Europäische Kommission – AccelerateEU: Energieeffizienz ist kein Nice-to-have in Zeiten von Energiekrisen

Im Strategiepapier AccelerateEU liegt der Fokus auf Energieeffizienz für Energiesicherheit, Preisstabilität und Energieunabhängigkeit. Doch parallel und kontraproduktiv dazu irritiert die deutsche Regierung mit Abschwächung zentraler Maßnahmen.
28.04.2026 – Die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz e. V. (DENEFF) begrüßt, dass EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen mit der vor kurzem vorgelegten Strategie AccelerateEUdie Bedeutung von Energieeffizienz für Energiesicherheit, Preisstabilität und Energieunabhängigkeit klar hervorhebt. In ihrer Erklärung zu den Folgen der Lage im Nahen Osten betonte sie, dass die günstigste Energie jene sei, die gar nicht erst verbraucht wird, und nannte ausdrücklich die Sanierung von Gebäuden sowie die Erneuerung energieintensiver Industrieanlagen als zentrale Hebel.
EU-Kommission will Katalog mit Effizienz- und Dekarbonisierungsmaßnahmen vorlegen
Laut der Ankündigung zu AccelerateEU will die EU-Kommission vor dem informellen Treffen der EU-Energieminister in Zypern am 13. Mai einen Katalog mit wirksamen Energiespar- und Fossilsubstitutionsmaßnahmen vorlegen. Die DENEFF hatte bereits mehrfach Vorschläge für ein strategisches Energiesparpaket, damals für Deutschland, vorgelegt.
Besonders positiv bei AccelerateEU ist aus Sicht der DENEFF, dass die Mitgliedstaaten darin ausdrücklich aufgefordert werden sollen, die Dekarbonisierung industrieller Prozesswärme voranzutreiben, Energieeffizienzmaßnahmen zu beschleunigen und Energiedienstleister, kurz ESCOs, stärker einzubinden. Zudem sei zu begrüßen, dass die Kommission auch den Gebäudebereich ausdrücklich bei Sofortmaßnahmen zur Entlastung in den Blick nimmt.
Der Entwurf sieht zudem vor, Energieaudits und die Umsetzung besonders wirtschaftlicher Maßnahmen gegen Wärmeverluste aus Industrieprozessen gezielt anzureizen. Insbesondere sollen Unternehmen angehalten werden, Maßnahmen aus Energieaudits umzusetzen, wenn deren Amortisationszeit unter einem festzulegenden Schwellenwert liegt – als Beispiel werden drei Jahre genannt.
„Die EU-Kommission erkennt sehr klar, welche zentrale Rolle Energieeffizienz wirklich hat: Energieeffizienz ist kein Nice-to-have, sondern die erste Verteidigungslinie gegen Preisrisiken, Importabhängigkeit und weitere Kostenlawinen im Energiesystem. Dass Brüssel ausgerechnet die Umsetzung wirtschaftlicher Effizienzmaßnahmen, die Dekarbonisierung der industriellen Prozesswärme und ESCOs stärken will, ist ein wichtiges Signal für Industrie und Mittelstand, aber auch die deutsche Bundesregierung“, sagt Christian Noll, geschäftsführender Vorstand von DENEFF.
BMWE betreibt währenddessen Aufweichung des Energieeffizienzgesetzes
Irritierend wäre jedoch, dass die Bundesregierung zeitgleich mit der geplanten Novelle des Energieeffizienzgesetzes (EnEfG) zentrale Steuerungsinstrumente schwächen will, darunter die Einsparbeiträge des Bundes und der Länder zur Umsetzung der Effizienzrichtlinie (Artikel 8, EED) sowie Anforderungen an das Energiemanagement, Rechenzentren und Abwärme-Vermeidung und -nutzung.
Die DENEFF hat in ihrer Stellungnahme darauf hingewiesen, dass der Referentenentwurf wichtige Standards aushöhlt, zentrale Instrumente zur Steigerung der Energieeffizienz schwächt oder ganz streicht und damit steigende Kosten, ineffiziente Steuerung und Abhängigkeiten zementiere. Aus Sicht der DENEFF läuft dies den Signalen aus Brüssel diametral entgegen.
„Wenn auf europäischer Ebene Energieaudits, Effizienzmaßnahmen und neue Energiedienstleistungsmodelle gestärkt werden sollen, kann Berlin nicht gleichzeitig das dafür maßgebliche Energieeffizienzgesetz entkernen. Deutschland sollte die Empfehlungen der EU-Kommission ernst nehmen und seine Effizienzpolitik nicht in diesem entscheidenden Moment ausgerechnet abschwächen, sondern stärken. In Zeiten der zweiten großen Energiekrise in weniger als fünf Jahren braucht Deutschland mehr Energieeffizienz, nicht weniger“, so Noll.
Bundesregierung muss sich entscheiden: abhängig bleiben oder effizienter werden
Die DENEFF fordert die Bundesregierung daher auf, die geplanten Abschwächungen des EnEfG zurückzunehmen, die Umsetzung wirtschaftlicher Effizienzmaßnahmen zu stärken und die Prozesswärmedekarbonisierung konsequent zu unterstützen. Gerade jetzt brauche die Industrie einen verlässlichen Rahmen für Investitionen in Effizienz, Elektrifizierung und Energiedienstleistungen – nicht neue Unsicherheit, warnt der Verband. na























































