Deutschlands Roadmap zur Abkehr von fossilen Energien: Fahrplan ohne neue Richtung

Deutschland hat auf dem internationalen Parkett einen eigenen Fahrplan zur Abkehr von fossilen Energien vorgelegt. Neue Ziele enthält die Roadmap allerdings kaum. Aktuelle politische Vorhaben weisen sogar in eine andere Richtung.
24.09.2026 – Man kann Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) nicht vorwerfen, er bemühe sich nicht um Klimaschutz. Bei internationalen Klimaverhandlungen tritt er stets als Verfechter einer schnellen Abkehr von fossilen Energien auf. Sein Ministerium ist für das Monitoring des deutschen Klimaschutzprogramms verantwortlich, doch die Hoheit über die Umsetzung der Energie- und Verkehrswende liegt in unionsgeführten Ministerien. Und insbesondere Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche scheint u. a. mit der EEG-Novelle und dem sogenannten Netzanschlusspaket andere Vorstellungen zu haben.
Da verwundert es nicht, dass die gestrige Vorstellung der „Roadmap zur Abkehr von fossilen Energien“ durch das Umweltministerium nicht zu Jubelstürmen bei der Klimabewegung führte. Hintergrund ist zunächst der gemeinsame Beschluss der Staatengemeinschaft auf der COP28 in Dubai zur grundsätzlichen Abkehr von fossilen Energien, der jedoch mit vielen „Abers“ versehen war.
Auf der COP30 im brasilianischen Belém schloss sich eine Gemeinschaft von Staaten zusammen, um den Ausstieg aus fossilen Energien stärker voranzutreiben. Höhepunkt dieser Initiative war bislang die „1st Conference on Transitioning away from fossil fuels“ in Kolumbien im April dieses Jahres. Eine Koalition von Willigen zeigte dort, wie die vollständige Abkehr von fossilen Energien grundsätzlich gelingen kann. Deutschland hatte den Prozess auf der COP30 zunächst nicht unterstützt, auf der Konferenz in Kolumbien aber war immerhin Staatssekretär Jochen Flasbarth aus dem Umweltministerium vertreten und bekräftigte Deutschlands Beitrag zu diesem Prozess.
Erst das dritte Land
Aussagen aus dem Umweltministerium zufolge sei Deutschland erst das dritte Land, das eine eigene Roadmap zum Ausstieg aus den fossilen Energien vorstellt. Umweltminister Schneider erklärte dazu am gestrigen Mittwoch: „Immer mehr Ländern wird bewusst, wie teuer und wie gefährlich die Abhängigkeiten von fossilen Energien sind. Wenn die Lage an der Straße von Hormus darüber entscheidet, ob Menschen sich den täglichen Weg zur Arbeit noch leisten können, ist das kein guter Zustand.“
Man müsse die Abhängigkeit von fossilen Energien überwinden. „Mit diesem Fahrplan legen wir nicht nur eine Klimastrategie vor, sondern auch eine wirtschaftspolitische Strategie. Das Geld, das wir bisher für den Import von Öl und Gas ausgeben müssen, fließt künftig verstärkt in lokale Wertschöpfung“, so Schneider.
Doch die Roadmap beinhaltet wenig Neues. Bekannt sind u. a.: Klimaneutralität und Abkehr von energetischer fossiler Nutzung bis 2045; mindestens 80 Prozent erneuerbarer Strom bis 2030; zusätzliche 12 Gigawatt Wind an Land; Kohleausstieg bis spätestens 2038, mit Möglichkeit eines früheren Endes; H₂-ready-Gaskraftwerke und klimaneutraler Kraftwerkspark bis 2045; E-Auto-Förderung und Ausbau der Ladeinfrastruktur sowie das neue Gebäudemodernisierungsgesetz.
Es sind Ziele, die teilweise schon in vergangenen Legislaturperioden beschlossen wurden. Und mehr noch: Sie drohen in der aktuellen Legislatur gebremst zu werden. Fentje Jacobsen, Co-Leiterin Klimaschutz und Energiepolitik beim WWF Deutschland, sagte nach Bekanntwerden der Roadmap: „Eine deutsche Roadmap ist ein wichtiges Signal für die internationale Gemeinschaft und beflügelt hoffentlich die Entstehung weiterer Roadmaps bis zur großen Klimakonferenz im November. Doch dem Signal fehlt der Strom. Denn inhaltlich zeigt sich auch hier wieder einmal die fatale Schere zwischen Deutschlands internationalem Auftreten und nationalem Handeln.“
Zum einen schreibe die Roadmap im Wesentlichen die bereits bestehenden Ziele fort, die hinter dem Notwendigen zurückbleiben, ohne neue Impulse oder zusätzliche Ambitionen zu setzen. Zum anderen stehe die aktuelle Politik der Bundesregierung einer Abkehr von fossilen Energien entgegen.
Bremsende Maßnahmen
Da ist z. B. das Gebäudemodernisierungsgesetz, das im Juli offiziell verabschiedet wurde. Damit wurde ein wesentlicher Punkt der vorherigen Novelle des Gebäudeenergiegesetzes zurückgenommen: die 65-Prozent-Regel zum Einbau von Heizungen mit dem entsprechenden Mindestanteil erneuerbarer Energien.
Stattdessen wurde eine in ihrer Ausgestaltung und Wirkung unklare Biotreppe eingeführt, die auch noch hohe Kosten verursachen könnte. Die ebenfalls in der Roadmap genannten Ziele von mindestens 30 Prozent erneuerbarer Wärme oder Abwärme in Wärmenetzen 2030 und 80 Prozent 2040 könnten damit in weite Ferne rücken.
Auch das Ziel eines Anteils von mindestens 80 Prozent erneuerbaren Stroms 2030 droht zu reißen, wenn, wie von der Erneuerbaren-Branche befürchtet, EEG-Novelle, Netzpaket und AgNes-Prozess in ihren jetzigen Ausgestaltungen verabschiedet werden. Vorschläge, wie die Reformen besser angegangen werden können, liegen auf dem Tisch.
Eines der zentralen Themen der Klimakonferenz in Kolumbien im April war im Übrigen die Abkehr von fossilen Subventionen. In Deutschland aber bleiben fossile Subventionen seit Jahren auf konstant hohem Niveau. Zuletzt beschloss die Bundesregierung zum zweiten Mal in diesem Jahr einen Tankrabatt, der das Fahren mit einem Verbrenner-Auto zeitweise wieder günstiger macht. Auch die milliardenschwere Förderung von Gaskraftwerken steht einer Abkehr von fossilen Subventionen entgegen.
Das Umweltministerium erhofft sich derweil, dass Deutschland mit seinem Fahrplan weitere Dynamik für den Prozess der Abkehr von fossilen Energien erzeugen kann, damit so viele Länder wie möglich ihre jeweiligen Pläne konkretisieren. Am gestrigen Mittwoch stellte Umweltminister Schneider die Roadmap bei der UN-Generalversammlung in New York vor. mg

























































