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Schneller Verzicht auf fossile Brennstoffe ist möglich

In zehn Jahren könnte die Weltgemeinschaft auf fossile Brennstoffe verzichten – wenn es denn tatsächlich alle wollten. (Foto: Mr Hicks46, CC BY-SA 2.0, https://www.flickr.com/photos/teosaurio/15433033635/)
In zehn Jahren könnte die Weltgemeinschaft auf fossile Brennstoffe verzichten – wenn es denn tatsächlich alle wollten. (Foto: Mr Hicks46, CC BY-SA 2.0, https://www.flickr.com/photos/teosaurio/15433033635/)

Ein vollständiger und weltweiter Ausstieg aus fossilen Brennstoffen ist in zehn Jahren möglich. Einzig und allein notwendig dafür: Echter politischer Wille. Das hat nun eine britische Denkfabrik herausgefunden. Der Umstieg ist ohnehin unumgänglich.

20.04.2016 – Die Befürchtungen des Studienautors Benjamin Sovacool und seines Teams der Sussex Energy Group an der University of Sussex drehen sich um das „Klimaparadox“, wie sie es nennen. Dabei handelt es sich um die böse Vorahnung, die Menschheit werde erst dann die Notwendigkeit zur vollständigen Abkehr von fossilen Energien erkennen, wenn es bereits zu spät und die Klimakatastrophe nicht mehr aufzuhalten ist. Das Zugeständnis der G7-Staaten, die Dekarbonisierung bis zum Ende des Jahrhunderts zu erreichen, dürfte zu wenig sein.

Deshalb haben sich Sovacool und Kollegen sowohl Zeitpunkt als auch Tempo einer vollständigen Energiewende vorgenommen. Sie analysieren die verschiedenen Umbrüche im Energiesektor in der Vergangenheit und haben die Beschleunigung von Übergangsphasen mit in das Modell ihrer Studie aufgenommen. Ihr Ergebnis: Ein deutlicher schnellerer Wandel ist möglich, sogar innerhalb einer Zehnjahresfrist.

Immerhin lassen die bisherigen weltweiten Umbrüche im Energiesektor etwas Hoffnung aufkommen. Der Umstieg von Holz zu Kohle in Europa dauerte der Studie zufolge zwischen 96 und 160 Jahren, die Ausbreitung der Elektrizität ging dann bereits schneller und war innerhalb von 47 bis 69 Jahren vollzogen. Durch den Druck des fortschreitenden Klimawandels und des immer schneller werdenden technischen Fortschritt könnten Übergangsphasen zu neuen Energieträgern heute in immer kürzerer Zeit stattfinden, erklärt Sovacool.

Engagierte Regierungen und Änderung des Konsumverhaltens notwendig

Und er hat auch einige Beispiele aus dem 21. Jahrhundert zur Hand, die sich auf lokaler Ebene abgespielt haben. So hat es der kanadische Bundesstaat Ontario innerhalb von elf Jahren geschafft, von 25 Prozent Kohlenergie auf null Prozent zu kommen – allerdings mithilfe der Atomenergie. Indonesien konnte innerhalb von nur drei Jahren zwei Drittel seiner Bevölkerung von Kerosin- auf Gasöfen umstellen und in Brasilien sind nach sechs Jahren des ambitionierten Proálcool-Programms nun 90 Prozent der Autos auf Bio-Ethanol-Nutzung umgerüstet.

Die Beispiele beleuchten allerdings immer nur einen kleinen Teil des Energiesystems. Dennoch haben sie eines gemeinsam: Wo schnelle und effektive Umwandlungen stattgefunden haben, haben Regierungen stark eingegriffen und das Konsumverhalten durch Anreize verändert. Sovacool schlussfolgert, dass für eine vollständige Energiewende beträchtliche technologische und politische Veränderungen erforderlich sind, die neue Marktdesigns und ein geändertes Verhalten von Anwendern und Konsumenten bedeuten. cw

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