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COP30Die Weltklimakonferenz in ihrer entscheidenden Phase

Drei Personen stehen lächelnd vor einer Wand mit dem COP30-Logo. Sie tragen formelle Kleidung und legen ihre Hände übereinander zu einem gemeinsamen Händedruck. Im Hintergrund steht „COP30 Brasil Amazônia Belém 2025“ und „Belém Climate Summit“.
Der deutsche Umweltminister Carsten Schneider (links) – gemeinsam mit Brasiliens Präsident Lula und Umweltministerin Silva – tut sich als progressiver Unterstützer eines ambitionierten Abschlusses der COP30 hervor. (Bild: Ricardo Stuckert / PR, flickr, CC BY-ND 4.0)

Die COP geht in ihre finalen Stunden. Und wieder einmal sind viele Fragen offen. Die internationale Klimafinanzierung? unklar. Ursprünglich nicht auf der Agenda, wird sogar über den Ausstieg aus den fossilen Energien debattiert. Das sorgt für Streit.

21.11.2025 – Redet man über nationale Klimapläne, die NDCs und den Ambition Gap, die Lücke zwischen den Klimaplänen und den Zielen im Pariser Klimaabkommen, dann schwingt die Abkehr oder der Ausstieg aus fossilen Energien immer mit. Fördern und verbrennen die Staaten immer weiter Kohle, Öl und Gas – und das auch noch teils in immensem Ausmaße – dann wird das nichts mit den Klimazielen – auch wenn manche der fragwürdigen Idee anhängen, mit CCS-Technologien würde schon alles gut.

Und trotzdem wird das Thema geflissentlich und regelmäßig auf Klimakonferenzen beiseite gewischt. Auf der COP28 in Dubai konnte sich die Staatengemeinschaft im Abschlussbericht immerhin auf eine „geordnete und gerechte“ Abkehr von fossilen Brennstoffen einigen. Was jedoch viel Spielraum für sogenannte Entwicklungsländer ließ und noch keinen konkreten Fahrplan enthielt.

Auf der diesjährigen COP30 in Belém, Brasilien, sollte das Thema, laut offizieller Agenda, eigentlich nicht angefasst werden. Prognostiziert wurde ein Fokus auf die internationale Klimafinanzierung, insbesondere mehr Gelder für Anpassung, und die Implementierung des Tropenwaldfonds. Doch jetzt, wenige Stunden vor dem offiziellen Ende der COP, ist der Ausstieg aus den fossilen Energien zentrales Thema.

„The Mutirão Call for a Fossil Fuel Roadmap“

Was war passiert? Bereits vor der Klimakonferenz hatte Kolumbien eine Roadmap für den Ausstieg aus den fossilen Energien eingebracht. Im September 2025 verkündete die kolumbianische Umweltministerin Irene Vélez Torres am Rande der UN-Generalversammlung in New York erstmals offiziell das Vorhaben: Kolumbien werde im April 2026 eine internationale Konferenz zum Ausstieg aus fossilen Energien ausrichten, um global Strategien zur Beendigung der Öl-, Gas- und Kohleförderung zu koordinieren. In Belém brachten Kolumbien und weitere diese Roadmap dann in die Verhandlungen ein und drängten darauf, dass die Staatengemeinschaft einen offiziellen Ausstiegsplan vereinbart.

Mehr und mehr Länder schlossen sich dem Inhalt an. In einer denkwürdigen Pressekonferenz am Mittwoch traten rund 20 Staaten auf und stellten sich hinter einen konkreten Fahrplan zum Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas – „The Mutirão Call for a Fossil Fuel Roadmap“ genannt. 83 Staaten unterstützen inzwischen den Plan. Die Klimabeauftragte der Marshall-Inseln, Tina Stege, erklärte am Mittwoch, ein globaler Abschied von fossilen Brennstoffen sei „entscheidend, um das 1,5°-Ziel lebendig zu halten“. Der deutsche Umweltminister Carsten Schneider sagte auf der Pressekonferenz: "Wir brauchen eine kollektive globale Anstrengung, eine Mutirão, um uns von den fossilen Energien zu befreien."

Die kolumbianische Roadmap-Idee sieht vor, dass alle Länder kooperativ einen Fahrplan zum schrittweisen, aber vollständigen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen entwickeln, mit dem Ziel ab 2050 CO2-Neutralität zu erreichen, also nicht mehr CO2-Emissionen auszustoßen als einzusparen. Dabei soll der Übergang „gerecht, geordnet und fair“ erfolgen, damit Entwicklungsländer nicht unverhältnismäßig belastet werden. Konkrete Maßnahmen, die in nationalen Fahrplänen verankert werden könnten, sind unter anderem das Beenden von Subventionen für fossile Energieträger und die Umlenkung dieser Finanzmittel in Klimaschutz und den Schutz von Wäldern.

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Nicht überraschend formierte sich jedoch Widerstand. Saudi-Arabien und weitere Petrostaaten wie Russland sowie große Schwellenländer wie China und Indien sprachen sich strikt gegen die kolumbianische Roadmap aus. Aus Angst, der fossile Ausstieg könnte einen gemeinsamen Abschlusstext – eine Cover Decision – gefährden, nahm die brasilianische COP-Präsidentschaft die Diskussion zum Fahrplan zunächst nicht in die offiziellen Verhandlungen auf.

29 Staaten – darunter Kolumbien, Chile, die Marshall-Inseln und zahlreiche EU-Länder – unterzeichneten einen eindringlichen Brief an die COP-Präsidentschaft, in dem sie androhten, kein Abschlusspapier mitzutragen, falls kein Fahrplan für den fossilen Ausstieg enthalten ist. „Wir können kein Ergebnis unterstützen, das keine Roadmap für den gerechten, geordneten und fairen Übergang weg von fossilen Brennstoffen enthält“, heißt es in dem Schreiben, das als rote Linie definiert wurde. Die kommenden Stunden bergen viel Spannung. Deutschland tut sich als vehementer Unterstützer des globalen Ausstiegs hervor.

Zusage zum Tropenwaldfonds

Viele glaubten schon nicht mehr daran, schließlich gab Deutschland doch noch während der COP eine konkrete finanzielle Zusage zum Tropenwaldfonds. Hatte Bundeskanzler Friedrich Merz kurz vor der Klimakonferenz, auf dem Leaders Summit, noch einen „namhaften Beitrag Deutschlands angekündigt, sagten Umweltminister Carsten Schneider und Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan am Mittwoch in Belém eine Milliarde US-Dollar zu.

Ziel des Waldfonds ist es, dass Erhalt, Schutz und Verbesserung tropischer Regenwaldgebiete wertvoller werden soll als deren Zerstörung. Mit der Bereitstellung von 25 Milliarden US-Dollar von Staaten und Philanthropen soll ein sogenannter Hebel ausgelöst werden, der dafür sorgt, dass auch private Kapitalgeber in den Fonds investieren. So soll der Fonds auf 125 Milliarden US-Dollar anwachsen. Kapital das wiederum am Markt investiert werden soll – etwa in Staatsanleihen von Schwellenländern, nachhaltige Wertpapiere und risiko-kontrollierte Anlagen. Die Erträge sollen genutzt werden, um Auszahlungen an Länder zu leisten, die sich um den Schutz ihrer Regenwaldflächen bemühen.

Umweltverbände hatten zuvor eine Zusage Deutschlands noch während der COP gefordert und einen Beitrag von 2,5 bis 3 Milliarden US-Dollar in den Raum gestellt. Trotzdem zeigten sich Vertreter:innen der NGOs erst einmal erfreut, dass eine kurzfristige Zusage erfolgte Martin Kaiser, geschäftsführender Vorstand von Greenpeace Deutschland, sagte: „Endlich kündigt Deutschland seinen Beitrag für den Tropenwaldfonds an, der in den nächsten Monaten glaubwürdig aufgestellt werden muss. Das politische Signal durch die deutsche Unterstützung für den TFFF kann helfen, die COP30 in Brasilien zum Erfolg zu bringen.“

Florian Titze, Leiter Internationale Politik beim WWF Deutschland, begrüßte die Entscheidung ebenfalls, sagte aber auch: „Nachdem bereits Norwegen drei Milliarden Euro versprochen hatte und Bundeskanzler Merz in diesem Kontext eine „namhafte Summe“ in Aussicht gestellt hatte, bleibt der deutsche Beitrag jedoch enttäuschend. Nicht nur gemessen an der vom Bundeskanzler selbst geschaffenen Erwartung, sondern auch an der Verantwortung Deutschlands für Wald- und Klimaschutz als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt.“ Aktuell ist der Fonds nach der Zusage Deutschlands 6,5 Milliarden US-Dollar schwer.

Klimafinanzierung weiter zu wenig

Ebenfalls eine Zusage gab Deutschland auf der COP30 zum Anpassungsfonds. Aktuellen Berechnungen des Umweltprogramms der Vereinten Nationen zufolge ist der Bedarf für die Klimaanpassung um das 12- bis 14-fache höher als die bislang zugesagten Mittel jetzt und in den kommenden Jahren. Lagen die Gelder für Klimaanpassung 2022 bei 28 Milliarden US-Dollar, waren es 2023 mit 26 Milliarden US-Dollar sogar noch weniger. Dabei hatte die Staatengemeinschaft auf der COP26 in Glasgow im Rahmen eines sogenannten Klimapaktes beschlossen, die Mittel für die Klimaanpassung bis 2025 zu verdoppeln, auf 40 Milliarden US-Dollar.

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Mit einer Zusage von 60 Millionen Euro, gab Deutschland den Startschuss für weitere dringend benötigte Zusagen. Ziel der Klimakonferenz ist es, den bisherigen Finanzfluss für Anpassung zumindest zu verdoppeln, wobei besonders betroffene Staaten der Klimakrise in Belém bereits forderten die Anpassungsfinanzierung zu verdreifachen. Tatsächlich enthält der am 21. November veröffentlichte Vertragsentwurf der COP30-Präsidentschaft die Aufforderung, die verfügbaren Gelder für Anpassung bis 2030 auf das Dreifache des Niveaus von 2025 zu steigern.

Weiter enorm bleibt auch die Lücke bei der Finanzierung für Schäden und Verluste. Bis einschließlich der letztjährigen COP29 in Baku, Aserbaidschan, hatten Staaten insgesamt rund 700 Mio. US-Dollar für den Loss-and-Damage-Fonds zugesagt – ein Bruchteil der jährlichen Schäden von geschätzt 1,3 Billionen US-Dollar weltweit. Auf COP30 kamen bis zum Ende der ersten Woche lediglich zwei neue Beiträge hinzu – unter anderem 20 Millionen von Spanien.

Gelder die alle in das New Collective Quantified Goal (NCQG) der internationalen Klimafinanzierung reinspielen. Die vor der COP veröffentlichte Baku to Belém Roadmap gibt einen möglichen Weg des Aufwuchses der jährlichen Klimafinanzierung auf 1,3 Billionen US-Dollar bis 2035 vor. Der Beschluss eines konkreten Fahrplans noch auf dieser Klimakonferenz erscheint unrealistisch. Offen ist, ob die COP30 zumindest ein Arbeitsprogramm zur Umsetzung des NCQG beschließt.

Entwicklungsländer und zivilgesellschaftliche Akteure fordern insbesondere einen höheren Anteil an Zuschüssen und nicht-verschuldungsfördernden Instrumenten, Schuldenerleichterungen und eine bessere Transparenz bei der Mittelbereitstellung. Zudem wird eine beschleunigte Mittelbereitstellung Multilateraler Entwicklungsbanken angemahnt, die inzwischen mehr und mehr Geld für die Klimafinanzierung mobilisiert. Die Industriestaaten mahnen weiterhin freiwillige Beiträge anderer Staaten an, sowie die Mobilisierung privater Mittel.

Nachdem ein Feuer auf dem COP-Gelände und großflächige Evakuierung, die Verhandlungen am gestrigen Donnerstag unterbrach, gingen und gehen die Verhandlungen noch in der Nacht und am heutigen Freitag intensiv weiter. Es sieht nach einer abermaligen Verlängerung der Klimakonferenz über den heutigen Tag, dem offiziellen Ende, aus. mg

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