Der Energiedialog am 20. Januar ist der Jahresauftakt für die Erneuerbaren Branche. Was sind die wichtigsten Themen, die an diesem Tag, aber auch in diesem Jahr auf der Agenda stehen?
Ursula Heinen-Esser: Es wird ein außerordentlich spannendes politisches Jahr werden, ein zentrales Jahr für die Erneuerbaren Branche. Das hängt natürlich zum einen von der EEG-Novelle ab, die in den nächsten Wochen und Monaten Gestalt annehmen wird. Sie ist das Herzstück dessen, was jetzt kommt. Auch das Gebäudemodernisierungsgesetz wird mit Spannung erwartet. Wir haben zudem die Themen Netzausbau und Kraftwerkstrategie auf der Agenda. Diese Themen werden wir beim Energiedialog mit dem Aufbau von Resilienz verbinden, die das deutsche Energiesystem so dringend braucht. Deshalb freuen uns auch besonders, den ukrainischen Botschafter als Redner gewonnen zu haben. Ein ambitioniertes erstes Halbjahr liegt also vor uns, sowohl auf Seiten des Bundestages als auch bei uns auf der Verbandsseite.
Zur EEG-Novelle hat der BEE ein Positionspapier veröffentlicht. Was sind die Kernpunkte, die Sie hier noch einmal besonders hervorheben wollen?
Das Allerwichtigste ist, das das Gesetz den tatsächlichen Ausbau der Erneuerbaren, mit dem wir ja gut vorangekommen sind, auch weiter gut ermöglicht. Der aktuelle Verweis auf den fehlenden Netzausbau darf den Ausbau erneuerbarer Anlagen nicht bremsen. Die Leitplanken müssen einfach gesetzt bleiben. Damit einher geht, dass ein realistischer Stromverbrauch als Bezugsgröße dient. Es gibt dazu verschiedene Auffassungen. Wir glauben, dass der Stromverbrauch am oberen Ende der jetzt betrachteten Szenarien im Energiewende-Monitoring liegen wird, denn manche Entwicklungen wurden noch nicht ausreichend berücksichtigt – etwa die zukünftigen Verbräuche von Rechenzentren, Elektromobilität und Wärmepumpen.
Die europäischen Regularien sehen vor, dass Beihilfen nur gewährt werden dürfen, wenn Übergewinne auch abgeschöpft werden. Differenzverträge sind das Stichwort. Auch hier hat der Verband bereits Vorschläge gemacht. Wie sehen sie aus und wie begründen Sie diese?
Uns ist wichtig, dass zu jedem Zeitpunkt die betriebswirtschaftliche Grundlange einer Erneuerbaren-Anlage sichergestellt ist. Die Anwendung von produktionsunabhängigen CfDs auf Basis der Einspeisung einer Referenzanlage wird der Vielfalt der Branche und der Anlagen nicht gerecht. Wenn reale Einspeisemengen die Grundlage bilden, sinkt das Finanzierungsrisiko bei Anlagenbetreibern und Investoren und sichert im Übrigen auch die Finanzierung künftiger Anlagen, denn für Banken oder Fonds muss es berechenbare Erlösprognosen geben. Interne Analysen unserer Experten zeigen, dass es zwischen den tatsächlichen bemessenen und den Referenzanlagen bis zu 20 Prozent Unterschied bei den pro Jahr eingespeisten Strommengen gibt. Das ist eine ganze Menge und wenn dann alle Anlagen über einen Kamm geschert werden, kann das im Einzelfall unrentabel werden.
Der BEE hat sich in der Vergangenheit dafür stark gemacht, dass Smart Meter auch von wettbewerblichen Messstellenbetreibern eingebaut werden dürfen. Bleiben Sie bei dieser Linie und was sind die Argumente dafür?
Wettbewerb hilft immer, Tempo und Effizienz zu schaffen. Das gilt auch beim Messstellenbetrieb. Wenn nur wenige große Unternehmen den Markt unter sich aufteilen, wird es noch länger dauern. Aber das können wir uns nicht mehr leisten, die Digitalisierung muss jetzt einfach schnell kommen. Ich bin Volkswirtin, ich kenne kein Beispiel, in dem ein Monopol oder Oligopol wirklich zur Marktdurchdringung, zu Wohlstand und Wohlfahrtsgewinn beigetragen hat. Das gibt es einfach nicht.
Wo sehen Sie positive Entwicklungen und Signale?
Zuletzt beim im Dezember beschlossenen Standortfördergesetz. Das ist sicherlich gut geeignet, privates Kapital auch tatsächlich zu mobilisieren. Auch vom Wildberger-Ministerium – das Ministerium für Digitales und Staatsmodernisierung – versprechen wir uns den tatsächlichen Abbau von Bürokratie. Und ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass auch das neue EEG am Ende etwas Positives bringt – vernünftige Leitplanken für den weiteren Ausbau der Erneuerbaren. Ich denke, dass die Koalitionsregierung in Berlin durchaus sieht, welchen Nutzen die Erneuerbaren haben, die inzwischen fast 60 Prozent der Stromerzeugung im Land stemmen. Von der Politik müssen die Rahmenbedingungen so gestaltet werden, dass es keine Marktunsicherheiten gibt. Leider ist das im Moment nicht so, wir wissen nicht, wohin die Reise geht. Aber ich hoffe, dass diese Unsicherheiten in den nächsten sechs Monaten überwunden werden.
Gibt es Baustellen bzw. Themen, die nur schwer Gehör finden in der Politik?
Naja, das gesamte Thema ist im Moment nicht die Nummer eins. Tempo und Standardisierung beim Netzausbau wird nicht prioritär gesehen, eher will man den Erneuerbaren Ausbau bremsen. Auch das Smart-Meter-Thema steht nicht so weit oben, wie es müsste. Wenn jetzt im ersten Halbjahr 2026 die Energiethemen, insbesondere die EEG-Novelle, auf die politische Agenda kommen, ist das eine Chance, alle damit verbunden Themen in einem vernünftigen großen Wurf hinzubekommen.
Welchen Aspekt möchten Sie noch hervorheben?
Im Zusammenspiel mit den Erneuerbaren sollte die Resilienz gewürdigt werden, die damit einhergeht. Die Erneuerbaren sind ein Garant für dezentrale Versorgungssicherheit, im Grunde auch ein Schutz vor großen Preisschocks. Und sie verhindern Abhängigkeiten, Stichwort russisches Erdöl oder Gas. Damit sind die Erneuerbaren ein realer Stabilitätsfaktor unserer Wirtschaft und können diese Stärke zukünftig noch weiter ausbauen.
Sie haben das Amt der Verbandspräsidentschaft im Oktober letzten Jahres übernommen. Wie sind ihre Eindrücke, wie hat Sie die Branche aufgenommen, was hat die letzten Monate ihre Arbeit geprägt?
Die Branche hat mich sehr offen aufgenommen und unterstützt mich sehr. Ich bin dem Thema zwar schon lange verhaftet, aber es ist doch etwas anderes, ganz konkret in der Branche unterwegs zu sein. Vom ersten Tag an waren die politischen Themen sehr fordernd, da gab es keine Schonfrist, es war ein Sprung ins kalte Wasser. Aber eine ruhige Einarbeitungsphase hatte ich auch nicht erwartet. Ich wurde ja dafür gewählt, mich ab Stunde Eins stark für die Erneuerbaren im politischen Berlin einzusetzen. Und das tue ich mit großer Freude.
Das Gespräch führte Petra Franke.




















































