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Bürger fordern den Kohleausstieg

Wie führt der Weg aus der Kohle? Braunkohlestrom verstopft die Netze und blockiert die Erneuerbaren Energien – die Klimaschutzziele werden so verfehlt. (Foto: Nicole Allé)
Wie führt der Weg aus der Kohle? Braunkohlestrom verstopft die Netze und blockiert die Erneuerbaren Energien – die Klimaschutzziele werden so verfehlt. (Foto: Nicole Allé)

Während Umweltorganisationen an diesem Wochenende die Kohlebagger im rheinischen Kohletagebau gestoppt haben um für einen sofortigen Kohleausstieg zu demonstrieren, ist laut einer aktuellen Umfrage eine breite Mehrheit der Deutschen auch dafür.

28.08.2017 – Mit den Aktionen Ende Gelände und Rote Linie gegen Kohle am Tagebau Hambach gab es am Wochenende im rheinischen Braunkohlerevier Protestaktionen gegen die klimaschädliche Braunkohle-Verstromung und den -Tagebau und die damit verbundene Umweltzerstörung. Gerade in NRW werde ein Drittel der Treibhausgase Deutschlands emittiert, deshalb brauche es gerade hier den geordneten Abschied von der Kohle und den dynamischen Ausbau Erneuerbarer Energien, kommentierte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. „Pro-Kohle-Politik ist Klientelpolitik zugunsten von Energiekonzernen, nicht im Sinne der Allgemeinheit“, so Weiger. „Die Wählerschaft ist beim Klimaschutz schon viel weiter als die meisten Politiker.“

Das zeige auch die aktuelle repräsentative Emnid-Umfrage im Auftrag des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Demnach befürwortet eine breite Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland die baldige Stilllegung von Kohlekraftwerken und erwartet von der nächsten Bundesregierung einen Fahrplan für den Kohleausstieg, um das Klimaziel für das Jahr 2020 zur Begrenzung der Treibhausgase noch zu erreichen. „In den nächsten zwei bis drei Jahren müssen umfangreich Kohlekraftwerke stillgelegt werden“, fordert der BUND. Die Ziele des Pariser Klimaabkommens erforderten, dass Deutschland noch vor dem Jahr 2030 aus der Kohle aussteige.

Braunkohlestrom „verstopft“ die Netze und blockiert die Erneuerbaren Energien

Dieser Meinung sind auch die Grünen. In den letzten fünf Jahren haben sich die deutschen Stromexportüberschüsse fast verzehnfacht, das hat eine Untersuchung des Berliner Energieforschungsinstituts Era im Auftrag der Bundestagsfraktion der Grünen ergeben. Die starre Fahrweise der Braunkohleanlagen führe dazu, so das Fazit, dass hohe Braunkohle-Leistung häufig mit hohen Stromexporten zusammenfiele. Einen markanten Rückgang des Braunkohlestroms gebe es dann, wenn der Stromverbrauch über mehrere Tage niedrig und die Stromerzeugung mittels Erneuerbarer Energien hoch sei. Von den Kraftwerksbetreibern werden die Stromüberschüsse häufig der schwankenden Wind- und Solarenergie angelastet. Doch die Realität sieht anders aus, so die Grünen. „Die Braunkohlekraftwerke laufen auf Hochtouren, auch wenn ihr Strom gar nicht gebraucht wird.“ Da der Kohlestrom die Netze verstopfe, werden Windräder abgeschaltet. Die fällige Entschädigung müssten die Stromkunden bezahlen.

Am Kohleausstieg führe daher kein Weg vorbei, so Annalena Baerbock, Sprecherin für Klimapolitik der Grünen-Fraktion „Es mangelt weder an Erneuerbaren Energien noch an der Entwicklung von Speichern und Netzen, sondern an der Bereitschaft, aus der Kohle auszusteigen.“

Kohleausstieg ökonomisch sinnvoll und sozialverträglich gestalten

Zu diesem Ergebnis kommt auch Climate Analytics. Laut deren Berechnungen beträgt das verbleibende CO2-Budget für Kohleverstromung in der EU ungefähr 6,5 GT CO2, wenn das langfristige Ziel des Pariser Abkommens eingehalten werden soll. Doch die EU werde das Emissionsbudget um 85 Prozent überschreiten, wenn die bereits existierenden Kohlekraftwerke über ihre volle Lebensdauer betrieben werden, so das Fazit des Berichts, der im Februar dieses Jahres veröffentlicht wurde. Die Emissionen aus Kohleverstromung in der EU müssten bis 2030 „beinahe Null“ sein.

Für die Beschäftigten in der Kohleindustrie sind solche Forderungen zunächst bedrohlich. Die Politik der EU sollte unbedingt dabei helfen, lautet denn auch die Empfehlung der Studienautoren, „negative sozioökonomische Auswirkungen für betroffene Regionen zu vermeiden sowie nachhaltige Beschäftigungsalternativen zu entwickeln.“ Die Alternativen aus dem Gebiet der Erneuerbaren Energien und Energieeffizienz könnten bei richtiger politscher Herangehensweise soziale und wirtschaftliche Vorteile mit sich bringen. na


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