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Studie „Atomkraft 2018“

Betrieb deutscher AKWs ist ein großes Risiko

Wir brauchen einen Paradigmenwechsel in der Atompolitik, weg vom Schutz der AKW-Betreiber, hin zum Schutz der Bevölkerung. (Foto: pixabay / CC0 Creative Commons)

In Deutschland sind noch immer sieben Atomkraftwerke am Netz – trotz großer Sicherheitsmängel, wie eine Studie vom BUND zeigt. Die Umweltorganisation fordert daher eine Novelle des Atomgesetzes und damit einen möglichst schnellen Atomausstieg.

26.04.2018 – Selbst 32 Jahre nach der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl laufen in Deutschland weiterhin sieben Atomkraftwerke (AKW). Dabei wäre auch in der Bundesrepublik jederzeit ein größerer Störfall oder sogar ein Super-GAU möglich, zeigt die kürzlich vom Umweltverband BUND veröffentlichte Studie „Atomkraft 2018 – sicher, sauber, alles im Griff?“. Darin hat die Atomsicherheitsexpertin Oda Becker die Risiken der noch laufenden AKWs untersucht. Ausreichende Katastrophenschutzpläne würden nicht vorliegen, heißt es im Fazit der Analyse.

Große Sicherheitsbedenken sehen die Autoren durch mangelnde Schutzstandards für Hochwasser, Erdbeben und Terrorgefahr. Schäden in Reaktorkernen, wie etwa Verformungen von Brennelemente und unzulässige Oxidationen an den Brennstäben des Reaktorkerns im AKW Brokdorf, treten inzwischen auch immer häufiger auf. Obwohl die Ursachen hierbei nicht geklärt wurden, läuft das AKW Brokdorf trotzdem weiter.

Dringend notwendige Nachrüstungen werden vermieden

Ein weiteres Problem ergebe sich dadurch, dass die AKW-Betreiber dringend notwendige Nachrüstungen sowie Sicherheitsüberprüfungen aufgrund der geringen Restlaufzeiten schlichtweg gar nicht mehr durchführen. So werde es in keinem der noch laufenden Kernkraftwerke in den nächsten fünf Jahren eine periodische Sicherheitsüberprüfung geben, so Studienautorin Oda Becker. „Das halte ich für unverantwortlich“, empört sich Becker.

Die Risiken der Atomkraft sind zu groß und der Bevölkerung nicht länger zumutbar„Die Risiken der Atomkraft sind zu groß und der Bevölkerung nicht länger zumutbar“, kommentiert der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger die Ergebnisse der Studie. „Wir brauchen einen Paradigmenwechsel in der Atompolitik, weg vom Schutz der AKW-Betreiber, hin zum Schutz der Bevölkerung. Die in Deutschland noch laufenden Atomkraftwerke müssen möglichst sofort abgeschaltet werden.“

300 Tonnen Atommüll vermeiden

Mit Blick auf die anstehende Novellierung des Atomgesetzes, müssten die eklatanten Sicherheitsmängel endlich ernst genommen werden, fordert der BUND. Die Überarbeitung könne dafür genutzt werden, sofort aus der Atomenergie auszusteigen oder zumindest weitere Strommengenübertragungen gesetzlich zu verbieten. Damit könne immerhin noch die Produktion von etwa 300 Tonnen hochradioaktiven Atommüll vermieden werden.

Die Bundesregierung muss jetzt handeln„Die Bundesregierung muss jetzt handeln. Wir erwarten ein neues Atomgesetz, das den Interessen der Bevölkerung und dem Ausbau der erneuerbaren Energien Vorrang vor dem Weiterbetrieb der riskanten Atomkraftwerke einräumt“, sagte Weiger. Schließlich sei der Weiterbetrieb der AKWs auch ein erhebliches Hindernis für die Energiewende, da zahlreiche Erneuerbare-Energie-Anlagen noch immer wegen angeblicher Netzengpässe abgeregelt werden, während die Atommeiler fast ungedrosselt weiterlaufen. jk


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