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Gefahr durch Atomenergie in Krisengebieten unterschätzt

Experten der internationalen Atomenergieorganisation IAEA untersuchen die Dekontaminationspläne der japanischen Regierung und des Betreibers Tepco. (Foto: <a href="https://www.flickr.com/photos/iaea_imagebank/8657963646" target="_blank">Greg Webb / IAEA
Experten der internationalen Atomenergieorganisation IAEA untersuchen die Dekontaminationspläne der japanischen Regierung und des Betreibers Tepco. (Foto: Greg Webb / IAEA / flickr.com, CC BY-SA 2.0)

Neben gezielten Angriffen können auch instabile politische und wirtschaftliche Verhältnisse die Sicherheit von AKWs sehr stark gefährden, zeigt eine Studie des Öko-Instituts. Daher bleibt die Nutzung von Kernenergie weltweit ein großes Risiko.

24.04.2017 – Immer wieder sorgen Störfälle in Atomkraftwerken für Schlagzeilen – bereits zweimal kam es schon zu einem Super-GAU. Die Endlagerung hochradioaktiven Atommülls bereitet der Politik und Wissenschaft ebenfalls nach wie vor Kopfzerbrechen. Nun ist das Öko-Institut einem weiteren, bisher wenig beachteten Thema nachgegangen: Wie gefährdet sind kerntechnische Anlagen in Krisengebieten? In unserer heutigen Zeit, die aufgrund unterschiedlicher politischer Entwicklungen immer unsicherer zu werden scheint, ist diese Frage durchaus angebracht.

Nicht nur gezielte Angriffe auf Kernkraftwerke, sondern auch die Folgen von instabilen Verhältnissen in Politik und Wirtschaft können die Sicherheit der Anlagen empfindlich beeinflussen, lautet das zentrale Ergebnis der von der Stiftung Zukunftserbe geförderten Studie. Natürlich sind es auch militärische Angriffe und Sabotageaktionen auf AKWs, die verheerende Auswirkungen haben können. Viel weniger offensichtlich sind jedoch die Gefahren, die von der umfangreichen nukleartechnischen Infrastruktur und deren Kontrolle ausgehen.

Kernenergie bietet vielfältige Angriffsfläche

„Um Kernenergie nutzen zu können, bedarf es einer umfangreichen institutionellen und materiellen Sicherheitsinfrastruktur. Zwischen- oder innerstaatliche Konflikte können diese Infrastruktur absichtlich oder unabsichtlich zerstören, was im schlimmsten Fall zu einer atomaren Katastrophe führen kann“, sagt Veronika Ustohalova, Projektleiterin der Studie. „Ein krisengeschütteltes Land hat so viele Probleme zu bewältigen, dass relevante Sicherheitsmaßnahmen und vorausschauende Handlungsabläufe im Umgang mit Kernenergie nicht immer gewährleistet sein können.“

Abgesehen davon, dass ein AKW natürlich selbst Schauplatz von Kampfhandlungen werden kann, können auch die Kontrollabläufe der Behörden oder die technische Betreuung des Kraftwerks in Krisensituationen erheblich gestört werden. Außerdem stellen die Lieferkette von Verschleiß- und Ersatzteilen sowie auch die Lagerung des hochradioaktiven Atommülls ein großes Gefahrenpotential dar.

Situation in der Ukraine als hochgefährlich eingestuft

So werde laut den Experten des Öko-Instituts dem Zusammenhang zwischen politischen Konflikten in der Ukraine und der nuklearen Sicherheit bisher zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Innerhalb von wenigen Jahren hätte sich das Land aus einer relativ stabilen Lage zu einem Krisengebiet gewandelt. Mehrmals sei die ukrainische Energieversorgung bereits Ziel militärischer Angriffe gewesen.

Durch die Sprengung mehrerer Strommasten auf der Halbinsel Krim wurden im November 2015 nicht nur knapp zwei Millionen Bewohner von der Stromversorgung abgeschnitten. Auch sei der Betrieb des Kernreaktors Saporoschschje so stark beeinträchtigt worden, dass die Betreiberfirma Ukrenergo die Situation als hochgefährlich eingestuft hat.

Abhängigkeit von der Kernenergie ist besorgniserregend

Trotz Hilfe aus dem Ausland, hätten weder die Regierung noch die zuständige Behörden eine vollständige Kontrolle über das radioaktive Material. „Ein gesicherter Betrieb der kerntechnischen Anlagen ist in dem erforderlichen Umfang nicht gewährleistet“, sagt Ustohalova. Allerdings befindet sich die Ukraine ebenfalls in einer starken Abhängigkeit von der Kernenergie, was Experten als besorgniserregend bezeichnen.

Umso wichtiger ist es daher, zukünftig viel mehr über das Gefährdungspotential von Atomkraftwerken in instabilen oder durch militärische Auseinandersetzungen beeinflussten Regionen zu diskutieren und berichten. Bisher werde das Risiko, das von einer gestörten kerntechnischen Infrastruktur ausgehe, noch viel zu häufig ignoriert. jk


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Kommentare

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Eitel Hecke 24.04.2017, 10:30:47

+163 Gut Antworten

Ohne Zweifel stellen instabile Atomkraftwerke eine große Gefahr dar.

Aus dieser Gefahr die Schlussfolgerung zu ziehen, generell auf jegliche Kernenergie in Zukunft zu verzichten, wie es beispielsweise grüne Politiker fordern, ist falsch.

Kernenergie besteht aus unterschiedlichen Technologien.

Es ist zu unterscheiden zwischen den gegenwärtigen Kernkraftwerken, wo im ungünstigen Fall eine nukleare Katastrophe durch unkontrollierte Kettenreaktionen atomarer Spaltprozess möglich ist und

-den in einigen Industrieländern entwickelten Kernreaktionen der 4. Generation mit einer sicheren Technologie und großer ökonomischer Bedeutung durch

.Nutzung eines erheblichen Teils des gegenwärtigen atomaren Mülls zur Energieerzeugung, der ansonsten in geologischen Enlagern entsorgt werden müsste,

.Kopplung der Stromproduktion zur Herstellung volkswirtschaftlich wichtiger Produkte; wie Kraftstoffe, die ansonsten aus Erdöl hergestellt werden,

Wasserstoff, der Rohstoff für ein Wasserstoffkraftwerk sein könnte,

Meerwasserentsalzung(die Wasserversorgung der zunehmenden Weltbevölkerung ist bereits ein Problem)

-Kernfusionskraftwerke, die sowohl in Deutschland als auch in internationaler Zusammenarbeit in Frankreich entwickelt werden.

Bei der Kernfusion ist eine nukleare Katastrophe ausgeschlossen und es entsteht nur ein geringer radioaktiver Abfall, der kein geologisches Endlager benötigt.

Kernfusionskraftwerke können vielleicht bereits 2050 Realität werden zur kohlendioxidfreien Energieversorgung in der ganzen Welt

Das Energieforschungsprogramm der Bundesregierung enthält einge Aufgaben zur Kernenergie, darunter die Kernfusion.

Energiewender 24.04.2017, 11:13:26

Herr Hecke, verschonen Sie uns doch bitte mit ihren nuklearromatischen Monologen. Die Zeiten der Kernenergie sind vorbei, das sieht sogar RWE ein. Sie werden hier keine Fürsprecher für Ihre Fantasien finden.

Eitel Heck 24.04.2017, 21:33:30

Energiewender

Ich habe wissenschaftlich-technische Fakten zu Entwicklungen neuer Kernenergietechnologien dargestellt und damit zur Diskussion gestellt.

Wenn die Zeiten der Kernenergie vorbei sind, wie Sie behaupten,

dann schauen Sie sich bitte das geförderte Energieforschungsprogramm der Bundesregierung an, dass in diesem Portal veröffentlicht ist.

Sie sollten auch einmal in Greifswald die Versuchsanlage zur Kernfusion besichtigen.

Die Weltkarte der Kernkraft ist im Internet veröffentlicht.


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