Klimawende: Bürger fordern grüne Städte und saubere Energie

Bürger wünschen sich mehr Stadtgrün und Bäume in überhitzten Städten. Begleitet von bundesweiten Protesten wächst zudem die Kritik an der Energiepolitik sowie der Ruf nach Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen.
22.04.2026 – Menschen in überhitzten Städten fühlen sich von der Politik im Stich gelassen, und Zehntausende tragen ihren Protest gegen den fossilen Kurs der Regierung und die verschleppte Energiewende auf die Straße. Der Ruf nach einer ganzheitlichen Klimapolitik, die auch lokale Lebensqualität durch Stadtgrün und erschwinglicher, sauberer Energie durch Erneuerbare verknüpft, wird wieder lauter.
Stadtgrün als dringend gebrauchte Klimaanlage
Hitzewellen nehmen weltweit zu, auch in deutschen Städten wird es immer häufiger extrem heiß. In solchen Perioden könnten Bäume kühlenden Schatten spenden, doch die zunehmenden Hitze- und Dürrephasen lassen das Stadtgrün vielerorts verdorren.
Mehr als zwei Drittel der Stadtbewohner wünschen sich in einer repräsentativen Umfrage des Institut Civey für den BUND mehr schattenspendende Bäumen. Bäume fungieren in den Siedlungen als natürliche Klimaanlagen, schützen vor Überhitzung und fördern das allgemeine Wohlbefinden sowie die Artenvielfalt. Fast die Hälfte der Befragten ist der Meinung, dass die Politik nicht genug für die Pflege und den Erhalt von Parks und Straßenbäumen unternimmt. Gleichzeitig gebe es eine große Bereitschaft in der Bevölkerung, ihre Stadt grüner zu machen, heißt es vom BUND.
„Viele Menschen wollen sich engagieren, es braucht mehr Möglichkeiten, um sich einbringen zu können“, sagt Olaf Bandt, BUND-Vorsitzender. „Das kann eine Unterstützung von Gießgruppen sein, oder Bürgergärten auf entsiegelten Flächen. Politik und Verwaltung stehen vor der Herausforderung, die Städte auf die heraufziehende Klimakrise vorzubereiten, die Bürger*innen können da Partner sein.“
Zum Tag des Baumesam 25. April startet derBUND etwa eine Baum-App, mit der Bürger Stadtbäume erfassen können und ruft zum Mitmachen auf.
Kampf gegen Trockenheit und Versiegelung
Die meisten Bäume haben sich noch immer nicht von den vergangenen Hitzewellen erholt, zeigt der letzte Waldzustandsbericht. So ist etwa nur jeder fünfte Baum im Wald frei von Kronenschäden. Im Frühjahr kommt es bereits seit 2018 regelmäßig zu anhaltenden Trockenheitsperioden und überdurchschnittlich hohen Temperaturen, die auch der Land- und Forstwirtschaft zu schaffen machen.
Auch Stadt- und Alleebäume haben unter der wiederholten Trockenheit gelitten – wenn auch ihr Zustand nicht einheitlich erfasst wird. Böden in Städten sind oft versiegelt oder stark verdichtet, was die Wasseraufnahme erschwert. Ein Problem, das sich bei zunehmendem Starkregen verschärft, da das Wasser ungenutzt in die Kanalisation abfließt. Genau dieser Starkregen tritt in Folge der Klimakrise häufiger auf. Konzepte wie die Schwammstadt setzen hier an. Mit Entsiegelung und mehr Raum für gesunde Wurzelsysteme und Kronendächer soll die kühlende Wirkung des Stadtgrüns optimal genutzt werden.
„Die graue, asphaltierte, hitzegeplagte Stadt ist überholt. Die Bürgerinnen wollen grüne, lebenswerte Städte“, sagt Bandt. „Doch Stadtnatur steht unter Druck, die Flächen werden für Bebauung in Anspruch genommen und leider fallen ihr auch Bäume und Grünflächen zum Opfer. Hier muss ein Umdenken stattfinden und das wertvolle Grün erhalten und in Zeiten der Klimakrise sogar erweitert werden.“
Bundesweite Proteste gegen die schwarz-rote Energiepolitik
Der Wunsch nach Umwelt- und Klimaschutz vieler Menschen geht auch über das eigene Viertel hinaus. Deutschlandweit gingen zuletzt über 80.000 Menschen auf die Straße, um gegen die Blockade der Energiewende zu demonstrieren. Allein in Köln versammelten sich 30.000, in Berlin 24.000 Menschen. Der Protest richtet sich insbesondere gegen den Kurs von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). Das Bündnis aus Umweltverbänden, Wirtschaftsvertretern, Wissenschaftlerinnen und Sozialverbänden fordert einen konsequenten Ausbau von Wind- und Sonnenenergie.
Die Energiepolitik der Bundesregierung kommt in der Bevölkerung bereits seit längerem nicht gut an. Rund 69 Prozent der Menschen im Land beurteilen in einer Erhebung des Ökostromanbieters naturstrom die derzeitige Energiepolitik der Bundesregierung negativ. Besonders die Streichung der Vergütung für kleine Solaranlagen stößt auf Ablehnung, aber auch die Reform des Heizungsgesetzes sehen viele Menschen skeptisch.
Sicherheit durch Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen
Bei einer Umfrage der Deutschen Umwelthilfe im Februar 2026 zeigten sich 72 Prozent der Befragten überzeugt, dass die Abhängigkeit von fossilen Energielieferungen das Risiko internationaler Konflikte erhöht; 57 Prozent sahen dadurch die nationale Sicherheit geschwächt. 58 Prozent der Menschen in Deutschland wünschten eine Priorisierung der Energiewende. Die Befragung fand nach der US-Intervention in Venezuela und Trumps Drohungen zur Annexion Grönlands, aber noch vor Beginn des Kriegs in Iran statt.
Die infolge des Iran-Kriegs rasant steigenden Energiepreise und die gravierenden Folgen der Klimakrise verschärfen die Dringlichkeit des fossilen Ausstiegs weiter. Von teuren Öl- und Gaslieferanten unabhängig zu werden, ist eine Frage der nationalen Sicherheit und Stabilität. Die Bürger sind sich dessen bewusst und fordern eine Abkehr von fossilen Abhängigkeiten hin zu einer zukunftsorientierten Politik, die sowohl die globale Klimastabilität als auch die lokale Lebensqualität schützt. Julia Broich






















































