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China entdeckt das Fracking

2008 ereignete sich in der chinesischen Provinz Sichuan ein schweres Erdbeben mit einer Stärke von 7,9, das bis zu 80.000 Menschen das Leben kostete. Nun könnten Fracking-Aktivitäten erneut Beben in der Region auslösen. (Grafik: Mistman123, wikimedia
2008 ereignete sich in der chinesischen Provinz Sichuan ein schweres Erdbeben mit einer Stärke von 7,9, das bis zu 80.000 Menschen das Leben kostete. Nun könnten Fracking-Aktivitäten erneut Beben in der Region auslösen. (Grafik: Mistman123, wikimedia commons, public domain)

China will riesige Schiefergasvorkommen im Westen der Republik fördern, das umstrittene Fracking-Gas soll die CO2-Emissionen senken. Doch es gibt massive Probleme: starke Umweltzerstörung, nicht genügend Wasser, heftige Erdbeben und Bürgerproteste.

12.08.2015 – Die chinesische Regierung sucht händeringend nach Möglichkeiten und neuen Energieträgern, die den Energiehunger der stetig wachsenden Wirtschaft und der schnell wachsenden Städte stillen zu können. Gleichzeitig vergiften die vielen Kohlekraftwerke des Landes die eigene Bevölkerung und besonders die Metropolen Ostchinas. Die Führung hat zudem die Probleme des Klimawandels erkannt und versucht langsam die CO2-Emissionen zu senken.

Nun hat China seine Schiefergasvorkommen entdeckt, die als die größten Vorräte der Welt gelten. Um den Energieträger mithilfe der stark umstrittenen Fracking-Methode zu fördern, steht den Energiekonzernen des Landes offenbar nichts im Weg – schon gar nicht Natur- und Umweltschutz. Denn der Großteil der Vorkommen befindet sich in der Provinz Sichuan im Südwesten Chinas, eine Region mit dichten Wäldern, Bergflüssen, nur dort heimischen Bäumen wie dem Urweltmammutbaum, insgesamt sechs UNESCO-Welterbestätten und den letzten wild lebenden Pandabären.

Gesetze und Vorschiften gibt es nicht

Das Problem dabei: Es gibt in China kaum Umweltgesetze, in Sichuan werden bereits mithilfe von Fracking Chemikalien, Sand und Wasser unter hohem Druck in die Erde gepresst um Schiefergas zu fördern. Dabei bereitet besonders das vergiftete Wasser, das aus den Bohrlöchern wieder austritt, enorme Schwierigkeiten. Es ist mir gefährlichen und hochgiftigen Stoffen versetzt und müsste eigentlich streng getrennt und entsorgt werden. Doch es gibt dafür keine Gesetze und Vorschriften, die Energiekonzerne nehmen das Problem entsprechend kaum Ernst.

Zudem werden für jede Fracking-Plattform mindestens vier Hektar Platz benötigt. Riesige Tanks für Wasser, Chemikalien, Abwasser etc. müssen ebenso wie Straßen und eine Pipeline errichtet werden – ein Flächenkonflikt im dem stak bevölkerten Land ist kaum zu vermeiden. Rund 600 Zusatzstoffe werden benötigt, damit das Gas aus dem Boden strömt. Und viel Wasser. Doch China hat jetzt schon zu wenig Wasser und es steht erst am Anfang des Fracking-Wahns, der bereits die USA ergriffen hat.

Keine Umweltgesetze, Bürger blockieren Förderanlagen

Dennoch kann man den Fracking-Boom in den USA mit China kaum vergleichen. Auf der anderen Seite des Pazifiks finden zwar auch große Umwelt- und Naturzerstörungen statt, Fracking verseucht das Trinkwasser und fördert Unmengen an hochgiftigen Schlicken und Stoffen zu Tage. Doch China ist stärker bevölkert, das Land ist begrenzter und das Wasser knapper. Denn für Fracking werden sehr große Mengen des trinkbaren Nass benötigt und in den Regionen mit Wasserknappheit lagert auch der Großteil der Schiefergasvorräte. Umweltschützer fürchten, dass bald Menschen und Fracking-Konzerne um die Frischwasservorräte konkurrieren. Außerdem sei Gas nur umweltfreundlicher als Kohle, wenn die stetig auftretenden Lecks an den Bohrlöchern schnell geflickt werden, was leider allzu oft nicht geschieht.

Die Behörden und Fracking-Firmen ignorieren die Probleme, Gesetze und Regelungen gibt es (noch) nicht und bis zu deren Einführung dürfte es Jahre dauern. Dabei sind schon heute viele Flüsse und Wasservorkommen des riesigen Reiches vergiftet und für die Anwohner kaum noch nutzbar. Diese protestieren nun vielerorts gegen Fracking-Projekte und blockieren Anlagen. Der Öl- und Gaskonzern Shell beklagt etwa, dass er an seinen chinesischen Bohrlöchern in den vergangenen drei Jahren wegen Blockaden oder Stilllegungen 535 Arbeitstage verlor.

Experten warnen vor Fracking in Erdbebenregion

Anwohner berichten von sehr laxen Sicherheitsvorschriften und Explosionen auf Gasfeldern. Im Dorf Jiaoshizhen in der Provinz Sichuan erzählten Dorfbewohner sogar von Explosionen und einer 30 Meter hohen Stichflamme auf einer Anlage der staatlichen Firma Sinopec. Die Gasfirmen und lokalen Behörden leugnen die massiven Gefahren für Natur und Mensch, doch die für die gesamte Region vermutliche größte Gefährdung kommt aus der Tiefe. Denn Sichuan ist eine Erdbeben geplagte Region, zuletzt starben beim großen Erdbeben 2008 bis zu 80.000 Menschen.

Wissenschaftliche Untersuchungen aus den USA belegen zweifelsfrei, dass Fracking die geologischen Spannungen im Untergrund verstärkt und Erdbeben auslösen kann. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel ist der US-Bundesstaat Oklahoma. Bevor die Fracking-Industrie dort aktiv wurde, gab es durchschnittlich ein Beben im Jahr mit einer Stärke von mehr als 3,0. Im vergangenen Jahr zählten Seismologen dort nun 585 solcher Erdbeben. Experten warnen deshalb eindringlich vor Fracking-Aktivitäten im Westen Chinas. cw


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