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Die teuren Folgen der AtomenergieDer Staat übernimmt die Verantwortung für den Atommüll

Demonstranten fordern: Keine Atomtransporte von Jülich nach Ahaus. Die Atommüll-Lagerung ist weltweit ein ungelöstes Problem. (Foto: Flickr / Bündnis 90/Die Grünen Nordrhein-Westfalen / CC BY-SA 2.0)

Seit vielen Jahren wird in Deutschland nach einem Atommüll-Endlager gesucht, bisher ohne Erfolg. Radioaktiver Müll wird derweil zwischengelagert. AKW-Betreiber haben sich von der Verantwortung freigekauft und nun 15 Zwischenlager dem Staat vermacht.

08.01.2019 – Die Bundesregierung macht es den AKW-Betreibern einfach. Für den Atomausstieg erhalten die Konzerne eine Entschädigung, nun werden sie auch ihren Müll billig los. In Deutschland hatte die 2017 gegründete Bundesgesellschaft für Endlagerung im Herbst 2017 die Standortsuche nach einem Endlager für hoch radioaktiven Atommüll aufgenommen. Bis zum Jahr 2031 sollte ein geeigneter Ort für ein Endlager gefunden werden, soweit der Plan. Experten bezweifeln jedoch stark diesen Zieltermin.

Zum ersten Januar 2019 sind nun große Teile des hochradioaktiven Atommülls in Deutschland von den Atomkonzernen an den Staat übergegangen – also an die Steuerzahler. Die Übertragung der Zwischenlagerung erfolgte im Rahmen der gesetzlichen Regelung über die Folgekosten der Atomkraft-Nutzung. Insgesamt 15 von bundesweit 16 Zwischenlagern wurden in staatliche Hand übertragen, berichtet die Anti-Atom-Organisation ausgestrahlt – eine Größenordnung von 1.254 Castor-Behältern. In den nächsten Jahren werden weitere hinzukommen.

Schlauer Deal für die Atomkonzerne

„Mit einer Einmal-Zahlung von 24 Milliarden Euro in einen staatlichen Fonds haben sich die AKW-Betreiber von der Verantwortung für die radioaktiven Hinterlassenschaften freigekauft“, kommentiert Jochen Stay, Sprecher der NGO ausgestrahlt, den Vorgang. „Sie sind das Atommüll-Problem damit für immer los. Jetzt muss sich die Allgemeinheit um die Folgen kümmern.“ Schon heute sei indes absehbar, dass das Geld im Fonds nicht ausreichen werde, um die Kosten der langfristigen Atommüll-Lagerung zu decken. „Am Ende müssen die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler dafür einspringen, obwohl Eon, RWE und Co jahrzehntelang satte Gewinne mit ihren Atomkraftwerken eingefahren haben.“

Ein schlauer Deal für die AKW-Betreiber – die langfristige Lagerung von Atommüll ist derweil weiterhin ungeklärt. Nachdem Gorleben nach vielen Jahren als nicht geeignet befunden wurde, geht die Suche von vorn los. Das Atommüll-Problem ist indes nicht nur ein deutsches, sondern ein weltweites. Die Menge an hochradioaktivem Müll aus Reaktoren zur Energieerzeugung wird nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur bis zum Jahr 2040 weltweit auf die gewaltige Menge von über 700.000 Tonnen steigen. In fast allen Ländern ist der Widerstand gegen die Endlager sehr hoch – und keine Lösung in Sicht. Ein Endlager gibt es bislang lediglich in Finnland. Doch weltweit entstehen sogar neue Atomkraftwerke, die gegenwärtige Situation und die Zukunft werden dabei schlicht ausgeblendet.

Strahlendes Risiko

Ungeklärt sind auch die Probleme bei der Zwischenlagerung. „Keine der Lagerhallen ist gesichert gegen den Absturz eines großen Verkehrsflugzeugs“, gibt Stay zu bedenken. „Zudem laufen die Genehmigungen der Hallen und der Castor-Behälter zwischen 2034 und 2047 aus, da diese nur auf 40 Jahre ausgelegt sind. Bis dahin wird es aber kein tiefengeologisches Lager für die strahlenden Abfälle geben.“ Deswegen brauche es nun dringend eine gesellschaftliche Verständigung, wie der Atommüll möglichst sicher aufbewahrt werden könnte, mahnt Stay. na


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