1st Conference on Transitioning away from fossil fuelsDer Startschuss zur Abkehr von fossilen Energien ist gefallen

Zwei Personen stehen auf einer Bühne vor blauem Hintergrund mit der Aufschrift „Colombia – The Netherlands“ und einem teilweise sichtbaren Titel zu fossilen Energien. Ein Mann mit dunklen Haaren und Brille, in hellem Hemd, lächelt und hält die Hände einer Frau. Die Frau trägt eine rosa Bluse, hat blondes Haar zu einem Knoten gebunden und lacht ebenfalls. Beide wirken freundschaftlich und im Gespräch verbunden; im Vordergrund ist ein schwarzer Stuhl zu sehen.
Kolumbiens Präsident Gustavo Petro und die Klimaministerin der Niederlande Stientje van Veldhoven auf der Konferenz in Santa Marta (Bild: Presidencia de Columbia, flickr, Public Domain)

Teilnehmende Länder wie zivilgesellschaftliche Gruppierungen ziehen ein positives Fazit der Klimakonferenz in Santa Marta in Kolumbien. Eine Koalition von Willigen zeigt, wie die vollständige Abkehr von fossilen Energien gelingen kann.

30.04.2026 – Zunächst: Einen offiziellen Ergebnisrahmen gibt es nicht. Veröffentlicht wurden am gestrigen Mittwochabend erst einmal sogenannte „Takeaways“, also zentrale Erkenntnisse aus der 1st Conference on Transitioning away from fossil fuels. Ein detaillierter Abschlussbericht soll im Juni erfolgen. Konkrete Maßnahmen und bindende Beschlüsse wurden von den teilnehmenden Staaten sowie NGOs und weiteren Gruppierungen aber auch gar nicht erwartet.

Es gehe erstmal darum „konkrete Hebel, aber auch Hürden zum Ausstieg aus den fossilen Energien“ aufzuzeigen, sagte etwa Madeleine Wörner, Referentin für Energiepolitik beim Entwicklungshilfswerk Misereor, im Vorfeld der Konferenz. Da seien unter anderem Debatten über Ausstiegsdaten aus fossilen Energien, Die Abkehr von fossilen Subventionen, die Klimafinanzierung und private Schiedsgerichte, die Ländern den fossilen Ausstieg erschweren.

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„Es geht hier nicht mehr um das Ob, sondern um das Wie“

In Kolumbien startet am Freitag die „1st Conference Transitioning away from Fossil Fuels“. Staaten wollen konkrete Hebel zum Ausstieg aus fossilen Energien erarbeiten. Deutschland ist dabei, sendet aber widersprüchliche Signale, wie Madeleine Wörner von Misereor erläutert.

Madeleine-Alisa Wörner, Referentin für Energiepolitik beim Entwicklungshilfswerk Misereor

Porträt einer lächelnden Frau mit schulterlangem braunen Haar. Sie trägt eine weiße Bluse und blickt direkt in die Kamera vor einem neutralen, hellgrauen Hintergrund.

Offensichtlich wurde auf der Konferenz intensiv über diese Themen diskutiert. Die Sperrung der Straße von Hormus, und daraus folgende Energiekrise, zeige einmal mehr, die dringend nötige Abkehr der Abhängigkeiten von fossilen Brennstoffen, so die Teilnehmer der Konferenz in ihren Takeaways. Frankreich kündigte auf der Konferenz konkrete Ausstiegsdaten aus fossilen Energien an. 2030 soll der Ausstieg aus der Kohle erfolgen, 2045 der Ausstieg aus Öl und 2050 aus Gas.

Weiterhin seien aber fossile Abhängigkeiten tief in politischen und wirtschaftlichen Strukturen vieler Länder verwurzelt, zeigen die Konferenzteilnehmer einen Kern der Debatte auf. Fossile Abhängigkeiten würden in Haushalten, Exportstrukturen, regionalen Wirtschaftsmodellen und politischer Steuerung bestehen. Nur mit gemeinsam koordinierten Maßnahmen ließen sich diese Strukturen aufbrechen. Ein wichtiges Thema dabei: Subventionen für fossile Brennstoffe.

In Deutschland etwa werden schon lange mit Pendlerpauschale, Dieselprivileg und Dienstwagenbesteuerung vor allem Verbrenner und lange Fahrten subventioniert. Aktuell treibt vor allem Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche, mit ihren Vorhaben zur Kraftwerksstrategie, den Bau neuer Gaskraftwerke als Sicherheitsreserve voran, die staatlich subventioniert werden.

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Großes Solarfeld mit zahlreichen Photovoltaikmodulen im Vordergrund. Dahinter stehen eine Windkraftanlage mit drei Rotorblättern sowie ein Industriegebäude mit einem hohen, rot-weiß gestreiften Schornstein, aus dem Rauch aufsteigt. Im Hintergrund sind Hügel unter blauem Himmel zu sehen.
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Angetrieben von den Niederlanden, Co-Gastgeber der Konferenz, und den Marschall Inseln, soll sich eine Koalition bilden, die den Ausstieg aus fossilen Subventionen vorantreibt. Laut den Takeaways sollen Staaten ihre Subventionssysteme zunächst transparenter machen und gemeinsame Definitionen und Berichtstandards erarbeiten. Ziel müsse es sein, öffentliche Mittel fossiler Subventionen in Investitionen in grüne Technologien umzuleiten. Dabei brauche es aber auch soziale Absicherungen, die insbesondere ärmere Haushalte stärker unterstützt.

In Deutschland etwa schlagen Umweltverbände und politische Think-Tanks seit langem ein Mobilitätsgeld statt Pendlerpauschale vor. Da die Pendlerpauschale von der Steuer abgesetzt wird, profitieren vermögende Menschen stärker. Das Mobilitätsgeld dagegen würde einkommensunabhängig ausgezahlt.

Agora Verkehrswende schlägt beispielhaft 10 Cent pro Entfernungskilometer vor. So könnten pendelnde Erwerbstätige mit niedrigem Verdienst finanziell gegenüber dem Status quo entlastet werden, während für Pendler:innen mit hohem Einkommen Anreize zur Reduktion der Pendelkilometer geschaffen würden. Hier sollte nach einer Übergangszeit auf der Basis ökologischer Kriterien differenziert und klimafreundliche Verkehrsmittel wie Bus, Bahn und Fahrrad bessergestellt werden.

Das Klagerecht fossiler Konzerne

Ein Problem von Staaten von Staaten sich aus der Abhängigkeit fossiler Energien zu befreien, besteht auch in privaten Schiedsgerichten. Die Konferenzteilnehmer benennen diese als signifikante strukturelle Barriere in Klimaschutzprozessen. Weltweit bestehen Abkommen, denen zufolge private Unternehmen Staaten verklagen können, wenn diese Maßnahmen ergreifen, die dazu führen, dass den Unternehmen ihre Geschäftsgrundlage vor Ort entzogen wird. Es ist ein Klageweg, den vor allem fossile Energiekonzerne angesichts von staatlichen Klimaschutzmaßnahmen beschreiten.

In Europa sind Deutschland und viele weitere Staaten aus dem sogenannten Energiecharta-Vertrag ausgestiegen, der entsprechende Klagen möglich macht. Für zuvor getroffene Entscheidungen, wie dem Kohleausstieg etwa, können Konzerne den Staat noch 20 weitere Jahre verklagen. Immerhin schieben öffentliche Gerichte in Europa dem zunehmend einen Riegel vor.

Auch der Gastgeber der Konferenz in Santa Marta, Kolumbien, will den Kohleabbau in seinem Land schnellstmöglich beenden, es drohen jedoch Klagen, etwa vom Schweizer Bergbauunternehmen Glencore. Der Bericht im Juni könnte weitere Schritte, etwa zu einem koordinierten Ausstieg vieler Staaten aus den Schiedsgerichten erst möglich machenden Verträgen, beinhalten. Lukas Schaugg ist Experte für Schiedsgerichte (ISDS) beim International Institute on Sustainable Development. Er sagt: „Santa Marta hat ISDS auf den Tisch gebracht wie keine Klimakonferenz zuvor. Die nächste Bewährungsprobe besteht darin, ob eine Koalition von willigen Ländern, vom Erkennen zum Handeln kommt.“

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Woher das Geld für den Erneuerbaren Ausbau nehmen?

Neben weniger Geld für fossile Brennstoffe braucht es selbstverständlich auch mehr Geld für grüne Technologien, auch da sind sich die Konferenzteilnehmer einig. So brauche es neben einer besser aufgestellten Klimafinanzierung einkommensschwacher Länder auch zusätzliche Mittel für alle Staaten weltweit.

Geld, dass, neben bisherigen Mitteln aus fossilen Subventionen, künftig unter anderem aus progressiven Steuerreformen, Übergewinnsteuern und strategischen öffentlichen Investitionen fließen soll. Es sind Investitionen, die etwa in der EU im Rahmen des Green Deal schon da sind, aber weiter ausgebaut werden sollen und nicht wie vielfach befürchtet abgebaut. Immerhin war rund die Hälfte aller EU-Länder sowie Vertreter der Europäischen Union selbst auf der Konferenz vertreten.

Positives Fazit

Allgemein gilt die Konferenz in Santa Marta als Startschuss eines Umsetzungsprozesses. Angekündigt wurde bereits eine zweite Konferenz für 2027. Gastgeber sollen dann Tuvalu und Irland sein. Eine Koordinierungsgruppe soll die Ergebnisse der Konferenz weiter ausarbeiten und diese auch mit dem COP-Prozess der Weltklimakonferenz verzahnen. Auch wurde ein wissenschaftliches Gremium eingerichtet, um das weitere Vorgehen zu unterstützen. Die erarbeiteten Hürden und Vorschläge für Maßnahmen sollen insbesondere helfen die nationalen Klimapläne der Staaten voranzutreiben.

„Es ist uns gelungen, die Welt zusammenzubringen. Wir haben beschlossen, uns nicht mit einer Wirtschaft abzufinden, die auf der Zerstörung von Leben beruht; wir haben beschlossen, dass der Übergang weg von fossilen Brennstoffen nicht länger nur ein Slogan bleiben darf, sondern zu einer konkreten, politischen und gemeinsamen Anstrengung werden muss“, sagte die Umweltministerin Kolumbiens Irene Vélez Torres zum Abschluss der Konferenz.

Die Klimaministerin der Niederlande, Stientje van Veldhoven, erklärte: „Ich kann mit Überzeugung sagen, dass wir in den letzten Tagen die Grundlage für konkrete Maßnahmen zum Ausstieg aus fossilen Brennstoffen geschaffen haben. Mit einer so breiten Koalition aus Ländern und Vertretern aus der Privatwirtschaft, der Zivilgesellschaft und darüber hinaus ist diese Gruppe in der Lage, einen bedeutenden Beitrag zu leisten.“

Auch Umweltverbände zogen ein positives Fazit der Konferenz und lobten insbesondere, wie Politik und Zivilgesellschaft gemeinsam Schritte erarbeiteten. „Anstatt über Texte zu verhandeln, konnten Regierungen gemeinsam mit der Zivilgesellschaft und Interessengruppen ganz konkret über Ausstiegswege diskutieren. Dies wird in den UNFCCC-Prozess einfließen und kann den weltweiten Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas entscheidend vorantreiben“, sagte Petter Lydén, Leiter des Bereichs Internationale Klimapolitik bei Germanwatch.

Und Deutschland?

Im Gegensatz zu anderen Staaten, war Deutschland auf der Konferenz nicht auf Minister-Ebene vertreten. Aus dem Umweltministerium kam Staatssekretär Jochen Flasbarth. Immerhin war Deutschland vor Ort, nachdem es zuvor den Prozess auf der vergangenen Weltklimakonferenz, der unter anderem zu dieser Konferenz führte, nicht unterstützt hatte. Flasbarth würdigte die beteiligten Staaten als „Ausstiegsmacher“, die gemeinsam die beschleunigte Abkehr von fossilen Energien vorantreiben.

Deutschland müsse nun aber bestehende Lücken in der nationalen Umsetzung des eigenen Ausstiegs aus der Nutzung fossiler Rohstoffe schließen, mahnte Misereor-Energie-Referentin Madeleine Wörner. Impulse dafür habe die Konferenz in Santa Marta geliefert – etwa für konkrete, zeitlich terminierte Ausstiegspläne sowie den Abbau fossiler Subventionen.

Martin Kaiser, geschäftsführender Vorstand von Greenpeace Deutschland, konstatiert: „Während Deutschland in Santa Marta in der Allianz der Willigen am Fahrplan für eine Zukunft ohne Kohle, Öl und Gas arbeitet, kettet Wirtschaftsministerin Katherina Reiche das Land durch neue Gesetze weiter an Öl und Gas. Bundeskanzler Merz muss diesen Widerspruch im Sinne des Klimaschutzes auflösen.“ Manuel Grisard

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