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Klimaklage




HannoverEine effiziente Verwaltung für die Energiewende

Luftbild eines schlossähnlichen Gebäudes
Das neue Rathaus von Hannover – Hauptsitz der Hannoverschen Stadtverwaltung (Matthias104a - Eigenes Werk, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0)

Bis 2035 will Hannover klimaneutral werden und hat sich ehrgeizige Ziele beim Ausbau Erneuerbarer Energien und der Verkehrswende gesetzt. Entscheidend fürs Gelingen soll eine effiziente und gut vernetzte Verwaltung sein.

02.10.2023 – Bei der letzten veröffentlichten Energiebilanz der Region Hannover im Jahr 2020 spielten Erneuerbare Energien noch eine geringe Rolle. Der Anteil des Stromverbrauchs durch lokale Erneuerbare Energien lag bei 20 Prozent (Zum Vergleich: der Bundesdurchschnitt lag zu diesem Zeitpunkt bei 52 Prozent). Zur Endenergiebilanz trugen regenerative Energien sogar nur 2 Prozent bei. Das Ziel einer 40-prozentigen Treibhausgasreduktion gegenüber 1990 wurde verfehlt und lag 2020 bei Minus 34,5 Prozent und jährlichen Pro-Kopf-Emissionen von 6,6 t CO2-Äquivalenten in der Region mit fast 1,2 Millionen Einwohnern. Eine nächste ausführliche Bilanz soll 2025 erfolgen.

Ausbau Erneuerbarer Energien

Ob sich die Zahlen für den Klimaschutz bis dahin deutlich verbessert haben, bleibt abzuwarten. Die Ziele der Region Hannover sind indes ehrgeizig. Bis 2035 sollen die Stadt und das Umland klimaneutral werden. Aktuell produzieren in der Region 265 Windenergieanlagen Strom. Das sind zehn mehr als noch Ende 2020. Bis 2024 wollen die politisch Verantwortlichen 41 Vorranggebiete für 370 Windräder auf 2,5 Prozent der Regionsfläche ausweisen. Das wäre doppelt so viel wie aktuell und 61,6 mal so viele Windräder, wie das Land Bayern in einem Jahr baut und der Umweltminister Niedersachsens, Christian Meyer, via X kommentierte.

Die installierte Photovoltaik-Leistung in der Region beträgt aktuell 72,53 Megawatt, verteilt auf 8.344 Anlagen. Der Zuwachs nahm bereits in den vergangenen Jahren deutlich an Fahrt auf. Dazu beigetragen hat unter anderem die sogenannte Dach-Solar-Richtlinie, die seit 2020 existiert und vorerst bis 2025 fortgeführt wird. Dabei werden Privatpersonen wie Gewerbebetreibende finanziell bei einer Dachdämmung unterstützt, wenn diese zusätzlich PV-Anlagen auf ihren Dächern installieren. Die Förderung je Quadratmeter gedämmter Dachfläche beträgt 50 Euro und ist pro Gebäude auf maximal 50.000 Euro begrenzt. Dafür stehen jährlich 2,5 Millionen Euro Fördervolumen bereit.

Über ein Solarkataster lässt sich jedes Dach in der Region online auf die Eignung für eine Solaranlage prüfen. Von 2023 bis 2025 stellt die Region Hannover zudem insgesamt 275.000 Euro bereit, um ihren Kommunen die Planung von Photovoltaik-Anlagen auf öffentlichen Gebäuden zu erleichtern. In Vorbereitung ist, den Ausbau von PV auf Freiflächen durch ein geändertes regionales Raumordnungsprogramm deutlich zu erleichtern. Der Photovoltaik und der Windkraft helfen wird voraussichtlich auch ein neues Gesetz, das die niedersächsische Landesregierung plant und wonach künftig 20 Prozent der beim Betrieb der erneuerbaren Energien anfallenden Gewinne an Kommunen, Nachbar:innen und Energiegenossenschaften abgeführt werden sollen.

Manpower in der Verwaltung

Schon beim Ausbau Erneuerbarer Energien bedarf es guter Planung und Beratung. Die Regionsverwaltung Hannovers mit ihren etwa 3.000 Mitarbeitenden bündelt ihre Klimaschutz- und Energiewende-Aktivitäten in dem seit Februar 2023 bestehenden Fachbereich Energie und Klima. Aktuell erarbeitet die Region Hannover mit dem Klimaplan 2035 eine neue Grundlage zur Klimaneutralität. „Hauptbestandteil ist die Erstellung regionaler Szenarien, welche die möglichen Entwicklungen der Endenergieverbräuche und Treibhausgasemissionen bis 2035 in der Region untersuchen“, zitiert die Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) Jens Palandt, Dezernent für Umwelt, Klima, Planung und Bauen der Region Hannover.

Die AEE hat die Region Hannover zur Energiekommune des Monats September ausgezeichnet. Vorangetrieben wird das Projekt Klimaneutralität zudem vom Kuratorium Klimaschutzregion Hannover. Das Netzwerk besteht aktuell aus mehr als 50 Mitgliedern und Gästen und soll vor allem die Informationsvermittlung in der Region stärken. Gemeinsam vernetzen Regionsverwaltung und Kuratorium relevante Fach-Akteure in der Region, um den Erneuerbaren Ausbau voranzutreiben. Derweil würden auch in den Städten und Gemeinden selbst Klimaschutzprogramme erarbeitet oder befinden sich bereits in der Umsetzung, so Palandt.

Konkrete Planungen für Wärme und Mobilität

Sehr weit ist bereits die Stadt Hannover mit ihren über 500.000 Einwohnern. Laut Vorgabe der Landesregierung Niedersachsens, müssen alle Kommunen des Landes bis 2026 eine verpflichtende Wärmeplanung vorlegen und damit zwei Jahre früher als vom Bund vorgegeben. Hannover als Großstadt indes muss auch laut Bund 2026 fertig sein, wird aber wohl schon deutlich früher einen Plan vorlegen. Noch in diesem Jahr will die Stadtverwaltung die Planung abgeschlossen haben. Im kommenden Jahr will die Stadt die Bürger:innen beteiligen und dem Rat einen Beschlussentwurf vorlegen. Die Planungen erfolgen in Zusammenarbeit mit dem größten Energiedienstleister der Stadt enercity.

Wie die enercity-Vorstandsvorsitzende Susanna Zapreva bei einer Pressekonferenz im Juli erklärte, habe ihr Unternehmen die Wärmeplanung für Hannover und auch den Kohleausstieg bereits im Jahr 2017 umgesetzt. Und Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay sagte: „Wir möchten allen Hannoveraner:innen zügig eine Orientierungshilfe zu zukunftsfähigen Heizsystemen im Quartier bieten. Dank enercity können wir rund zwei Jahre schneller sein als von Bund und Land gefordert.“ Schon jetzt können die Einwohner der Stadt auf einer Webseite ermitteln, ob ihre Adresse sich in einem Fernwärmesatzungs- bzw. Fernwärmeeignungsgebiet, in einem potenziellen Nahwärmegebiet oder in einem Gebiet für dezentrale Wärmelösungen befindet.

Zudem legten Onay und Stadtverwaltung im September einen Plan für den Umbau von Hannovers Innenstadt vor, der in Deutschland seinesgleichen sucht. Bis 2030 soll Hannovers Zentrum nahezu Autofrei sein. Autofrei bedeute laut Onay, dass „kein Auto zu viel in der Stadt“ sei. Anlieger:innen könnten weiterhin auf ihren privaten Stellplätzen parken. Auch Taxen, Lieferverkehr und Menschen mit Behinderung hätten weiterhin ungehindert Zugang. Für fast alle anderen gelte jedoch, dass in der Innenstadt nur noch Parkhäuser anfahrbar sind. Viele andere Parkmöglichkeiten sollen drastisch reduziert werden, um mehr Platz für Fußgänger:innen, Radfahrer:innen, den ÖPNV und mehr Stadtgrün zu schaffen.

Zwei Tunnel neben dem Hauptbahnhof etwa werden für den motorisierten Verkehr gesperrt und rein für den Fuß- und Radverkehr geöffnet. Thomas Vielhaber, Stadtbaurat, erläuterte: „Die Tunnel haben derzeit auf viele Menschen eine abschreckende Wirkung. Sie sind laut, teils verdreckt und schlecht beleuchtet. Genau hier setzen wir an und machen sie attraktiver.“ Dies sei insbesondere sinnvoll, da der Posttunnel künftig auch zum Umstieg der Bahnreisenden genutzt werden soll. Mit dem Auto erreichbar bleibt der Bahnhofsvorplatz über die Joachimstraße und die Kurt-Schumacher-Straße. Anfang kommenden Jahres sollen die Umbauarbeiten beginnen.

In der gesamten Region soll der nachhaltige Verkehr gestärkt werden. Während der Pkw-Verkehr elektrifiziert und halbiert werden soll, ist die Verdopplung der Fahrrad- und ÖPNV-Leistung geplant. Zudem sollen weitere Alternativen zum privaten Pkw geschaffen werden, wie Carsharing, On-Demand-Services und Leihfahrräder mit und ohne Motor oder Lastenräder. Zusätzliche Ladeinfrastrukturen sollen den Umstieg vom Verbrenner erleichtern. Klimaneutralität bedeutet indes auch Kohlenstoffsenken zu erhalten und fördern. Moore gelten als besonders wirksamer CO2-Speicher, wurden aber in der Region Hannover vielfach durch Entwässerung nutzbar gemacht. Dies soll nun wieder umgekehrt werden. mg

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