theoretisch möglich, die regionalen Netze stärker auszubauen, praktisch können kleine PV-Anlagen den produzierten Strom jedoch bisher nicht in das Niederspannungsnetz einspeisen. Dadurch fehlen Anreize für private Erzeuger. Für eine dezentrale Energiewende besteht also noch Bedarf an Infrastruktur und neuen Gesetzen.

Mehr Geld für Afrika

Trotz der enormen Anstrengungen die Erneuerbaren auszubauen wird Marokko bis 2020 weiterhin jedes Jahr steigende Mengen an CO2 produzieren, das ist aus Zahlen der „German Trade & Invest“ (GTAI) ersichtlich. Um sich den Herausforderungen des Klimawandels besser stellen zu können und um den Ausbau von Sonnen- und Windkraft weiter anzukurbeln, benötigt das Land Investitionen. 100 Milliarden Dollar versprachen die Industrienationen der Welt den Entwicklungsländern auf dem UN-Klimagipfel in Kopenhagen 2009 zu diesem Zweck. Auf einem Treffen im Vorfeld des COP22 forderten 27 afrikanische Staaten, der Großteil dieses Geldes müsse Ihnen zugutekommen. Denn ohne die Geldmittel reicher Staaten und Investoren wird der Ausbau erneuerbarer Energieträger auf dem sonnenreichen Kontinent deutlich langsamer voran gehen als geplant. bm

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