Energiedialog 2026Energiewende-Pfad nicht verlassen, Resilienz stärken

Ursula Heinen-Esser am Sprecherpult
BEE-Präsidentin Ursula Heinen-Esser eröffnete den Energiedialog 2026. (Foto: energiezukunft / Petra Franke)

Der Energiedialog des BEE thematisierte die energiepolitischen Akzente für das Jahr 2026. Die Branche erwartet, dass die Politik Planungssicherheit und damit Investitionen ermöglicht. Auch die Resilienz des Energiesystems fußt auf den Erneuerbaren.

22.01.2026 – Mit 90 anwesenden Gästen und über 4.000 Online-Teilnehmenden startete die Erneuerbaren Branche beim Energiedialog ins Jahr 2026. Die Präsidentin des Bundesverbands Erneuerbare Energien (BEE), Ursula Heinen-Esser, verwies in ihrer Eröffnungsrede auf die ausstehenden richtungsweisenden Entscheidungen für die Energiewende und die Landtagswahlen in fünf Bundesländern.

Fest steht, dass die Novellen zum EEG und zum Gebäudeenergiegesetz (GEG) sowie wichtige Weichenstellungen beim Netzausbau und der Digitalisierung zentrale Hebel für die nächste Phase der Energiewende in Bewegung setzen. Verlässliche politische Leitplanken, Planungssicherheit und praxistaugliche Regelungen seien für die Branche entscheidend, um Investitionen zu ermöglichen und den Ausbau weiter voranzubringen.

Nach Ansicht von Heinen-Esser hat die Branche allen Grund zum Optimismus: Die Erneuerbaren Energien waren noch nie so wichtig wie heute, sind systemsetzend und stärken in unruhigen Zeiten Resilienz und Versorgungssicherheit. Man sei auf einem guten Pfad zu 80 Prozent Erneuerbaren am Stromsystem bis 2030.  Zudem sei die Energiewende ein Projekt vieler und längst nicht mehr nur Klimaschutzprojekt, sondern auch ein Wirtschaftsprojekt. Doch nach wie vor müssten die Unternehmen der Branche für die Erneuerbaren werben und ihre Stärken in die Breite tragen.

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Mit einem Augenzwinkern an den anwesenden Staatssekretär gab Heinen-Esser zu verstehen, dass Regierung und Parlament angesichts der vielen großen Aufgaben im Energiesektor beim Gebäudemodernisierungsgesetz nicht so stark Hand anlegen müssten. Die 65-Prozent-Regel sollte unbedingt beibehalten, etwas mehr Flexibilität ermöglicht und ansonsten alles so belassen werden wie es ist.

Grober Zeitplan aus dem Bundeswirtschaftsministerium

Frank Wetzel, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, versicherte, dass intensiv an den Gesetzesvorhaben gearbeitet werde, das Ministerium aber gleichzeitig angehalten sei, Personal einzusparen. Für den Energiesektor sei außerdem die Suche nach internationalen Partnern derzeit eine wichtige Aufgabe. Wetzel betonte: „Wir sollten uns einig sein, dass wir gemeinsame Ziele verfolgen. Dann können wir auch über unterschiedliche Interessen und Schwerpunkte diskutieren.“

Die schwarz-rote Koalition wolle den Kurs fortführen, allerdings auch Korrekturen vornehmen. In der Kraftwerkstrategie sei dies bereits sichtbar geworden. Sie wurde kürzlich etwas anders als von der Ampel geplant vorgestellt und sei zugleich das erste Element eines späteren Kapazitätsmarktes. In diesem Jahr sind Ausschreibungen für neue flexible Kapazitäten geplant, im nächsten Jahr sollen dann Ausschreibungen für Bestands-Kapazitäten folgen. Stufenweise sollen dann ab 2040 die neu gebauten Gaskraftwerke auf den Betrieb mit Wasserstoff umstellen. Die gesetzlichen Grundlagen für den Kapazitätsmarkt kündigte Wetzel für 2027 an.

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Ein Kabinettbeschluss für die EEG-Novelle wird für das erste Quartal 2026 angestrebt. Ziel sei es, die Systemkosten zu senken und Preissignale stärker unverzerrt bei den Anlagenbetreibern ankommen zu lassen. Insgesamt solle mehr Markt und Verlässlichkeit in das System gebracht werden.

Zum Heizungsgesetz verwies Wetzel auf den Koalitionsvertrag, der ausdrücklich Veränderungen vorsieht. „Wir hatten ein Akzeptanzproblem mit diesem Gesetz, dem müssen wir uns stellen.“ Aber auch die Finanzierung der Wärmewende sei im Fokus der Politik, denn die enormen Investitionen sind für Kommunen und Länder, aber auch für private Akteure eine Herausforderung.

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Wir müssen am Leben bleiben

Der Botschafter der Ukraine in Deutschland Oleksii Makeiev berichtete eindrücklich vom Alltag seiner Mutter in Kiew in diesen Tagen. Sie harrt bei Außentemperaturen von minus 15 Grad in einer kalten Wohnung aus, hat nur wenige Stunden Strom am Tag. Der kleine Energiespeicher, der in den wenigen Stunden mit Strom aufgeladen wird, reicht, um den Kühlschrank zu betreiben, eine warme Wohnung schafft er nicht.

Auch das Außenministerium und viele andere öffentliche Einrichtungen seien derzeit ohne Strom und Wasser. Die Dieselgeneratoren der Notstromaggregate gehören inzwischen zur Soundkulisse ukrainischer Städte, sie versorgen Ministerien und Krankenhäuser, Schulen und Kindergärten. Kraftwerke, Umspannwerke, Leitungsnetze waren und sind bevorzugte Ziele, die vermehrten Angriffe gerade jetzt bei großer Kälte sind eine besonders perfide Strategie des russischen Aggressors.

Viele Probleme rührten auch daher, dass das größte ukrainische Atomkraftwerk in Saporischschja unter russischer Kontrolle steht. Makeiev schlug einen Bogen nach Berlin: Der großflächige und mehrere Tage andauernde Stromausfall in Berlin habe gezeigt, dass selbst in stabilen Umgebungen die Energieinfrastruktur verletzlich ist.

Kommunikation ist entscheidend

Besonders wichtig sei in solchen Situationen die Kommunikation mit dem Kunden, betonte der Botschafter. Zu wissen, wann es Strom gibt, wann die Fahrstühle benutzbar sind, die Handys aufgeladen werden können, sei mindestens genauso wichtig wie die Energielieferung selbst. Auch in deutschen Städten sollte man sich darüber Gedanken machen, wie in Ausnahmesituationen Informationen fließen können. „Die Menschen in der Ukraine machen gerade absolut außergewöhnliche Erfahrungen, von denen die Europäer viel lernen könnten. Dezentrale Lösungen und Speicher, Schutz von neuralgischen Punkten, Schaffung von Reserven – all das sind Vorsorgemaßnahmen, die die Resilienz stärken.“

Die Anwesenden bedachten die Rede des ukrainischen Botschafters mit stehendem Applaus.

„Die Politik rauslassen“

Nach einem sehr lebendigen Vortrag von Stefan Liesner zum Beitrag der Kraft-Wärme-Kopplung zur Resilienz folgte eine abschließende Fokusdiskussion. Janina Mütze, Geschäftsführerin des Meinungsforschungsunternehmens Civey, setzte einen bemerkenswerten Akzent.

Auf die Frage, wie die Menschen derzeit auf die Energiewende blicken, berichtete Mütze, dass „die Energiewende in den Köpfen der Menschen vor einigen Jahren positiver besetzt war, derzeit polarisiert sie und ist politisch aufgeladen.“ Zwei von drei Deutschen fühlten sich von der Energiewende persönlich betroffen und sorgten sich vor finanzieller Überforderung. Für die Akzeptanz der Energiewende sei es wichtig, dass Menschen wieder mehr Orientierung und Planungssicherheit erhalten. 

Nach ihrem Rat an die Branche befragt, antwortete sie: „Die Politik rausnehmen“ und erklärte: „Unternehmen können hier eine wichtige Rolle übernehmen, indem sie sich auf die direkte Beziehung zu ihren Kundinnen und Kunden konzentrieren und mit guten Produkten sowie verständlicher Kommunikation überzeugen. So lässt sich die Debatte entpolitisieren und versachlichen." Petra Franke

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