EU-Aktionsplan: Europa elektrifizieren

Die EU-Kommission will Europa elektrifizieren. Bis 2040 soll der Stromanteil am Energiebedarf verdoppelt werden, um Importkosten und Abhängigkeiten zu senken. Auch für Verbraucher sollen die Stromkosten sinken.
20.07.2026 – Am vergangenen Freitag hat die EU-Kommission ihren Aktionsplan zur Elektrifizierung und einen Vorschlag zur Änderung der Strombinnenmarkt-Verordnung vorgestellt. Erklärtes Ziel ist, dass sauberer Strom dauerhaft günstiger werden muss als fossile Energieträger wie Öl und Gas. Erneuerbarer, in Europa hergestellter Strom schützt vor fossilen Preisschocks und geopolitischen Abhängigkeiten, betont die Europäische Kommission.
Sauberer Strom nimmt zu, aber Elektrifizierung stagniert
Nahezu die Hälfte des Strombedarfs in der EU wird bereits durch Erneuerbare Energiequellen gedeckt – Tendenz steigend.
Während der Stromsektorbereits erhebliche Fortschritte macht, stagniert die Elektrifizierungsrate des Gesamtenergiebedarfs seit einem Jahrzehnt bei 23 Prozent. Besonders der Industrie-, Verkehrs- und Gebäudesektor hinkt hinterher.
Die EU-Kommission will nun ein Elektrifizierungsziel von 46 Prozent bis 2040 prüfen. Die Verdopplung der derzeitigen Quote könnte die Importkosten für fossile Brennstoffe bis 2040 um 260 Milliarden Euro senken.Gasimporte könnten um mehr als 70 Prozent und Rohölimporte um mehr als 40 Prozent sinken.
Das Ziel steht allerdings noch unter Vorbehalt, bis voraussichtlich im Vierten Quartal die Folgenabschätzung zum Post-2030-Energiepaket bekannt wird.
Strom soll im Verhältnis zu fossilen Energien günstiger werden
Künftig sollen Staaten Strom nicht mehr höher besteuern dürfen als Erdgas. Konkret soll Strom für Haushalte maximal das 2,5-Fache und für die Industrie das 2-Fache des Gaspreises kosten. Auch Netzentgelte sollen für bestimmte Verbrauchsgruppen reduziert werden.
Bisher war Strom in vielen EU-Ländern mit hohen Steuern und Umlagen belastet, während fossiles Gas subventioniert oder sehr gering besteuert wird. Das führt dazu, dass Strom oft mehr als das Dreifache von Gas kostet. Sollte die Novelle angenommen werden, müssten Länder wie Deutschland ihre Stromsteuer auf das Europäische Minimum von nahezu null senken.
Verbraucherrechte stärken
Neben Abgaben will die EU-Kommission auch physische Hürden abbauen und den Rechtsanspruch von Verbrauchern auf den Einbau intelligenter Stromzähler stärken. Denn mit Smart Metern und flexiblen Stromtarifen können Verbraucher sich flexibel anpassen, von Einspeisespitzen von Wind- und Sonnenstrom profitieren, und dabei noch das Netz entlasten.
Im Jahr 2024 verfügte in 16 EU-Ländern laut dem Think Tank Ember mindestens die Hälfte der Haushalte über einen Smart Meter – allerdings sehr ungleich verteilt. Während der Anteil in Italien, Frankreich und Spanien bei über 90 Prozent liegt, haben etwa in Deutschland unter 5 Prozent der Verbraucher einen Smart Meter.
Kostenvorteile für Wärmepumpen und E-Autos
Zu den Zielen gehört auch, die Wärmepumpen-Installationsrate von 2,4 Millionen pro Jahr in 2025 auf 4 Millionen pro Jahr bis 2030 zu steigern. Eine Gasheizung macht aus einer Kilowattstunde (kWh) Gas im besten Fall auch knapp eine kWh Wärme. Eine moderne Wärmepumpe macht hingegen aus einer kWh Strom drei bis vier kWh Wärme. Selbst wenn Strom das 2,5-Fache von Gas kostet, heizt die Wärmepumpe deutlich günstiger. Ein durchschnittlicher Haushalt könnte seine Heizkosten so laut EU-Kommission um bis zu 60 Prozent senken.
Noch deutlicher zeigt sich der unterschiedliche Wirkungsgrad beim Auto. Ein Verbrennungsmotor setzt etwa 20 bis 30 Prozent des Benzins oder Diesels in Bewegungsenergie um, der Rest verpufft als Hitze. Bei einem E-Auto ist das Verhältnis umgekehrt: Es setzt über 80 Prozent der elektrischen Energie direkt in Bewegung um. Werden die Stromkosten wie geplant gesenkt, spart ein E-Auto im Vergleich mit einem Verbrenner bis zu 78 Prozent der laufenden Energiekosten.
Das absolute Minimum für Europas Zukunft
Aus Deutschland kommt ein gemischtes Echo. BDEW und VKU halten ein eigenes Elektrifizierungsziel für unnötig und fürchten mehr Bürokratie. Energieexperten und Analysten begrüßen hingegen den Vorstoß der EU-Kommission.
„Der Aktionsplan der Kommission konzentriert sich auf die richtigen Themen, insbesondere auf die Bekämpfung der hohen Strombesteuerung und darauf sicherzustellen, dass die neue Stromnachfrage flexibel ist“, kommentiert etwa Chris Rosslowe, Senior Energy Analyst bei Ember. Die Umsetzung dieses Plans sei das absolute Minimum, das erforderlich sei, um eine wettbewerbsfähigere Zukunft für Europa zu erschließen, angetrieben durch saubere Energie aus heimischer Erzeugung.
Mit dem Start der Trilogverhandlungen zu den Vorschlägen ist frühestens im ersten Halbjahr 2027 zu rechnen. jb


















































